Wirtschaft

Millionenwert für 600 Euro Gerichtsvollzieher will Passagierjet pfänden

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Condor streckte das Geld für die säumige Schwester-Airline Thomas Cook Airlines UK vor: "Als wir davon erfahren haben, wurde die Forderung sofort beglichen."

(Foto: Thomas Cook Group Airlines)

Lange Gesichter am Flughafen Salzburg: Ein Vollstreckungsbeamter der Justizbehörden will auf dem Rollfeld ein wartendes Flugzeug beschlagnahmen - um die Rechtsansprüche eines verärgerten Passagiers durchzusetzen. Die Airline gibt sich zerknirscht.

Peinlicher Besuch am Rollfeld: Ein Gerichtsvollzieher hat am Salzburger Flughafen gedroht, ein Flugzeug des Condor-Schwesterunternehmens Thomas Cook Airlines UK zu pfänden. Ein Condor-Sprecher bestätigte auf Anfrage entsprechende Angaben der "Welt".

Wie die Zeitung berichtet, hatte der Gerichtsvollzieher den Auftrag, 600 Euro einzutreiben, die trotz eines gültigen Vollstreckungstitels nicht bezahlt worden war. Die Passagiermaschine war im Auftrag der deutschen Fluggesellschaft Condor unterwegs.

Das zuständige Gericht sah die Verhältnismäßigkeiten gewahrt: Ein Flugzeug im Wert eines zweistelligen Millionenbetrags für ein paar Hundert Euro zu beschlagnahmen sei durchaus denkbar, hieß es am Oberlandesgericht Linz. Um den ausstehenden Betrag zu sichern, könne der Gerichtsvollzieher durchaus auch sehr viel wertvollere Wertgegenstände aus dem Verkehr ziehen, wenn "kein geringwertigeres Wirtschaftsgut in Reichweite" sei, wie es in dem Bericht heißt.

Mit Verspätung nach Kuba

Hintergrund war die Forderung eines verärgerten Passagiers, der wegen einer 22-stündigen Verspätung eines Fluges im Jahr 2012 nach Kuba von Thomas Cook Airlines 600 Euro forderte. Als die Airline nicht zahlte, schaltete er nach Informationen der Zeitung das Fluggastrechteportal Flightright ein, eine Firma, die gegen Provision im Auftrag von Kunden ausstehende Entschädigungen von Airlines erstreitet.

Flightright wollte in der Sache nicht locker lassen - wohl auch um ein Exempel zu statuieren. Die Juristen setzten ein "ziemlich zeitraubendes europäisches Mahnverfahren in Gang", berichtet die "Welt" - allerdings ohne den gewünschten Erfolg. Die Überweisung der Fluggesellschaft blieb aus.

Als letztes Mittel blieb nur das Eintreiben der Forderung per Gerichtsvollzieher: Auf Betreiben des Portals machte sich der zuständige Beamte Ende vergangener Woche tatsächlich auf den Weg zum Flughafen, um dort seines Amtes zu walten. Erst als er verlangte, auf das Flughafengelände vorgelassen zu werden, um die Maschine mit dem berühmten "Kuckuck", seinem Amtssiegel, zu beschlagnahmen, sei plötzlich alles ganz schnell gegangen, schreibt das Blatt.

Jede Minute kostet Geld

Branchenkenner sind nicht überrascht: Wäre der Passagierjet tatsächlich beschlagnahmt worden, hätte das für die Fluggesellschaft binnen Minuten erheblich Kosten verursachen können. Schon allein der Aufwand, für die wartenden Passagiere eine Ersatzmaschine zu besorgen, hätte die ausstehende Forderung in Höhe von 600 Euro um ein Vielfaches überstiegen.

"Es tut uns furchtbar leid", erklärte der Condor-Sprecher. "Als wir davon erfahren haben, wurde die Forderung sofort beglichen." Die Forderung sei schließlich berechtigt gewesen. Warum Thomas Cook Airlines UK nicht rechtzeitig reagiert hatte, blieb unklar.

Flightright ist bei weitem nicht der einzige Anbieter, der sich auf die Durchsetzung von Rechtsansprüchen von Flugreisenden spezialisiert hat. Neben dem Portal mit Sitz in Potsdam bieten im deutschsprachigen Raum auch Fairplane aus Wien und Euclaim aus Berlin entsprechende Dienste an.

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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