Wirtschaft

Klage gegen Autobauer erhoben Gericht bestätigt Einigung im Airbag-Skandal

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Mehr als 100 Millionen Airbags wurden zurückgerufen.

(Foto: REUTERS)

Es ist der größte Rückruf in der Autoindustrie: Produzent Takata muss mehr als 100 Millionen Airbags austauschen. Eine Milliarde Dollar muss die Firma deshalb zahlen. Nun geraten auch Autobauer, darunter BMW, ins Visier von Anwälten.

Der Autozulieferer Takata hat mit einem Schuldgeständnis im Airbag-Skandal eine wichtige Hürde genommen. Damit kann sich das japanische Unternehmen jetzt stärker auf die Suche nach Investoren konzentrieren, um an dringend benötigtes Geld zu kommen. Ein US-Gericht akzeptierte die im Januar erzielte Einigung mit den US-Behörden. Takata-Finanzchef Yoichiro Nomura erschien dabei persönlich vor dem Gericht: "Ich möchte mich im Namen von Takata in aller Form entschuldigen", sagte er. Takata muss eine Milliarde Dollar Strafe zahlen und sich drei Jahre lang unter die Aufsicht eines unabhängigen Prüfers stellen.

Bei den Anwälten von Opfern stieß die Einigung auf Kritik. Sie bemängeln vor allem, dass darin auch die Autobauer als Geschädigte bezeichnet werden. Die Anwälte werfen Honda, Nissan, BMW, Ford und Mazda vor, von den fehlerhaften Takata-Airbags jahrelang gewusst und sie aus Kostengründen dennoch benutzt zu haben. Eine entsprechende Klage wurde bereits eingereicht. Zudem wurden Dokumente eingereicht, die belegen sollen, dass die Autobauer frühzeitig von den fehlerhaften Airbags wussten.

Weltweit stehen mindestens 16 Todesfälle mit defekten Aufblasvorrichtungen von Takata in Verbindung. Mehr als 100 Millionen Airbags wurden zurückgerufen, davon allein in den USA 70 Millionen. Betroffen sind dort etwa 42 Millionen Fahrzeuge. Es ist der größte Rückruf in der Geschichte der Auto-Industrie. Noch sind Millionen Airbags nicht ausgetauscht. Den US-Behörden zufolge hatten Takata-Manager jahrelang gefälschte Testberichte an Auto-Hersteller geschickt.

Takata braucht dringend Geld

Richter George Steeh erklärte, er habe eine höhere Strafe in Erwägung gezogen. Da dies aber den noch notwendigen Austausch vieler Airbags verzögern könnte, habe er davon abgesehen. Zudem bestünde die Gefahr eines Bankrotts von Takata. Der Autozulieferer braucht für den Ersatz der defekten Luftkissen dringend Geld. Die Rückrufe könnten Takata mehrere Milliarden Dollar kosten. Wegen des Skandals erwartet das Unternehmen in dem im März endenden Geschäftsjahr 2016/17 bereits den dritten Verlust in Folge. Das Unternehmen ist deshalb auf der Suche nach Investoren.

Berichte, wonach Takata im Zuge dessen auch einen Antrag auf Gläubigerschutz für seine US-Tochter TK Holdings erwägt, wies der Konzern zurück. TK Holdings erwirtschaftet knapp 50 Prozent der globalen Takata-Umsätze. Mit der nun erzielten Einigung sind die juristischen Auseinandersetzungen von Takata in Zusammenhang mit dem Skandal aber noch nicht beendet. So gibt es noch verschiedene Zivilklagen. Zudem wurden drei langjährige Takata-Manager wegen der Fälschung von Tests verklagt.

Quelle: n-tv.de, mli/rts

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