Wirtschaft
Jürgen Fitschen vor Gericht: Er ist wegen Falschaussagen im Kirch-Prozess angeklagt.
Jürgen Fitschen vor Gericht: Er ist wegen Falschaussagen im Kirch-Prozess angeklagt.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 14. Juli 2015

"Ich sehe nicht mehr viele Zeugen": Ende im Deutsche-Bank-Prozess ist in Sicht

Jeden Dienstag muss Jürgen Fitschen im Fall Leo Kirch vor Gericht erscheinen. Es ist ein Termin, der ihm wohl wenig Freude bereitet. Während vieles zunächst auf einen jahrelangen Prozess hindeutete, könnte jetzt alles schneller vorbei sein als ursprünglich gedacht.

Im Betrugsprozess gegen Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen und weitere Spitzenbanker macht das Gericht den Angeklagten Hoffnung auf ein zügiges Ende. Zwar sei das Verfahren erheblich im Rückstand mit der Beweisaufnahme und mit einem Abschluss des Verfahrens vor August nicht zu rechnen, sagte Richter Peter Noll in der Verhandlung in München. Er deutete aber an, dass er ein Ende des Prozesses noch in diesem Jahr erwarte: "Ich rede jetzt nicht vom nächsten Jahr. Ich rede davon, dass man vor der Sommerpause voraussichtlich nicht durchkommt", sagte Noll.

Das Gericht hat bis zum 4. August noch drei Verhandlungstage angesetzt und dann - nach dreiwöchiger Auszeit - wieder ab 28. August Termine reserviert. Fitschen, seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weitere Ex-Vorstände von Deutschlands größter Bank sollen ein anderes Gericht belogen haben, um eine milliardenschwere Schadenersatzklage des Medienmoguls Leo Kirch abzublocken. Der Unternehmer, der 2011 starb, hatte die Bank für den Zusammenbruch seines Imperiums verantwortlich gemacht.

Bis zu zehn Jahre Gefängnis drohen

Video

Während Kirch und die Bank den Schadenersatzprozess mit einem Vergleich beendeten, ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Prozessbetrugs und erhob schließlich Anklage. Die Banker, denen im äußersten Fall bis zu zehn Jahre Gefängnis drohen, haben die Vorwürfe mehrfach zurückgewiesen. Bei Prozessbeginn Ende April sah es zunächst nach einem sehr langen Verfahren aus. Wegen der umfangreichen Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft zu dem mehr als zehn Jahre währenden Streit zwischen Kirch und der Bank, drohte der Strafprozess anfangs sogar zu platzen.

Gericht und Verteidiger hatten sich von der schieren Menge überrascht gezeigt und Zweifel geäußert, sich selbst rechtzeitig einen Überblick verschaffen zu können. Doch nun scheint ein Ende in Sicht. "Ich sehe nicht mehr so viele Zeugen", sagte Fitschens Verteidiger Hanns Feigen und zählte drei Namen auf. Richter Noll regte an, die Aussagen der Zeugen aus den Akten der Staatsanwaltschaft zu studieren, statt sie im Gericht zu vernehmen. "Wir schauen uns das gern mal an", sagte Staatsanwalt Stephan Necknig.

Quelle: n-tv.de