Wirtschaft

Neue globale Kooperation Ford plant Allianz mit Volkswagen

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Neuwagen vor dem VW-Werk in Pamplona: Ford setzt große Hoffnungen auf die Partnerschaft mit dem größeren Rivalen aus Deutschland.

(Foto: REUTERS)

Europas größer Automobilkonzern sichert sich einen starken Partner in Amerika: Der US-Hersteller Ford will künftig weltweit mit den Wolfsburgern zusammenarbeiten. Details dazu sollen auf der Detroiter Automesse vorgestellt werden.

Die Kooperationsgespräche zwischen Volkswagen und dem US-Autobauer Ford sind auf der Zielgeraden. Man sei "ein Stück weitergekommen", es gebe ausreichend Gemeinsamkeiten für eine grundsätzliche Einigung, hieß es aus Branchenkreisen.

Nach dpa-Informationen könnte das Pickup-Modell "Amarok" eines der ersten gemeinsamen Projekte werden - angesichts der ausgewiesenen Ford-Kompetenz in diesem vor allem für den US-Markt wichtigen Sektor. Schon im Dezember hatte es geheißen, es gebe eine grundsätzliche Einigung zum Bau von Transportern.

Bei Volkswagen wollte sich dazu offiziell niemand äußern. Insidern zufolge sollen Details der neuen Allianz von Ford und Volkswagen kommende Woche auf der Automesse in Detroit verkündet werden. Die Rede war von einer Rahmenvereinbarung für eine globale Zusammenarbeit. Die Gespräche zwischen den beiden Autobauern erstreckten sich demnach jedoch auch auf Projekte beim autonomen Fahren und der Elektromobilität.

Weit fortgeschrittene Pläne

Derzeit werde noch an Einzelheiten einer Rahmenvereinbarung gefeilt, hieß es. Vor einer Bekanntgabe der Details müsse jedoch noch der VW-Aufsichtsrat grünes Licht geben. Das soll den Informationen zufolge bei einer für Freitag angesetzten Sitzung geschehen. "Die Gespräche laufen gut", meinte ein Eingeweihter. Volkswagen interessiert sich demnach für eine Investition in die Ford-Sparte für autonomes Fahren. Umgekehrt zieht der US-Konzern angeblich eine Lizenzierung des Elektrobaukastens MEB von Volkswagen in Betracht.

Die Kooperation mit Volkswagen soll Ford auch bei der Sanierung und Neuausrichtung des Europa-Geschäfts helfen. Der von Ford angekündigte Abbau von Arbeitsplätzen und die Überarbeitung des Modellangebots erfolgten jedoch unabhängig vom Ergebnis der Gespräche mit Volkswagen, hieß es aus der Europa-Zentrale des Autobauers in Köln. "Es ist zu früh um zu spekulieren, wie sich die VW-Allianz auf unsere Strategie auswirken wird", betonte Ford-Europachef Steven Armstrong. Amerikas Nummer zwei steht wegen des Brexit in Europa unter Druck und muss sein Geschäft dort restrukturieren. Dazu hat Ford auch einen umfangreichen Stellenabbau angekündigt.

Strategische Geste für Trump?

Den Spekulationen über ein neues, transatlantisches Bündnis im Autobau hatte Volkswagen-Chef Herbert Diess bereits im Dezember selbst neue Nahrung gegeben, als er anlässlich des Besuchs deutscher Automanager bei US-Präsident Donald Trump in Washington ein globales Bündnis in Aussicht stellte, das auch der amerikanischen Autoindustrie zugute kommen würde. Die Idee einer deutsch-amerikanischen Allianz setzte Diess dabei als Argument ein, um den US-Präsidenten von höheren Importzöllen abzubringen.

Trump hat die Autoindustrie ins Visier genommen, von der er verlangt, stärker in den USA zu investieren, um dort Arbeitsplätze zu schaffen. Diess will die Kosten senken und so Mittel für die Neuausrichtung von Volkswagen freischaufeln. Davon hätten beide Partner etwas, argumentierte er: "Wir bauen eine Allianz mit Ford auf, die die Position von Ford in Europa stärken wird, weil wir uns Plattformen teilen."

"Gratwanderung" der Konkurrenten

Der Wolfsburger Konzern und der zweitgrößte US-Autobauer hatten davor bereits im Juni angekündigt, eine strategische Zusammenarbeit bei Transportern auszuloten. Bei den weiteren Gesprächen stellte sich dann offenbar heraus, dass man auch auf anderen Gebieten kooperieren kann, um die Kosten zu senken.

Der VW-Chef brachte in Washington dann auch die mögliche Nutzung von Produktionskapazitäten von Ford in den USA durch die Niedersachsen ins Spiel. Dagegen hielten sich die Amerikaner mit solchen Ankündigungen zurück. Konzernchef Jim Hackett sprach von einer "Gratwanderung", weil Ford und VW auch Konkurrenten seien. Unternehmenskreisen zufolge sucht Ford Investoren für seine Tochter Argo, die Systeme für selbstfahrende Autos entwickelt.

Ford will den Rückstand zum Rivalen General Motors aufholen, dessen Marke Cruise computergesteuerte Wagen demnächst testet. Als führend auf dem Gebiet gilt die Google-Schwester Waymo, deren Fahrzeuge in den USA schon viele Testkilometer zurückgelegt haben. Auch chinesische Techgiganten wie Baidu und Tencent wollen ein Stück vom Kuchen. Um in diesem Rennen um die Zukunft der Mobilität nicht abgehängt zu werden, sucht Volkswagen Anschluss.

Elektroautos aus Hannover?

Ein führender Manager des Wolfsburger Konzerns sagte unlängst mit Blick auf den enteilten Konkurrenten Waymo, man könne nicht aufholen, in dem man mehr Geld ausgebe als die Amerikaner. Diese hätten im Zweifel tiefere Taschen. Im Moment komme es darauf an, ein robustes System an den Start zu bringen, das nicht die Welt koste.

Alle großen Autobauer investieren derzeit massiv in den Ausbau der Elektromobilität, neue Mobilitätsdienste und die Entwicklung selbstfahrender Autos. Um sich die Entwicklungskosten zu teilen, arbeiten immer mehr Unternehmen dabei zusammen. Im Zuge der Kooperation, heißt es aus Wolfsburg, könnte Volkswagen Teile seiner Transporter-Produktion aus Hannover in ein Ford-Werk in der Türkei auslagern und so Platz schaffen für den Bau von Elektroautos.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/rts

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