Wirtschaft

Erste Sitzung nach Kursschwenk Fed will Zinssatz bis 2023 nicht anrühren

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Die US-Notenbank geht davon aus, dass der Zinssatz bis Ende 2023 unverändert bleibt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Für die Fed ist künftig die Vollbeschäftigung das wichtigste Ziel. Dafür rückte sie jüngst vom Fokus auf den Preisanstieg ab. Und auch wenn sich die Wirtschaft wohl schneller erholt als bislang angenommen, bleibt die Arbeitslosigkeit höher als vor der Krise.

Die US-Notenbank will ihren Leitzins voraussichtlich bis Ende 2023 bei nahe null belassen. Das geht aus einer von der Federal Reserve (Fed) veröffentlichten Prognose hervor. Die Zentralbank beließ den Zinssatz auch am Mittwoch unverändert. Zur Begründung hieß es, der Geldmarktausschuss gehe davon aus, dieses Zinsniveau beizubehalten, bis die Ziele der Vollbeschäftigung und einer Inflationsrate von rund zwei Prozent erreicht seien. An der US-Börse legte der Dow-Jones-Index zu. Denn Aktien bleiben damit noch länger eine der lukrativsten Anlagemöglichkeiten.

Die Zentralbank hob zugleich ihre Konjunkturprognosen deutlich an. Für dieses Jahr erwartet die Notenbank wegen der Corona-Krise nun ein Schrumpfen der Wirtschaft um 3,7 Prozent. Im Juni war noch ein Einbruch von 6,5 Prozent befürchtet worden. Auch die Prognose für die Arbeitslosenquote ist nun optimistischer. Sie soll bis Jahresende auf 7,6 Prozent fallen, nach einer Prognose von 9,3 Prozent im Juni. Bis Ende 2021 erwartet die Fed demnach eine Arbeitslosenquote von 5,5 Prozent. Auch das wäre allerdings noch deutlich höher als vor der Zuspitzung der Corona-Pandemie. Im Februar hatte die Quote noch bei sehr niedrigen 3,5 Prozent gelegen.

Es war die erste geldpolitische Sitzung der US-Notenbank nach ihrem Strategieschwenk. Die Fed bekräftigte zudem, sie sei entschlossen, die gesamte Bandbreite ihrer Instrumente zu nutzen. Sie hatte zur Bekämpfung der Folgen der Corona-Pandemie unter anderem bereits umfangreiche Kreditprogramme aufgelegt, um die Konjunktur zu stützen. Ihren Leitzins beließ sie weiterhin in einer Spanne zwischen null und 0,25 Prozent.

Mit ihrer unlängst geänderten Strategie hat sich die Fed mehr Spielraum beim Anpeilen ihres Inflationsziels eingeräumt. So könnte sie nun die Teuerungsrate für einen längeren Zeitraum über dem angesteuerten Optimalwert von zwei Prozent halten, wenn diese zuvor geraume Zeit darunter geblieben ist. An erster Stelle soll das Ziel der Vollbeschäftigung stehen. Davon ist die US-Wirtschaft nach dem herben Einbruch infolge der Virus-Krise aber noch meilenweit entfernt, obgleich die Arbeitslosenquote zuletzt überraschend auf 8,4 Prozent gesunken war.

Powell ermuntert Washington zu weiteren Hilfen

Zentralbankchef Jerome Powell erklärte, die gegenwärtige Krise sei die schwerste Rezession der jüngeren Geschichte und könne nicht rasch überwunden werden. Um eine völlige Erholung zu erreichen, sei nicht nur die Geldpolitik, sondern auch die Fiskalpolitik gefragt, sagte Powell mit Blick auf das Handeln von Regierung und Kongress. "Mein Gefühl ist, dass es noch mehr fiskalische Unterstützung brauchen wird." Die bisherigen Konjunkturpakete seien für die Stabilisierung der Wirtschaft inmitten der Corona-Krise entscheidend gewesen, sagte er. Die Verhandlungen um ein weiteres Konjunkturpaket zwischen Parlament und Regierung stecken allerdings seit Wochen in einer Sackgasse.

Präsident Donald Trumps Republikaner wollen nur ein begrenztes Konjunkturpaket in Höhe von einigen hundert Milliarden US-Dollar, den Demokraten schwebte zuletzt ein Kompromisspaket von 1,5 bis 2 Billionen Dollar vor. Kongress und Regierung haben seit Beginn der Corona-Krise bereits Konjunkturpakete in Höhe von fast drei Billionen US-Dollar beschlossen, was mehr als zehn Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht.

Volkswirten zufolge hat die Fed jetzt ihre Tiefzinspolitik für lange Zeit zementiert. "Die Botschaft ist, dass die Zinsen auf Jahre sehr niedrig bleiben, und dies sogar dann, wenn die Inflationsrate deutlich anzieht", sagte Friedrich Heinemann vom Mannheimer Forschungsinstitut ZEW. "Hinzu kommt, dass sie neue geldpolitische Entscheidungen nun gerne auf die Zeit nach dem 3. November 2020 vertagt, um nicht den Präsidentschaftswahlkampf zu beeinflussen."

Quelle: ntv.de, jwu/hul/dpa/rts