Wirtschaft

Neue Trasse München - Berlin ICE-Strecke für Güterzüge ein Totalausfall

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Beim Bau gespart: Während ICE mit 300 km/h zwischen Berlin und München fahren können, ist die Strecke für schwere Güterzüge unbefahrbar.

(Foto: picture alliance / Martin Schutt)

Die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen München und Berlin ist ein Vorzeigeprojekt der Deutschen Bahn: Die Fahrgastzahlen übersteigen die kühnsten Erwartungen. Doch im Güterverkehr ist die Milliardentrasse ein Debakel.

Während die Schnelltrasse zwischen Berlin und München im Personenverkehr Rekorde bricht, wird sie im Güterverkehr zum Fiasko. Wie die "Süddeutsche Zeitung" mit Verweis auf Angaben der Bundesregierung berichtet, war auf dem Kernstück des Milliardenprojekts bislang kein einziger Güterzug unterwegs. Wegen einer Gewichtsbegrenzung ist die Route für schwere Güterzüge demnach praktisch unpassierbar. Es habe im gesamten vergangenen Jahr zwei Anmeldungen für Güterzüge auf dem Kernstück gegeben, die durch das Eisenbahnunternehmen jedoch "storniert wurden", teilt Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann in seiner Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen mit.

Aus der Antwort des Bundesverkehrsministeriums geht hervor, was genau zum Problem wird: Für schwere Güterzüge ist die Trasse den Angaben des Bundes zufolge gar nicht ausgelegt. Um Kosten zu sparen, planten die Ingenieure an mehreren Signalstellen Steigungen von fast zwei Prozent ein. Deshalb dürfen nun auf der Strecke nur solche Güterzüge fahren, deren Grenzlast bei höchstens 1200 Tonnen liegt. Schwerere Züge könnten an Signalen sonst nicht anfahren. Genau diese Züge sind allerdings im Güterverkehr die Regel. Die hohen Trassenpreise auf der Neubaustrecke würden sich bei leichteren Transporten kaum rechnen.

Die Bundesregierung hatte noch vor neun Jahren ganz andere Hoffnungen geweckt. Man gehe davon aus, dass auf der Neubaustrecke täglich eine ICE-Linie mit 20 Zugpaaren und rund 70 Güterzüge je Richtung verkehren könnten, ließ die Regierung 2010 offiziell wissen.

Passagierzahlen steigen deutlich

Die Milliardenstrecke bereitet dem Güterverkehr allerdings noch weitere Probleme: Das "Begegnungsverbot" zwischen Personen- und Güterzügen verbietet aus Sicherheitsgründen, dass die bis zu 300 Kilometer pro Stunde schnellen ICE in einem Tunnel an einem Güterzug vorbeifahren. Weil es nur wenige Überholmöglichkeiten gibt, steht die Strecke Güterzügen daher eigentlich nur nachts zur Verfügung. Zudem müssen die Züge auf der Strecke mit dem elektronischen und teuren Zugsteuerungssystem ETCS ausgerüstet sein.

Die Passagierzahlen im Personenverkehr steigen derweil weiter. Nach neuesten Angaben der Regierung fuhren im vergangenen Jahr 4,9 Millionen Fahrgäste auf der zehn Milliarden Euro teuren Strecke. Das sind 2,5 Millionen mehr, als auf der alten Route unterwegs waren. Für die rund 600 Kilometer brauchen die Züge auf der Rennstrecke weniger als vier Stunden.

Quelle: ntv.de, mau

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