Wirtschaft

Vorsicht in Washington Fed sieht von Zinserhöhung ab

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Fed-Gebäude in Washington.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die US-Notenbank Fed lässt erneut den Leitzins unverändert. Damit zögert sie die erste Zinserhöhung in diesem Jahr weiter hinaus. Dennoch lassen sich die Währungshüter um Janet Yellen die Tür für eine geldpolitische Straffung offen.

Die US-Notenbank Federal Reserve zögert noch mit der ersten Zinserhöhung in diesem Jahr und öffnet die Tür für eine Anhebung etwas weiter. Sie beschloss, den Schlüsselsatz zur Versorgung des Finanzsystems mit Geld in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent zu belassen.

Anders als noch Mitte März erwähnten die Währungshüter um Notenbankchefin Janet Yellen Störfeuer von außen nicht mehr ausdrücklich als Risiko für die US-Konjunktur. Zugleich verwiesen sie darauf, dass sich der Arbeitsmarkt trotz der jüngsten Konjunkturabkühlung weiter aufgehellt hat. Diese optimistischeren Töne lassen darauf schließen, dass die Fed offenbar etwas mehr Spielraum für eine Zinserhöhung sieht als bislang. Fachleute rechnen damit, dass die Notenbank die Zinsen dieses Jahr noch bis zu zwei Mal anheben wird - womöglich bereits im Juni oder September.

Die Notenbanker votierten mit neun zu eins Stimmen für ein unverändertes Zinsniveau. Die Wall Street zeigte sich weitgehend unbeeindruckt von der Entscheidung: Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab erst etwas nach, dann drehte er deutlich ins Plus. Der Dollar legte zum Euro zunächst zu, büßte dann aber wieder ein. Zum Yen zog die US-Währung deutlich an.

Auch Portfoliostratege Brian Jacobsen von Wells Fargo Funds Management wertete die Fed-Erklärung als etwas optimistischer als zuletzt im März: "Der Juni dürfte für eine Anhebung jedoch noch zu früh sein, wenn wir keinen ordentlichen Anstieg der Inflationszahlen sehen." Der relativ niedrige Preisauftrieb spricht auch nach Ansicht anderer Fachleute noch gegen eine baldige Zinserhöhung: Die Währungshüter blicken bei der Inflation besondere auf die Preisveränderungen bei persönlichen Verbraucherausgaben ohne Energie- und Nahrungsmittelkosten. Dieser Wert lag zuletzt mit 1,7 Prozent unter dem Fed-Zielwert von 2,0 Prozent.

Langsameres Wachstumstempo

Obwohl das Fed-Ziel der Vollbeschäftigung praktisch erreicht ist, signalisierte die Notenbank seit der Zinswende vom Dezember Zurückhaltung auf dem Weg zur weiteren geldpolitischen Straffung. Die Finanzmarkt-Turbulenzen zu Jahresbeginn haben die Währungshüter vorsichtiger werden lassen. Sie blicken mit Sorge auf die Abkühlung der Konjunktur in China. Auch in den USA zeichnet sich ein langsameres Wachstumstempo ab. Für die am Donnerstag anstehenden Daten zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im ersten Quartal rechnen Experten mit einem Plus von aufs Jahr hochgerechnet 0,7 Prozent. Damit wäre der Zuwachs nur noch halb so groß wie im Vorquartal.

In der Notenbank herrschte zuletzt Uneinigkeit darüber, wann die geldpolitischen Zügel gestrafft werden sollten. Experten erhoffen sich weitere Hinweise auf den weiteren Kurs, wenn die Protokolle der April-Sitzung am 18. Mai veröffentlicht werden. Anhänger einer eher weichen geldpolitischen Linie fürchten, dass steigende Zinsen den Aufschwung gefährden, zumal die EZB und auch die Notenbank Japans weiter auf eine Nullzinspolitik setzen. Dadurch wird der Dollar tendenziell gestärkt, was Waren "Made in USA" im Ausland verteuert.

Quelle: n-tv.de, wne/rts