Wirtschaft

Greenwashing statt Klimapolitik Große Firmen halten Klimaversprechen nicht ein

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Immer mehr Unternehmen wollen CO2-neutral werden, scheitern aber an der Umsetzung.

(Foto: picture alliance / Bildagentur-online/McPhoto-Schul)

Immer mehr Unternehmen kündigen ehrgeizige Klimaziele an - sie wollen bis 2050 klimaneutral sein. Aber setzen sie auch die notwendigen Maßnahmen um? Eine neue Studie zieht eine düstere Bilanz.

Viele der größten Unternehmen der Welt verfehlen ihre Emissionsziele. Obwohl die Unternehmen öffentlich Netto-Null-Ziele angekündigt haben, würden die bestehenden Pläne die Emissionen bis 2050 im Durchschnitt nur um 40 Prozent reduzieren, zeigen neue Berechnungen des Corporate Climate Responsibility Monitor. Der Bericht bewertete die Klimaziele der 25 größten Unternehmen der Welt, die für fünf Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich sind. Dem Bericht zufolge versprechen diese Unternehmen viel, halten ihre Klimaversprechen aber nur selten ein.

Die Untersuchung analysiert die "Integrität von Klimazusagen", um zwischen "echter Klimapolitik und unsubstantiiertem Greenwashing" zu unterscheiden. Laut dem Bericht, der gemeinsam mit der Nichtregierungsorganisation NewClimate Institute und Carbon Market Watch verfasst wurde, schneiden auch einige deutsche Unternehmen sehr schlecht ab. Die Klimaziele der Deutschen Post, des Automobilherstellers BMW und des Energiekonzerns E.ON SE sind demnach "wenig integer". Die Deutsche Telekom und Volkswagen schnitten dagegen etwas besser ab.

Unternehmen wie Amazon schnitten zwar besser ab, waren aber auch sehr intransparent, was ihre weitergehenden Klimamaßnahmen angeht, so die Studie. Während der Onlinehändler beispielsweise Anstrengungen unternimmt, die Emissionen durch erneuerbare Energien im Transportwesen zu reduzieren, "bleiben die mittel- und längerfristigen Pläne für andere Emissionsquellen unklar". Andere große Unternehmen wie Apple, Sony und Vodafone schnitten etwas besser ab. Allerdings wurden auch ihre Klimaziele nur als "mäßig integer" eingestuft.

Transparenz bei Klimamaßnahmen

Der Bericht bewertet die Unternehmen nach Kriterien wie ihren Klimazielen, dem geplanten Umfang des CO2-Ausgleichs und der Zuverlässigkeit dieser Ausgleichsmaßnahmen. Außerdem analysiert die Studie die Fortschritte bei der Reduzierung der eigenen Emissionen sowie die Transparenz der Zielsetzung und der Unternehmensberichterstattung.

Das Ergebnis: Nur etwa die Hälfte der 25 Unternehmen macht überhaupt konkrete Angaben dazu, wie viele Emissionen reduziert werden sollen. Nach diesen Kriterien hat das Unternehmen Maersk am besten abgeschnitten. Das dänische Logistikunternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu sein. Dem Bericht zufolge reichen jedoch "proaktive Bemühungen zur Dekarbonisierung der Schiffsemissionen" nicht ganz aus, um dieses Ziel zu erreichen.

Die kurzfristigen Ziele aller 25 Unternehmen seien besonders besorgniserregend, sagte Thomas Day, einer der Autoren der Studie, auf einer Pressekonferenz. Demnach würden die Unternehmen ihre Emissionen bis 2030 nur um etwa 23 Prozent senken. Das ist viel weniger als das, was nach Ansicht von Wissenschaftlern erforderlich ist, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

CO2-Ausgleich als Schlupfloch

Viele der Unternehmen betonen, dass ihre Klimaziele im Einklang mit anerkannten globalen Standards stehen. Die freiwilligen Reduktionsziele werden jedoch weitgehend selbst durchgesetzt und von einigen wenigen Nichtregierungsorganisationen zertifiziert, deren Methodik in dem Bericht teilweise kritisiert wird. Obwohl die meisten der untersuchten Unternehmen von Initiativen wie "Science Based Target" positive Klimabewertungen erhielten, enthielten diese Bewertungen laut der Studie oft "Schlupflöcher".

Dem Bericht zufolge stützen sich viele Unternehmen für einen großen Teil ihrer geplanten Emissionsreduzierungen auf CO2-Ausgleiche. Das ist die umstrittene Praxis, für Projekte zu zahlen, die CO2 reduzieren - in der Regel durch die Erhaltung von Wäldern oder das Pflanzen neuer Bäume - um an anderer Stelle emittierte Treibhausgase zu kompensieren.

Die Überbewertung von CO2-Ausgleichsprojekten in den Klimaplänen der Unternehmen sei ein Grund dafür, dass die Zuverlässigkeit der Klimaziele herabgestuft wurde, so die Studienautoren auf der Pressekonferenz. Viele der untersuchten Unternehmen haben sich in der Öffentlichkeit stark für ökologische Nachhaltigkeit eingesetzt. "Von einigen Unternehmen, wie Ikea, Unilever und Nestlé, hätte ich angesichts ihrer sehr positiven Wahrnehmung mehr erwartet", sagte Studienautor Day im Gespräch mit "The Guardian".

Quelle: ntv.de, cls

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