Wirtschaft

"Führt kaum zum Abbau von Armut" Forscher: Kaum Effekt bei Mindestlohn-Erhöhung

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Derzeit beträgt der Mindestlohn noch 9,82 Euro.

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Bis zum 1. Oktober will die Bundesregierung den Mindestlohn auf 12 Euro erhöhen. Forscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft sehen diesen Schritt aber kritisch. Viele von Armut betroffene Personen werde die Erhöhung nicht erreichen, etwa Rentner, Selbstständige, Arbeitslose oder Teilzeitbeschäftigte.

Die geplante Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro hat dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) zufolge größere Folgen als dessen Einführung 2015. "Bei einem so hohen Mindestlohn steigt die Gefahr, dass es zum Abbau von Beschäftigung in den betroffenen Lohnbereichen kommt", sagte IfW-Forscher Dominik Groll. "Gleichzeitig wird der höhere Mindestlohn kaum zum Abbau von Armut oder sozialer Ungleichheit führen."

Ein Mindestlohn erreiche den weitaus größten Teil der von Armut gefährdeten Personen nicht, kritisierte Groll. Das seien vor allem Rentner, Selbstständige, Arbeitslose oder Teilzeitbeschäftigte. Nur ein relativ kleiner Teil der Niedriglohnbezieher lebe in Haushalten nahe der Armutsgrenze, deutlich mehr dagegen in Haushalten mit mittleren oder hohen Einkommen.

Monatslöhne bleiben oft unverändert

Für Arbeitnehmer in Deutschland soll vom 1. Oktober an ein Mindestlohn von 12 Euro je Stunde gelten. Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf von Arbeitsminister Hubertus Heil für die Erhöhung der Lohnuntergrenze bereits beschlossen. Damit gab die Runde grünes Licht für die Umsetzung eines zentralen Versprechens von Kanzler Olaf Scholz im Wahlkampf. Grüne und FDP gaben im Koalitionsvertrag ihre Zustimmung. Auf den Kabinettsbeschluss folgt die Befassung im Bundestag.

Laut Reuters vorliegendem Gesetzentwurf können etwa 6,2 Millionen Beschäftigte mit einer Gehaltserhöhung rechnen. Derzeit beträgt der Mindestlohn noch 9,82 Euro. Am 1. Juli steigt die Lohnuntergrenze nach geltendem Recht auf 10,45 Euro.

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Dem IfW zufolge hat die Einführung des Mindestlohns 2015 wissenschaftlichen Studien zufolge die Stundenlöhne zwar erhöht, die Zahl der Arbeitsstunden aber sinken lassen. Die Monatslöhne seien unverändert geblieben. "Das Versprechen eines deutlich höheren Mindestlohns klingt verlockend, arbeits- und sozialpolitisch dürfte die Steigerung aber ihre versprochene Wirkung verfehlen", sagte Groll.

Dem Statistischen Bundesamt zufolge entspricht der aktuelle Mindestlohn von 9,82 Euro pro Stunde rechnerisch bei einer Vollzeitstelle einer Lohnuntergrenze von 1621 Euro brutto im Monat. Das wiederum entspreche 48 Prozent des durchschnittlichen Bruttoverdienstes aller vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer. In der EU gibt es Bestrebungen, die nationalen Mindestlöhne auf mindestens 60 Prozent des jeweiligen durchschnittlichen Bruttomedianverdienstes anzuheben.

Quelle: ntv.de, mbu/rts/dpa

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