Nahezu jeder FünfteFast acht Millionen Beschäftigte verdienen unter 15 Euro pro Stunde

Bundesweit überschreiten im vergangenen Jahr 7,7 Millionen Menschen nicht die Schwelle von 15 Euro Stundenlohn. Dabei stechen einige Branchen hervor, in denen sich die Niedriglohnjobs häufen.
Knapp jede und jeder fünfte Beschäftigte hat im vergangenen Jahr unter 15 Euro brutto pro Stunde verdient. Nach den jüngsten Daten waren dies im vergangenen April 7,7 Millionen Beschäftigte (19,3 Prozent), wie eine Antwort der Bundesregierung auf eine Linken-Anfrage zeigt.
Rund 10 Millionen Beschäftigte verdienen weniger als 16, rund 5 Millionen sogar weniger als 14 Euro. Die von der Regierung angeführten Daten stammen aus der jüngsten Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamtes.
Der gesetzliche Mindestlohn liegt in Deutschland derzeit bei 13,90 und soll Anfang 2027 auf 14,60 Euro steigen. Das Statistische Bundesamt hatte die Niedriglohnschwelle im April 2025 mit 14,32 Euro angegeben. Löhne mit weniger als zwei Drittel des mittleren Verdienstes zählen laut offizieller Einordnung dabei zum Niedriglohnsektor. Beim mittleren Lohn verdient die eine Hälfte der Beschäftigten mehr und die andere Hälfte der Beschäftigten weniger.
Vertreterinnen und Vertreter von Gewerkschaften und Politik fordern schon seit Längerem eine Lohnuntergrenze nicht unter 60 Prozent des mittleren Bruttolohns und berufen sich dabei auf die EU-Mindestlohnrichtlinie. Laut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung wären schon im vergangenen Jahr 15,12 Euro in Deutschland nötig gewesen, um die 60-Prozent-Schwelle zu erreichen. Dies ergibt sich laut der Stiftung aufgrund von OECD-Berechnungen.
Von Löhnen in den unteren Segmenten sind typischerweise etwa Beschäftigte in Restaurants und Hotels betroffen. Der Regierungsantwort zufolge gab es im Gastgewerbe im vergangenen Jahr über 1,1 Millionen Jobs unter 15 Euro. Aber beispielsweise auch Autohandel und -instandhaltung oder wirtschaftliche Dienstleistungen sind demnach stark betroffen.
Überdurchschnittlich hohe Anteile von Niedriglohnbeschäftigten gibt es laut Statistischem Bundesamt auch in Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft und bei Kunst, Unterhaltung und Erholung. In Westdeutschland hatten rund 6,5 Millionen Menschen Jobs unter 15 Euro - in Ostdeutschland knapp 1,2 Millionen. Rund 4,3 Millionen Betroffene sind Frauen - 3,4 Millionen Männer, wie die Daten weiter zeigen.