Wirtschaft

Bescherung an Finanzmärkten Fed spielte mit ihrer Glaubwürdigkeit

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(Foto: picture alliance / dpa)

Die historische Stunde an den Finanzmärkten kommt auf den beinahe letzten Drücker. Die eigentlichen Referenzdaten machen diesen Schritte längst notwendig. Und so hat die Fed den optimalen Zeitpunkt verpasst.

Wie Kinder den Heiligabend haben die Akteure an den Finanzmärkten den Startschuss für die Zinswende in den Vereinigten Staaten herbeigesehnt. Nach einer Ära der Niedrigzinsen hat die amerikanische Notenbank Fed den Leitzins auf einen Korridor von nunmehr 0,25 bis 0,5 Prozent angehoben. Doch die Zeit, die Fed-Präsidentin Janet Yellen die Finanzmärkte auf diese Ankündigung warten ließ, zog sich eher hin wie ein unendliches Warten auf Godot.

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Kinder wissen, dass nach den 24 Türchen des Adventskalenders am Ende die Bescherung folgt. Die Fed hatte die Bescherung zwar angekündigt, doch immer wieder aufgeschoben. Ein gefährliches Spiel. Denn der Einfluss, den die Notenbank mit ihrer Geldpolitik ausübt, beruht in hohem Maße auch auf ihrer Berechenbarkeit. Wenn eine Notenbank in ihrer Reaktion von ihrem Verhalten in der Vergangenheit abweicht, kann es zu Übertreibungen an den Finanzmärkten kommen.

Lockerheit barg zunehmend Risiken

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Volker Wieland . Ökonomieprofessor und Wirtschaftsweiser.

(Foto: picture alliance / dpa)

Zeit für eine Zinswende in den Vereinigten Staaten wäre es längst gewesen. Das Mandat der Fed zielt sowohl auf stabile Preise als auch auf hohe Beschäftigung. Diesen Aspekt hat die Fed in den vergangenen zwei Jahren besonders betont.

Doch längst bewegt sich die Arbeitslosenquote innerhalb der Spanne von 4,7 bis 5,8 Prozent, die die Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) der Fed als "natürliche" Arbeitslosenquote betrachten. Eine weitere Senkung ließe sich höchstens langfristig über strukturelle Maßnahmen erzielen und nicht mit den Instrumenten der Geldpolitik.

Auch die Inflationsrate deutete schon länger auf eine Zinserhöhung hin. Die Kernrate der Inflation ohne Energie und Lebensmittelpreise lag bereits zur Sitzung im September je nach Messzahl zwischen 1,3 Prozent und 1,8 Prozent und entsprach damit genau dem angestrebten Zwei-Prozent-Ziel der Fed. Sollte die Inflation plötzlich anziehen und wesentlich über das Ziel der Fed hinausschießen, könnte eine unerwartet striktere Geldpolitik erforderlich sein. Deshalb birgt die expansive Geldpolitik der Fed Risiken. Die Zinsen bewegen sich bereits auf einem extrem niedrigen Niveau. Eine in diesem Maße expansive Geldpolitik ist in den Vereinigten Staaten nicht mehr notwendig.

Den optimalen Zeitpunkt für eine Zinserhöhung hat Fed-Präsidenten Yellen längst verpasst. Die Marktteilnehmer hatten schon vor drei Monaten auf die Zinswende gehofft. Auch Zinsregeln wie die Taylor-Regel hatten eine Erhöhung signalisiert. Nach der letzten Anhebung im Juni 2006 konnte es jetzt nur darum gehen, endlich zu handeln, bevor an den Finanzmärkten Ratlosigkeit und Verunsicherung dominieren.Zinswenden sind immer auch mit Unruhen an den Börsen verbunden. Unsicherheit über die künftige Entwicklung kann jedoch zu neuen Kapitalzuflüssen und -abflüssen führen.

Quelle: ntv.de

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