Wirtschaft

Corona erfordert Winterschlaf Flughafen München schließt Terminal 1

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Ab 1. Dezember werden alle An- und Abreisen in München nur noch im Terminal 2 abgefertigt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Corona-Krise hat die Passagierzahlen einbrechen lassen. Am Flughafen in München werden pro Tag nur noch 10.000 Passagiere abgefertigt. Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht - und trotzdem fallen Kosten an. In der bayrischen Landeshauptstadt schickt man einen Terminal jetzt in den Winterschlaf.

Der Flughafen München stellt die Passagierabfertigung im Terminal 1 bis auf Weiteres ein. Aufgrund der weltweiten Reisebeschränkungen und Quarantäneregeln hätten die Fluggesellschaften ihr Angebot mit Beginn des Winterflugplans auch in München noch weiter reduziert, sagte ein Sprecher. Wurden im November vergangenen Jahres noch 120.000 Passagiere pro Tag abgefertigt, seien es jetzt nur 10.000 - "Tendenz leider fallend". Im Durchschnitt starteten und landeten lediglich 130 Passagiermaschinen am Tag. Ab 1. Dezember würden alle An- und Abreisen im Terminal 2 abgefertigt.

Die Flughäfen in Deutschland brauchen dringend Geld. Sonst drohten an vielen Standorten die Lichter auszugehen, warnten Teilnehmer des Luftverkehrsgipfels Anfang November. Die Corona-Krise hat die Passagierzahlen einbrechen lassen, eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Die Flughäfen haben wenig Einnahmen, müssen aber laufende Betriebskosten aufbringen. Über ein staatliches Rettungspaket von einer Milliarde Euro aber gibt es Gezerre. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer konnte der Branche bei der digitalen Konferenz am 6. November keine feste Zusage des Bundes geben. In der Abschlusserklärung heißt es, Bund und Länder wollten in den kommenden beiden Wochen nach finanziellen Lösungen suchen. Scheuer hatte vor dem Gipfel die Forderung nach einem Rettungspaket von einer Milliarde Euro platziert.

Schließlich schlug er dann ein 50:50-Modell vor: Die Verantwortung solle zur Hälfte bei Ländern und Kommunen liegen, in denen Flughäfen ansässig seien, und zu 50 Prozent beim Bund. Finanzminister Olaf Scholz ließ den CSU-Politiker aber erst einmal auflaufen. Ein Sprecher sagte, mit Blick auf die Flughäfen sei es dem Finanzministerium wichtig, dass die Eigentümer in der Verantwortung stünden. Dies betreffe auch den Bund dort, wo er Eigentümer ist. Der Bund ist beteiligt an den Flughäfen in Berlin, Köln-Bonn und München.

Scholz will angesichts der hohen Kosten für den Bund in der Corona-Pandemie offenbar erst einmal abwarten, ob und wie weit sich die Länder bewegen - sie sind schließlich gemeinsam mit Anrainer-Kommunen die Eigentümer der meisten Flughäfen. Die Länder-Finanzminister und Kommunen aber sind in Corona-Zeiten finanziell nicht auf Rosen gebettet. Entsprechend zurückhaltend sind bisher die Äußerungen.

Flughäfen wollen Vorhaltekosten erstattet bekommen

Die Branche jedenfalls versuchte alles, um die Dramatik der Lage deutlich zu machen. Der Branchenverband BDL sieht mindestens 60.000 der 260.000 direkten Arbeitsplätze unmittelbar bedroht. Viele seiner Mitglieder kämpften ums Überleben, berichtete Stefan Schulte, Präsident des Flughafenverbands ADV. Grundsätzlich sei Deutschland dezentral und föderal organisiert, benötige daher flächendeckend Flughäfen wie auch Breitbandkabel. Die entsprechende Struktur müsse erhalten und durchfinanziert werden.

In einem ersten Schritt verlangen die Flughäfen die Erstattung der sogenannten Vorhaltekosten aus der ersten Shutdown-Zeit von März bis Juni. 740 Millionen Euro habe es gekostet, die Flughäfen auf Wunsch der Politik für Versorgungsflüge offenzuhalten, rechnet der ADV vor. Aktuell gebe es einen faktischen zweiten Shutdown, sodass man auch zu mittelfristigen Kostenentlastungen kommen müsse.

Quelle: ntv.de, jki/dpa