Wirtschaft

Fehlender "rechtlicher Kompass" Gericht verurteilt Ex-Unister-Manager

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Bei der Praxis des "Runterbuchens" wurde den Kunden ein Flug zu einem auf der Webseite angezeigten Preis verkauft, während Unister hinter den Kulissen günstigere Konditionen erzielte und die Differenz einbehielt.

(Foto: picture alliance / Jan Woitas/dp)

Sie sollen betrogen, Steuern hinterzogen und Fluggäste geprellt haben. Nun müssen sich zwei Ex-Manager des insolventen Unternehmens Unister dafür verantworten: Bewährung und Geldstrafe lautet das Urteil bei einem der größten Wirtschaftsprozesse 2017.

Zwei ehemalige Manager des Internetkonzerns Unister sind in Leipzig zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Der frühere Finanzchef von Unister, Daniel K., bekam vom Landgericht Leipzig zwei Jahre auf Bewährung sowie eine Geldstrafe. Der frühere Leiter Flugbereich der Unister-Gruppe, Holger F., wurde zu einem Jahr und sieben Monaten auf Bewährung verurteilt.

Die Anklage hatte K. Betrug, Steuerhinterziehung und unerlaubten Vertrieb von Versicherungsgeschäften vorgeworfen, F. musste sich ebenfalls wegen Betrugs verantworten. Beide sollen unter anderem Kunden von Flugportalen wie ab-in-den-Urlaub.de in großem Stil Kostenvorteile vorenthalten und dadurch zu hohe Flugpreise abgebucht haben. Zudem soll Unister unerlaubt Versicherungen als Serviceleistungen angeboten und sogenannte Serviceentgelte nicht korrekt versteuert haben.

Prozess gegen dritten Angeklagten eingestellt

Unister selbst und auch die Verteidiger der beiden Angeklagten hatten die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen und erklärt, die Praxis des sogenannten Runterbuchens sei in der gesamten Reisebranche üblich. Der Prozess gegen einen ursprünglich dritten Angeklagten war zuvor gegen eine Geldauflage eingestellt worden.

Das Internet-Unternehmen hatte im Juli 2016 Insolvenz angemeldet, nachdem Gründer und Gesellschafter Thomas Wagner tödlich mit dem Flugzeug verunglückt war. Daraufhin mussten zahlreiche Tochterfirmen ebenfalls Insolvenz anmelden, die Geschäftsfelder wurden inzwischen verkauft. Wagner hatte Unister 2002 in Leipzig gegründet, damals war er noch Student. Er galt als zentrale Figur des Unternehmens.

Die Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Dresden hatten bereits vor gut fünf Jahren begonnen. Im Januar dieses Jahres begann dann der Prozess gegen die Ex-Führungskräfte. In seinem Plädoyer sagte Dirk Reuter von der Generalstaatsanwaltschaft, Unister habe "der rechtliche Kompass" gefehlt.

Quelle: ntv.de, hny/AFP

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