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Sextäter hatte Dutzende Konten Epstein ist Albtraum für die Deutsche Bank

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Jeffrey Epstein hatte Dutzende Konten bei der Deutschen Bank. Wurden sie für Mädchenhandel genutzt?

(Foto: picture alliance/dpa)

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Der wegen Missbrauchs von Teenagern angeklagte US-Milliardär Jeffrey Epstein konnte sich trotz üblem Ruf und verdächtiger Transaktionen offenbar jahrelang auf seinen Geldverwalter verlassen: die Deutsche Bank. Die Parallelen zum Fall Donald Trump sind unübersehbar.

Ein schwerreicher, älterer Mann mit fragwürdigen Geschäften und einem problematischen Verhältnis zu Frauen: Dieses Kundenprofil erfüllt bei der Deutschen Bank offenbar nicht nur US-Präsident Donald Trump. Laut Berichten in US-Medien konnte sich auch Milliardär Jeffrey Epstein, dem die US-Justiz sexuellen Missbrauch Dutzender minderjähriger Mädchen und den Aufbau eines Sexhandelsrings vorwirft, über Jahre auf das deutsche Geldhaus verlassen.

Die Deutsche Bank soll demnach für die privaten und geschäftlichen Finanzen des ultrareichen Vermögensverwalters eine Schlüsselrolle gespielt haben: Laut Insidern soll Epstein Dutzende Konten bei der Deutschen Bank unterhalten und darüber Millionen Dollar bewegt haben, berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ). Wieviel Geld Epstein bei der Bank angelegt hatte, und wozu es benutzt wurde, ist bislang nicht bekannt.

Die "New York Times" berichtet, dass Deutsche-Bank-Mitarbeiter in diesem Jahr auf verdächtige Transaktionen gestoßen seien, als sich die Bank aufgrund zunehmender Medienberichte von Epstein zu lösen begann. Epstein habe Geld aus den USA ins Ausland transferiert. Die Bank hätte die verdächtigen Kontobewegungen dem US-Finanzministerium gemeldet. Die Hinweise seien laut der Zeitung verschickt worden, als die Deutsche Bank gerade untersuchte, ob Epstein seine finanziellen Mittel dafür verwendete, um minderjährige Mädchen zur Prostitution anzustiften.

Ein "Netzwerk minderjähriger Opfer"

Epstein soll laut Anklageschrift zwischen 2002 und 2005 in seinen Luxusanwesen in Manhattan und Florida Dutzende Mädchen sexuell missbraucht haben, einige waren laut Staatsanwaltschaft gerade mal 14 Jahre alt. Um "seinen Nachschub an Opfern zu erhalten und zu vergrößern" soll er einige der missbrauchten Mädchen dafür bezahlt haben, weitere Mädchen zu rekrutieren, um ein "weitreichendes Netzwerk minderjähriger Opfer" zu schaffen, schreiben die Ermittler.

Ähnliche Anschuldigungen hatte es bereits 2008 in Florida gegeben. Damals ging Epstein einen Deal mit den Ermittlern ein: Er bekannte sich in zwei Fällen schuldig und bekam eine dreizehnmonatige Haftstrafe, die er größtenteils in seinem Büro absitzen durfte. Wegen Epsteins extrem milder Strafe ist US-Arbeitsminister Alexander Acosta inzwischen zurückgetreten: Er hatte sie damals als Bezirksstaatsanwalt in Florida ausgehandelt.

Mit der Aufarbeitung von Epsteins potenziellen Verbrechen gerät nun auch sein Verhältnis zur Deutschen Bank ins Visier. "Die Deutsche Bank untersucht jegliche Geschäftsbeziehung zu Jeffrey Epstein genau und wir sind absolut entschlossen mit allen relevanten Behörden zu kooperieren", heißt es in einer Stellungnahme des Geldhauses an das "WSJ".

Dass Epstein seine Konten bei dem Geldhaus für seinen Mädchenhandel genutzt haben könnte, ist nicht abwegig: Die Ermittler haben bereits seine Bankunterlagen beschlagnahmt. Daraus geht laut Staatsanwaltschaft hervor, dass er zwei potenziellen Mitwissern, die gegen ihn hätten aussagen können, 350.000 Dollar gezahlt hat. Die Deutsche Bank schweigt dazu, ob das Geld über ihre Konten gelaufen ist.

Spezieller Service für Ultrareiche

Epsteins Beziehung zur Deutschen Bank reicht bis mindestens 2013 zurück. Damals habe seine Hausbank JPMorgan, bei der Epstein seit den 90er Jahren Kunde gewesen sein soll, dem Finanzier aus Angst um ihren Ruf gekündigt, berichtet das "WSJ". Schließlich war Epsteins Missbrauch von Teenagern da schon Jahre bekannt.

Nach seinem Wechsel zur Deutschen Bank gab es dort offenbar ähnliche Bedenken: Laut "New York Times" sollen zwei Compliance-Mitarbeiter schon 2015 und 2016 ihre Sorge über das Reputationsrisiko geäußert haben. Wegen potenziell illegaler Transaktionen auf Epsteins Konten sollen sie sogar einen Bericht ans Finanzministerium erstellt haben ("Suspicious Activity Report"). Es sei unklar, ob er jemals abgeschickt wurde. Bankmanager hätten die Bedenken zurückgewiesen, weil Epstein ein lukrativer Kunde gewesen sei, schreibt das Blatt.

Erst Ende 2018, als der "Miami Herald" in einer Artikelserie Epsteins Vorzugsbehandlung durch die Staatsanwälte in Florida enthüllte, begann auch die Deutsche Bank ihre Kundenbeziehungen zu dem Milliardär schrittweise zu kappen. Anfang 2019 meldete sie dann auch verdächtige Transaktionen auf seinen Konten ans US-Finanzministerium.

Damit wiederholt sich bei Jeffrey Epstein offenbar ein Muster, das bei der Deutschen Bank auch schon bei einem anderen prominenten Kunden aufgetreten ist: US-Präsident Donald Trump. Auch er war wie Epstein Kunde bei der Vermögensverwaltung der Bank. Die Abteilung für Superreiche hielt dem verurteilten Sexualstraftäter wie dem Pleitier Trump jahrelang die Treue, obwohl keine andere Bank mehr Geschäfte mit ihnen machen wollte. Und genauso wie sie offenbar Trumps Geheimnisse begraben hat, hat die Deutsche Bank womöglich auch über verdächtige Transaktionen auf Epsteins Konten jahrelang den Mantel des Schweigens gebreitet.

Auch wenn es womöglich keine personelle Übereinstimmung zwischen beiden Fällen gibt, sind die Ähnlichkeiten erdrückend. Für die Deutsche Bank heißt das nichts Gutes: Der US-Kongress untersucht bereits ihre Beziehungen zu Präsident Trump und seinem innersten Zirkel. Wegen Geldwäsche-Verdachts ermittelt das US-Justizministerium gegen die Bank. Jeffrey Epsteins Machenschaften sind womöglich ein weiterer Beleg dafür, dass ihre internen Kontrollen nicht funktionieren.

Quelle: n-tv.de

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