Wirtschaft

Suchmaschine politisch gefärbt? Google-Mitarbeiter wollten Trump sabotieren

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Donald Trump beklagt politische Propaganda aus dem Silicon Valley. Bei Google hat man offenbar darüber nachgedacht.

(Foto: picture alliance/dpa)

2017 diskutierten Google-Techniker offenbar darüber, die Suche zu manipulieren, um Donald Trumps Muslim-Bann zu untergraben. Auch wenn am Ende nichts passierte: Die Episode zeigt die Propagandamacht der Internetriesen.

Zwischen all den Lügen und Fake News, die Donald Trump täglich verbreitet, fand sich vor etwa drei Wochen ein besonderes Prachtstück auf seinem Twitter-Feed. Der US-Präsident hatte sich selbst gegoogelt. Ganz überraschend lieferte die Suche hauptsächlich negative Nachrichten. "Google und andere unterdrücken Stimmen von Konservativen und verstecken Informationen und Nachrichten, die gut sind", polterte Trump daraufhin.

Auch wenn Trumps Skandale und Tabubrüche für die negativen Suchtreffer verantwortlich sind, auch wenn der Präsident ständig gezielt Lügen verbreitet: In diesem Fall scheint es, als sei seine Unterstellung nicht ganz weit hergeholt. Zumindest hätte sich die politische Zensur, die Trump den Digitalkonzernen unterstellt, laut einem Medienbericht beinahe wirklich ereignet: Hinter den Kulissen hielten Google-Techniker offenbar Planspiele ab, wie sich die Suchmaschine manipulieren ließe, um die öffentliche Wahrnehmung von Trumps Politik zu beeinflussen.

Das "Wall Street Journal" (WSJ) berichtet unter Berufung auf interne E-Mails, dass Google-Mitarbeiter im Januar 2017, zwei Tage nachdem Trump seinen umstrittenen Einreisestopp für Muslime verhängt hatte, über Wege diskutiert haben sollen, wie Nutzer bei der Suche auf Spenden an Pro-Einwanderer-Organisationen oder die Kontaktdaten von Abgeordneten und Regierungsstellen hingewiesen werden könnten. Damit wollten sie "islamophobische, algorithmisch verzerrte Ergebnisse zu Suchbegriffen wie 'Islam', 'Muslim', 'Iran' und 'Mexico', 'Hispanisch', 'Latino' " zurückdrängen, heißt es in den Nachrichten.

Brainstorming für die gute Sache

Trumps Muslim-Bann löste damals in den USA und weltweit gewaltige Proteste aus und sorgte an vielen US-Flughäfen für Chaos. Auch Google-Gründer Sergej Brin, der als Kind aus der Sowjetunion in die USA eingewandert war, demonstrierte einen Tag nach Trumps Dekret am Airport von San Francisco dagegen. Ermutigte das die Techniker bei Google, die Dinge in die eigenen Hände zu nehmen?

Einer schrieb laut "WSJ" zu den Überlegungen, die Suche zu manipulieren: "Ich denke, das ist genau die Art von superzeitgemäßer, zwingender Information, die wir brauchen, weil wir wissen, dass dieses Land und Google ohne Einwanderung nicht existieren würden." Es gab aber auch kritische Stimmen: "Das ist ein hochpolitisches Thema, also müssen wir fair und ausgeglichen bleiben und Fakten präsentieren", warnte ein Manager.

Laut Google wurde aus den Gedankenspielen nichts. "Diese E-Mails waren nur Brainstorming-Ideen, die niemals umgesetzt wurden", teilte eine Sprecherin dem Blatt mit. "Google hat niemals seine Suchergebnisse manipuliert oder seine Produkte geändert, um eine bestimmte politische Ideologie zu fördern - nicht im aktuellen Wahlkampf, nicht während der Wahl 2016 und auch nicht nach Präsident Trumps Einwanderungsdekret."

Zensurapparat und Propagandamaschine

Die Episode dürfte die Rufe nach politischer Regulierung der Online-Giganten trotzdem verschärfen. Erst Anfang September mussten sie sich vor dem US-Senat für ihre Versäumnisse während der US-Präsidentschaftswahlen 2016 verantworten, als russische Agenten über Fake-Accounts auf Facebook und Twitter Hass und Zwietracht säten, um die Abstimmung zu beeinflussen. Google sandte eine starke Botschaft. Der Konzern schickte nicht einmal einen Vertreter zu der Anhörung.

Auch US-Politiker haben das Missbrauchspotenzial sozialer Medien inzwischen erkannt. Der republikanische Senator Richard Burr nannte sie bei der Anhörung "eine Bedrohung für unsere Demokratie". Denn bisher kontrolliert niemand, was im Inneren der Internetriesen abläuft oder wie ihre Techniker an Suchalgorithmen, Timelines und Newsfeeds herumschrauben. Nachdem die internen Google-Mails aufgetaucht sind, ist es nun umso mehr denkbar, dass sie je nach Laune und Ansicht ihrer Manager entweder zum Zensurapparat oder zur Propagandamaschine werden könnten.

Es ist klar, wo die Silicon-Valley-Konzerne politisch stehen: Zusammen mit Facebook, Apple und fast hundert anderen Tech-Konzernen legte Google im Februar 2017 vor Gericht Beschwerde über den Muslim-Bann ein. Und es ist kein Geheimnis, dass viele Mitarbeiter der Digitalriesen eher den Demokraten zugeneigt sind. Schließlich sitzen die Konzerne im liberalen Kalifornien, viele Informatiker und Programmierer in der Tech-Szene sind Einwanderer oder haben Migrationshintergrund.

Auch intern gibt es Debatten um die politische Neutralität der Konzerne. "Wir sind eine politische Monokultur, die intolerant gegenüber anderen Ansichten ist", beschwerte sich Brian Amerige, ein führender Facebook-Programmierer, im August im Intranet des sozialen Netzwerks. "Wir haben ein Problem mit politischer Verschiedenheit", lautete der Titel über seinem Post. Laut "New York Times" haben sich Amerige und mehr als hundert andere Facebook-Mitarbeiter inzwischen zu einer Gruppe namens "Facebooker für politische Vielfalt" zusammengeschlossen.

Quelle: n-tv.de

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