Wirtschaft

Goldreserve immer wertvollerKein Scheck aus Frankfurt - Bundesbank macht erneut Milliardenminus

05.03.2026, 15:06 Uhr
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Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, spricht auf der Pressekonferenz der Deutschen Bundesbank zum Geschäftsbericht 2025. (Foto: picture alliance/dpa)

Lange Zeit kann der Finanzminister mit einer jährlichen Überweisung der Bundesbank rechnen. Doch diese Zeiten sind vorbei. Zum inzwischen sechsten Mal bleibt die Zahlung aus. Und daran wird sich absehbar auch nichts ändern. Grund ist die EZB-Krisenpolitik.

Die Bundesbank wird nach einem erneuten Milliardenverlust auch dieses Jahr rote Zahlen schreiben. Damit fällt eine Gewinnüberweisung aus Frankfurt an den Bund nicht nur im sechsten Jahr in Folge, sondern auch absehbar aus. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel stimmte bei der Bilanzvorlage in Frankfurt auf weitere magere Jahre ein, betonte aber zugleich die Stärke der Notenbank. Angesichts einer deutlichen Verbesserung der Ertragslage sank der Jahresfehlbetrag 2025 im Vergleich zum Rekordminus von 2024 immerhin um mehr als die Hälfte auf 8,6 Milliarden Euro. "Wir haben zwar weiter finanzielle Belastungen zu tragen, sie lassen aber nach", sagte Nagel. Es bleibe Geduld gefragt, denn die Bundesbank werde im laufenden Jahr erneut einen Jahresfehlbetrag ausweisen.

Der Bilanzverlust, der sich aus dem Verlustvortrag und dem aktuellen Jahresfehlbetrag ergibt, beläuft sich zurzeit auf 27,8 Milliarden Euro. "Künftige Jahresüberschüsse werden wir nutzen, um den aufgelaufenen Bilanzverlust aus eigener Kraft ab- und die notwendige Risikovorsorge aufzubauen", sagte Nagel. Dennoch habe man eine "lange Wegstrecke" vor sich. Die Bundesbank hatte zuletzt für das Geschäftsjahr 2019 einen Gewinn an den Bund abgeführt. Damals konnte Finanzminister Olaf Scholz mit 5,85 Milliarden Euro die höchste Summe seit der Finanzkrise verbuchen.

Der Verlust der Bundesbank ist eine Folge der Geldpolitik im Euroraum. Hauptgrund ist, dass die Zinsausgaben der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank (EZB) für Gelder, die Geschäftsbanken bei ihr parken, deutlich größer sind als die Zinseinnahmen aus dem riesigen Bestand an Anleihen, die die Bundesbank im Auftrag der EZB kaufte. Nagel verwies darauf, dass die Bundesbank nach wie vor große Bestände an Wertpapieren mit fester, niedriger Verzinsung halte. Sie wurden über die geldpolitischen Ankaufprogramme der EZB erworben. Auslaufende Papiere werden zwar bei Fälligkeit nicht mehr reinvestiert. Aber aufgrund der langen Laufzeiten sinken die Bestände nur allmählich.

Auch mit einem Bilanzverlust kann die Bundesbank laut Nagel ihre Aufgaben vollumfänglich erfüllen. Denn sie habe weiterhin eine solide Bilanz. Die Bundesbank verfüge über hohe Bewertungsreserven, die Ende 2025 auf 388 Milliarden Euro angewachsen waren und damit um ein Vielfaches höher als der aktuelle und zu erwartende Bilanzverlust lagen.

Die Bilanzsumme veränderte sich im Jahr 2025 nur leicht: Sie sank um 24 Milliarden Euro auf knapp 2,35 Billionen Euro. Zwar gingen die geldpolitischen Anleihebestände um 122 Milliarden Euro zurück, aber der Rückgang wurde durch die Bewertung der Goldposition zum Bilanzstichtag ausgeglichen. Diese kletterte aufgrund des starken Goldpreisanstiegs gegenüber dem Vorjahresende um 125 Milliarden Euro auf den neuen historischen Höchstwert von 395 Milliarden Euro. Damit erhöhte sich das Nettoeigenkapital um 112 Milliarden auf 363 Milliarden Euro. An der Börse in London wurde eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) noch Anfang 2025 bei etwa 2.600 Dollar gehandelt. Zum Jahresende war die Notierung bis auf etwa 4.300 Dollar gestiegen, zuletzt lag der Preis bei knapp 5.200 Dollar.

Insgesamt verfügt die Bank über einen Goldbestand von 3.350 Tonnen. Der größte Teil davon wird in Frankfurt gelagert mit 1.710 Tonnen, weitere 1.236 Tonnen liegen bei der US-Notenbank Fed in New York. Angesichts der aggressiven Politik von US-Präsident Donald Trump mehrten sich Forderungen, die Bestände nach Deutschland zu holen - was Bundesbank-Präsident Nagel ablehnt. Während die Bestände in New York stabil blieben, sanken sie in London um etwa eine Tonne auf 404 Tonnen. Wie die Bundesbank weiter mitteilte, hat sich der gesamte Goldbestand im vergangenen Jahr um 1,26 Tonnen verringert. Diese Menge wurde für die Prägung von Goldmünzen genutzt.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa

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