Wirtschaft

Langzeitarbeitslosigkeit steigt Immer mehr suchen immer länger einen Job

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Fast eine Million Menschen in Deutschland suchen seit mehr als zwölf Monaten einen Job

(Foto: picture alliance / Larissa Schwedes/dpa)

Der Arbeitsmarkt schlägt sich bislang wacker in der Corona-Krise. Grund dafür ist unter anderem die Kurzarbeitsregelung. Doch die Zahlen zeigen auch, dass es für etliche Menschen immer schwerer wird, einen Job zu finden. Ihre Erwerbslosigkeit dauert immer länger.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen steigt in Deutschland als Folge der Corona-Pandemie drastisch und wird wohl bereits im Februar die Marke von einer Million überschreiten. "Das ist schon bitter", sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, bei der Arbeitsmarktbilanz für Januar. Allein in diesem Monat sei die Langzeitarbeitslosigkeit um rund 60.000 auf 990.000 gestiegen. Innerhalb eines Jahres erhöhte sich die Zahl um rund 266.000. Als Langzeitarbeitslos gilt, wer seit mindestens zwölf Monaten ohne Job ist.

Laut der Statistik haben mehr als 572.000 von ihnen keine abgeschlossene Betrufsausbildung. Die mit Abstand meisten Langzeitarbeitslosen leben in NRW - insgesamt jeder Dritte. Es folgen Niedersachsen und Baden-Württemberg mit jeweils weniger als 100.000 Betroffenen. Den höchsten Anteil an Langzeiterwerbslosen hat mit 5,1 Prozent Bremen vor Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.

"In wirklich robuster Verfassung"

Ingesamt zeige sich der Arbeitsmarkt aber trotz Lockdown "in einer wirklich robusten Verfassung", hieß es weiter. Die Arbeitslosenzahl stieg im Januar nicht stärker als für die Jahreszeit üblich und blieb deutlich unter der Marke von drei Millionen. Dazu trug die Kurzarbeit bei, die laut BA mit Beginn des Teil-Shutdowns im November wieder anstieg. Der Teil-Shutdown im November und der weitergehende Lockdown seit Mitte Dezember haben laut Scheele am Arbeitsmarkt "erst mal keinen sichtbaren Schaden hinterlassen".

Aber im Gastgewerbe hätten im November 39.000 Beschäftigte ihren Job verloren und damit dreimal mehr als sonst. Zudem habe es dort rund 100.000 Minijobs weniger gegeben. Auch sei die Arbeitslosenzahl im Jahresvergleich noch um 475.000 höher: "Die sind allesamt dem Corona-Effekt geschuldet."

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Das schlage sich vor allem in der Langzeitarbeitslosigkeit nieder. Diese war vor der Corona-Krise langsam über viele Jahre und mit Hilfe aktiver Arbeitsmarktpolitik auf unter 700.000 gesunken. Der BA-Chef räumte ein, dass die Jobcenter derzeit angesichts weniger Neueinstellungen wenig gegen die steigende Langzeitarbeitslosigkeit tun könnten: "Gegenwärtig sind unsere Möglichkeiten ehrlicherweise begrenzt."

Scheele appellierte an die Parteien im Bundestag, noch vor der Wahl im September bessere Qualifizierungsmöglichkeiten etwa für Langzeitarbeitslose zu schaffen, die bei einem Wiederanspringen des Jobmarkts greifen könnten. "Wir brauchen die geseztlichen Verbesserungen", mahnte Scheele. Diese dürften nicht dem Wahlkampf zum Opfer fallen.

Quelle: ntv.de, jwu/rts

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