Wirtschaft

Einnahmen verdoppelt EnBW wird Gas-Umlage nutzen

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EnBW geht nach eigenem Bekunden derzeit davon aus, das AKW Neckarwestheim 2 zum Jahresende vom Netz zu nehmen.

(Foto: IMAGO/avanti)

Die EnBW-Kunden werden von der Gas-Umlage betroffen sein. Wegen der hohen Beschaffungskosten müsste der Konzern andernfalls wohl seine Prognose kappen. Eine Verdoppelung der Einnahmen allein reicht offenbar nicht, das Ziel zu erreichen.

Der Energiekonzern EnBW kämpft wegen der Gas-Lieferkürzungen Russlands mit stark gestiegenen Beschaffungskosten und wird anders als der Konkurrent RWE auf die geplante Gas-Umlage zurückgreifen. "Die Situation ist nicht vergleichbar", sagte Finanzchef Thomas Kusterer. RWE habe erklärt, wenig von den russischen Gaskürzungen betroffen zu sein.

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EnBW mit der Gas-Handelstochter VNG habe hingegen im Halbjahr wegen der Gassituation bereits Einbußen in Höhe von knapp 550 Millionen Euro gehabt. Hohe Beschaffungskosten trugen mit dazu bei, dass die Karlsruher im ersten Halbjahr einen Rückgang des operativen Ergebnis (Adjusted Ebitda) um 3,7 Prozent auf 1,42 Milliarden Euro verbuchten.

Belastet wurde das Ergebnis im Bereich Energienetze (Systemische Infrastruktur) durch Kosten für die Netzreserve. So mussten laut Mitteilung Reservekraftwerke öfter und zu deutlich höheren Kosten eingesetzt werden. Im Kundengeschäft (Vertriebe) drückten stark gestiegene Beschaffungskosten für Strom und Gas auf das Ergebnis. Im Bereich Erneuerbare Energien konnte der Ergebnisbeitrag jedoch deutlich gesteigert werden vor allem aufgrund besserer Windverhältnisse, höherer Marktpreise und der Inbetriebnahme neuer Solarparks.

Einnahmen verdoppeln sich

Der Umsatz wuchs hingegen um gut 114 Prozent auf 27,12 Milliarden Euro. Der auf Aktionäre der EnBW entfallende Konzerngewinn betrug knapp 564 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum war ein Verlust von knapp 163 Millionen Euro angefallen - ausschlaggebend dafür waren damals vor allem Abschreibungen in Höhe von 700 Millionen Euro gewesen.

Der Konzern hält trotz der Unsicherheiten an seiner Ergebnisprognose für das laufende Jahr fest. Erwartet werde ein operatives Ergebnis in der Größenordnung von 3,03 bis 3,18 Milliarden Euro. Das wäre ein Plus von zwei bis sieben Prozent zum Vorjahr. Weil bislang noch nicht einmal die Hälfte dieses Ziels eingefahren wurde, müsste im zweiten Halbjahr operativ mehr verdient werden - etwa durch die Weitergabe von Kosten.

"Gehen davon aus, dass AKW abgeschaltet wird"

Die Bundesregierung will mit der Umlage Gas-Importeure, Stadtwerke und andere Versorger entlasten, die wegen der Lieferkürzungen Russlands für das Ersatz-Gas hohe Summen aufbringen müssen. Die Kosten sollen auf alle Haushalts- und Industriekunden umgelegt werden. Die Höhe der Abgabe soll am Montag veröffentlicht werden. RWE hatte vor dem Hintergrund sprudelnder Gewinne angekündigt, die Mehrkosten selbst zu tragen.

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Die Verwerfungen auf den Strom- und Gasmärkten haben auch die Forderung nach einer Verlängerung des Atomausstiegs befeuert. Bislang sollen Ende des Jahres die drei in Deutschland verbliebenen Meiler, darunter der EnBW-Reaktor Neckarwestheim 2, Ende Dezember abgeschaltet werden. EnBW hält die Möglichkeiten für einen Weiterbetrieb technisch für begrenzt. "Wir gehen davon aus, dass unser Kernkraftwerk Neckarwestheim 2 Ende des Jahres abgeschaltet wird. Darauf bereiten wir uns entsprechend vor", sagte Kusterer.

Zunächst müsse aber das Ergebnis des Stresstests zur Versorgungssicherheit abgewartet werden. Mit den jetzigen Brennstäben sei ein Weiterbetrieb über 2022 hinaus nur für wenige Wochen möglich. Der Konzern bereite sich seit 2011 auf die Schließung seiner Meiler vor. Deshalb seien auch die Brennelemente relativ weit abgebrannt.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa/DJ

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