Wirtschaft

Wachstumsprognose angehobenFed rührt sich nicht - Ölpreisschock könnte Zinserhöhung bringen

18.03.2026, 20:11 Uhr
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Inzwischen ist mehr als unsicher, ob es in diesem Jahr überhaupt noch zu einer Zinssenkung kommt. (Foto: REUTERS)

US-Präsident Trump drängt die Fed regelmäßig zu Zinssenkungen, doch die Währungshüter halten angesichts des Iran-Konflikts still. Hohe Ölpreise und eine möglicherweise steigende Teuerung könnten hingegen eher für eine Anhebung sorgen.

Angesichts neuer Inflationssorgen infolge des Ölpreisschocks hält die US-Notenbank die Zinsen stabil. "Die Auswirkungen der Entwicklungen im Nahen Osten auf die US-Wirtschaft sind ungewiss", erklärte die Fed. Später ergänzte Notenbankchef Jerome Powell: "Die höheren Energiepreise werden die Inflation antreiben, aber es ist noch zu früh, um das Ausmaß abzuschätzen." Als Faustregel gilt unter Ökonomen, dass ein Preisanstieg von 10 Dollar pro Barrel die Inflation um etwa 0,2 Prozentpunkte nach oben treibt. Bislang beträgt der Preisaufschlag gut 30 Dollar. Den geldpolitischen Schlüsselsatz beließen die Banker daher in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Es ist die zweite Pause in Folge, nachdem die Fed die Zinsen im vorigen Jahr dreimal gesenkt hatte.

US-Präsident Donald Trump hat die unabhängigen Währungshüter um Powell immer wieder zu Zinssenkungen aufgerufen, zuletzt zu Wochenbeginn. Doch entschieden sie sich erneut dagegen. Aktienanleger sehen wegen der Inflationsrisiken immer geringere Chancen für sinkende US-Zinsen in diesem Jahr.

Angesichts des Krieges im Nahen Osten hat sich das makroökonomische Umfeld für die Fed - Vollbeschäftigung und Preisstabilität zu gewährleisten - zuletzt spürbar eingetrübt. Auf der einen Seite zeigen sich am US-Arbeitsmarkt inzwischen klare Abkühlungstendenzen; auf der anderen Seite erweist sich die Inflation als zu hartnäckig, um der Trump geforderten Zinssenkung einfach nachzukommen.

"Wir wissen es einfach nicht, wie sich der Ölschock auswirken wird", sagte Powell weiter. Ein Teil, aber nicht die gesamte höhere Inflationsprognose beruhe auf dem Ölschock. Bei der Kerninflation habe die Fed nicht die Fortschritte gesehen, auf die sie gehofft habe. Eine Reihe von Schocks habe den Inflationsverlauf gestört. "Wenn wir keine Fortschritte bei Inflation sehen, wird es keine Zinssenkung geben", sagte Powell.

"Eine Zinssenkung ist vorerst faktisch vom Tisch", meint Ökonomin Lena Dräger vom Kiel Institut für Weltwirtschaft. Vielmehr habe sich das Risikoprofil verschoben: Sollte der Ölpreisschock anhalten oder sich verstärken, wäre selbst eine erneute Straffung der Geldpolitik nicht mehr auszuschließen.

Derweil hoben die Notenbanker ihre US-Wachstumsprognose für das kommende Jahr an. Für 2027 geht die Zentralbank im Median mittlerweile von einem Plus von 2,3 Prozent aus - noch im Dezember hatten die Experten 2,0 Prozent vorhergesagt. Die Konjunkturerwartungen für das laufende Jahr stiegen leicht auf 2,4 Prozent (zuvor 2,3 Prozent). Die Inflation dürfte 2027 unterdessen steigen: Die Notenbank erwartet nun einen Wert von 2,2 Prozent statt bislang 2,1 Prozent. Für dieses Jahr hatten die Experten eine Teuerungsrate von 2,4 Prozent vorhergesagt - jetzt rechnen sie mit 2,7 Prozent.

Powell erklärte zudem, er habe nicht die Absicht, die Fed zu verlassen, bevor die Ermittlungen des Justizministeriums endgültig abgeschlossen seien. Powell fügte hinzu, er habe noch nicht entschieden, ob er nach Abschluss der Ermittlungen weiterhin als Fed-Gouverneur im Amt bleiben wird. Sollte der von Präsident Donald Trump nominierte Kandidat für den Vorsitz, Kevin Warsh, bis zum Ende seiner Amtszeit nicht bestätigt werden, werde er bis zur Bestätigung von Warsh als temporärer Vorsitzender fungieren, kündigte Powell an.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/AFP/dpa/DJ

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