Wirtschaft

Forderung nach Steuerbonus Handwerk befürchtet Pleitewelle

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Der Handwerkerverband beklagt eine Überforderung vieler Betriebe durch undurchschaubare Regulierungen.

(Foto: imago/Sven Simon)

Vielen Betrieben stünde "das Wasser bis zum Hals", "nicht wenige" drohten gar komplett unterzugehen, warnt der Präsident des Handwerkerverbands. Er fordert deshalb unter anderem steuerliche Erleichterungen. Die sollen den privaten Konsum anschieben.

Das Handwerk schlägt für einen Neustart in der Coronavirus-Krise einen zeitlich begrenzten, steuerlichen "Corona-Bonus" vor. Durch den Bonus mit einem Höchstbetrag von 12.000 Euro soll der private Konsum gestärkt werden. Der Vorschlag ist Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets, das der Zentralverband des Deutschen Handwerks in einem Positionspapier fordert. Es soll der Branche wieder auf die Beine helfen und eine Pleitewelle im Handwerk mit seinen Millionen Beschäftigten verhindern. Dazu gehören auch Nachbesserungen bei Hilfen der Bundesregierung sowie eine Pause bei Bürokratielasten und Regulierungen.

"Ganz vielen unserer Betriebe steht das Wasser bis zum Hals und nicht wenige drohen komplett unterzugehen", sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. "Sie alle brauchen eine Perspektive und wollen wissen, wie das schrittweise Wiederanfahren der Wirtschaft abläuft." Im Handwerk arbeiten nach Branchenangaben in mehr als einer Million Betrieben rund 5,5 Millionen Menschen.

In dem Papier fordert das Handwerk, den stufenweisen Wiederhochlauf des wirtschaftlichen und sozialen Lebens zu beschleunigen. Firmen, die Hygiene- und Abstandsregelungen einhielten, müssten ungeachtet ihrer Größe grundsätzlich die Möglichkeit haben, ihre Geschäftstätigkeit wieder aufzunehmen - und dies möglichst rasch. Kleinere und mittlere Geschäfte bis zu 800 Quadratmetern dürfen inzwischen unter Auflagen wieder öffnen - diese Regel war aber als willkürlich kritisiert worden, zudem gibt es in den Bundesländern unterschiedliche Regeln.

Ländereigene Regelungen verwirren

Am kommenden Donnerstag beraten Bund und Länder, wie es weitergehen soll in der Corona-Krise. Spitzenpolitiker hatten aber Erwartungen an schnelle, weitere Lockerungen der Beschränkungen gedämpft. Kanzlerin Angela Merkel von der CDU hatte deutlich gemacht, dass voraussichtlich erst am 6. Mai über weitere Lockerungen entschieden wird.

Das Handwerk forderte möglichst einheitliche Regeln. "Beim Wiederhochfahren der Wirtschaft muss endlich Schluss sein mit diesem völlig unübersichtlichen länderspezifischen Regelungs- und Verfahrenswirrwarr", sagte Wollseifer. "Für Handwerksbetriebe an Landesgrenzen ist irgendwann überhaupt nicht mehr zu überblicken, was wo und in welcher Weise gilt."

Damit Betriebe durch die Krise kommen, müsse die Bundesregierung außerdem bei Hilfspaketen nachlegen. So wären für Friseure, Kosmetiker, Maßschneider oder Uhrmacher gezielte Zuschüsse passgenauer als weitere Kreditprogramme. Die Liquidität der Betriebe müsse gestärkt werden.

Zuschuss für Ausbildungsbetriebe gefordert

Zur wirtschaftlichen Belebung brauche es gezielte Wachstumsimpulse, sagte Wollseifer. Dazu sei ein klarer Fahrplan nötig. "Das Umschalten in den Betrieben vom Krisenmodus in den Wachstumsmodus funktioniert nicht auf Knopfdruck." Das sei eine Riesenherausforderung. "Mit jedem Euro, den wir in Wachstumsbeschleuniger investieren, werden wir später eine stattliche Rendite einfahren. Ohne diese Beschleuniger droht erneut eine Wachstumsvollbremsung, die sich niemand wünscht."

Um die Firmen nach der Krise zu stärken, müsse die Eigenkapitalbasis verbessert werden. Dazu müssten die Steuerbelastung der Unternehmen gesenkt und Abschreibungsregeln verbessert werden. Dafür spricht sich das Handwerk wie andere Spitzenverbände der Wirtschaft seit langem aus, wie auch für eine komplette Soli-Abschaffung. Die Regierung hat Konjunkturmaßnahmen angekündigt. Konkrete Pläne aber gibt es nicht.

Das Handwerk fordert für ausbildende Betriebe einen einmaligen Zuschuss. Die Ausbildung müsse über die Krise hinweg stabilisiert werden, um für die Nach-Krisenzeit die Fachkräfteversorgung nicht zu gefährden. Außerdem sei eine Bürokratielasten- und Regulierungspause dringend nötig, sagte Wollseifer. Viele Betriebe seien in der Krise erst recht völlig überfordert von Melde-, Prüf- oder Anzeigepflichten.

Quelle: ntv.de, lwe/dpa