Wirtschaft

Eine Lösung für Griechenland? IWF bietet Euro-Rettern mehr Zeit an

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"Wenn die Gläubiger noch nicht so weit sind, ...": IWF-Chefin Christine Lagarde (Archivbild).

(Foto: imago/Xinhua)

Im Streit um einen Schuldenerlass für die Regierung in Athen kommt IWF-Chefin Lagarde Deutschland entgegen: Anstatt auf einem sofortigen Schuldenschnitt zu bestehen, will sie Finanzminister Schäuble mehr Zeit geben, "unsere Annahmen zu akzeptieren".

IWF-Chefin Christine Lagarde bietet Deutschland im Streit über Schuldenerleichterungen für Griechenland eine Art Kompromiss an. "Wenn die Gläubiger noch nicht so weit sind, dass sie unsere Annahmen respektieren und akzeptieren, wenn sie dafür mehr Zeit benötigen, können wir das zur Kenntnis nehmen und ihnen etwas mehr Zeit geben", sagte die Französin dem "Handelsblatt".

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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble besteht auf einer Teilnahme des Internationalen Währungsfonds am laufenden Hellas-Rettungspaket, lehnt aber die vom IWF geforderten Schuldenerleichterungen ab. Der CDU-Politiker fühlt sich nicht zuletzt an einen Beschluss des Bundestags gebunden, der nur unter der Bedingung, dass der IWF an der Griechenland-Rettung beteiligt bleibt, Milliarden an deutschen Steuergeldern für die finanzielle Stabilisierung des Euro-Landes freigegeben hat.

Treffen in zehn Tagen

Der Vorschlag Lagardes könnte den zähen Verhandlungen zum Durchbruch verhelfen: Sollte es zu dem von Lagarde skizzierten Kompromiss kommen, könnten die Euro-Finanzminister bei ihrem kommenden Treffen am 15. Juni die nächste Hilfstranche des Rettungsfonds ESM freigeben. Allerdings deutete die IWF-Chefin bei der Vorstellung ihres Kompromissvorschlags zugleich an, dass sie mittelfristig keine andere Option als einen harten Schuldenschnitt sieht.

"Es ist eine Möglichkeit für eine Einigung", sagte Lagarde wörtlich. Sie betonte dabei aber auch, dass sie weiterhin eine zügige Einigung auf Schuldenerleichterungen als "Idealfall" ansehe. Der IWF bewertet die Schuldentragfähigkeit Griechenlands wesentlich skeptischer als andere Experten. Lagarde sprach von realistischen Annahmen.

Griechenland-Hilfe nur mit IWF

Schäuble hatte die IWF-Prognosen dagegen zuletzt als zu pessimistisch kritisiert. Er hofft weiterhin darauf, dass die Regierung in Athen bald in der Lage sein wird, seine im Ausland aufgehäuften Schulden nach und nach wie vorgesehen abzutragen. Ein Schuldenschnitt käme aus der Sicht Deutschland einem Verzicht auf Milliardensummen gleich.

Im Streit um neue Hilfsmilliarden für Griechenland dreht sich zwischen der Eurogruppe und dem IWF im Prinzip alles nur noch um die Frage, wie der Währungsfonds dazu bewegt werden kann, beim aktuellen dritten Hilfsprogramm für Griechenland in Höhe von bis zu 86 Milliarden Euro mitzuziehen.

Steigt der IWF aus, müsste die Bundesregierung erst einen neuen Beschluss im Bundestag einholen, bevor Geld Richtung Athen fließen kann. Der IWF hält die Schuldenlast des Landes für zu schwer und fordert deshalb Erleichterungen. Schäuble will darüber aber erst nach dem Ende des laufenden griechischen Sparprogramms im Sommer 2018 reden.

Hat der IWF Recht?

Griechenlands Finanzminister, Euklid Tsakalotos, warf den europäischen Kreditgebern in diesem Zusammenhang Doppelmoral vor. Es könne nicht sein, dass der IWF nur gut sei, wenn es um die Umsetzung von Reformen gehe, aber wenn er den Abbau des Schuldenberges fordere, "zur Seite gedrängt wird", sagte Tsakalotos. "Wenn die Niederlande und Deutschland der Ansicht sind, dass der IWF eine wunderbare Institution ist, dann müssen sie hören, was der Fonds zum Schuldenberg sagt."

Athen wünsche sich, dass die Eurogruppe bei ihrer nächsten Tagung am 15. Juni Beschlüsse fasse, die Vertrauen in Griechenland an den Finanzmärkten erzeugten. "Ich würde glücklich sein, wenn die Märkte daraus verstehen, dass Europa nicht die Entscheidungen in die Zukunft versetzt hat", sagte Tsakalotos.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/rts

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