Wirtschaft

Verdächtiger im Abgas-Skandal Ex-Audi-Chef Stadler kommt frei

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Saß wegen des Diesel-Skandals mehr als vier Monate hinter Gittern: Rupert Stadler (Archivbild).

(Foto: picture alliance/dpa)

Der frühere Audi-Chef Rupert Stadler darf seine Zelle verlassen. Wie das Oberlandesgericht München mitteilt, kommt der Top-Manager unter Auflagen aus der Untersuchungshaft frei. Stadler saß seit Juni wegen Verdunkelungsgefahr hinter Gittern.

Deutschlands prominentester Verdächtiger im Skandal um manipulierte Auto-Abgaswerte kann sich nach mehr als vier Monaten hinter Gittern wieder auf freiem Fuß bewegen: Rupert Stadler wird aus der Untersuchungshaft entlassen. Der Haftbefehl gegen Stadler sei außer Vollzug gesetzt, teilte das Oberlandesgericht München mit.

Der 55-jährige Stadler muss allerdings strenge Auflagen beachten: Der langjährige Vorstandschef der Volkswagen-Tochter Audi muss eine Kaution hinterlegen und darf keinerlei Kontakt zu für das Ermittlungsverfahren relevanten Personen aufnehmen. Stadler ist bislang die einzige Führungskraft der deutschen Automobilindustrie, die im Zusammenhang mit dem Diesel-Skandal ins Gefängnis musste.

Stadler war Mitte Juni im Zuge der Ermittlungen der Strafverfolger unter Verweis auf eine drohende Verdunklungsgefahr festgenommen worden. Seitdem saß der Top-Manager abgeschirmt von der Öffentlichkeit in Untersuchungshaft. Stadler wird unter anderem vorgeworfen, versucht zu haben, Zeugen im Ermittlungsverfahren der Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen Porsche zu beeinflussen. Stadler war im Gefängnis mehrfach vernommen worden.

Laut Staatsanwaltschaft ist Stadler auch dafür verantwortlich, dass Audi noch lange nach Bekanntwerden der Abgasaffäre "Schummel-Diesel" in Europa verkauft hat. Den Ermittlern liegen E-Mails und Zeugenaussagen vor, wonach Stadler bereits seit Dezember 2015 gewusst haben muss, dass auch in europäischen Modellen unzulässige Abschalteinrichtungen eingesetzt werden.

Bei der Aufklärung der Betrugsvorwürfe kamen die Ermittler zuletzt offenbar so weit voran, dass ein weiterer Verbleib Stadlers in U-Haft nicht weiter erforderlich erschien. Der frühere Audi-Chef hatte wiederholt Einspruch gegen die aus Sicht seiner Anwälte unverhältnismäßige Inhaftierung eingelegt. Anfang August hatten Richter eine formelle Haftbeschwerde abgelehnt.

Stadler beteuert sein Unschuld

Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe weist Stadler Mitte zurück. Ihm seien immer wieder wichtige Informationen verschwiegen worden, hieß es nach einer Vernehmung vor wenigen Wochen. Stattdessen hätten Mitarbeiter ohne Erlaubnis Interna an das Kraftfahrbundesamt (KBA) oder die Staatsanwaltschaft weitergereicht. Dies habe die Aufklärung für Audi nicht leicht gemacht.

Anfang Oktober gab sein früherer Arbeitgeber, die Wolfsburger Konzernmutter Volkswagen, das endgültige Ausscheiden Stadlers aus dem VW-Vorstand bekannt. "Herr Stadler scheidet mit sofortiger Wirkung aus den Unternehmen aus und ist nicht mehr für den Volkswagen Konzern tätig", hieß es damals. Stadler wolle sich künftig  ganz auf seine Verteidigung konzentrieren.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP

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