Wirtschaft

Kultauto zu Sowjetzeiten In Ex-Renault-Werk entsteht nun der neue Moskwitsch

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Der Moskwitsch 3, der nun in Moskau gebaut wird, ist eine Kopie des chinesischen Stadtgeländewagens JAC S4.

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

Nach dem Rückzug von Renault aus Russland wegen der westlichen Sanktionen werden jetzt im ehemaligen Moskauer Werk des französischen Autobauers Moskwitschs produziert. Erst laufen nur Benziner vom Band, später auch Elektro-Moskauer. Der Verkauf startet Anfang 2023.

Unter dem Druck westlicher Sanktionen hat in Moskau die Serienproduktion eines neuen Modells des sowjetischen Kultautos Moskwitsch (deutsch: Moskauer) begonnen. An der Wiedereröffnung des Moskwitsch-Werks nach dem Weggang des bisherigen Großaktionärs Renault nahmen an diesem Mittwoch der Nachrichtenagentur Interfax zufolge unter anderem Vizeregierungschef Denis Manturow und Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin teil.

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Wo kürzlich noch Renault vom Band liefen, wird nun der Moskwitsch 3 gefertigt.

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

Der Moskwitsch 3 ist demnach eine Kopie des chinesischen Stadtgeländewagens JAC S4. In Russland wird er zunächst als Benziner mit einem 150-PS-Motor gefertigt. Bis Jahresende solle auch eine Elektrovariante vom Band laufen, hieß es. Der Verkauf sei ab dem ersten Quartal 2023 geplant.

Der LKW-Hersteller Kamaz ist technologischer Partner des Werks, in dem in diesem Jahr 600 Fahrzeuge produziert werden sollen. Das endgültige Ziel ist, 100.000 Moskwitschs pro Jahr zu bauen.

Auto-Sektor stark von Sanktionen betroffen

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1964 in Moskau: ein Moskwitsch als Taxi.

(Foto: imago/United Archives International)

Das russische Industrieministerium teilte mit, dass durch die Moskwitsch-Produktion rund 40.000 Arbeitsplätze in Russland gesichert seien. Der Auto-Sektor ist eine der Branchen, die am stärksten von Sanktionen betroffen sind, die westliche Staaten wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine verhängt haben. Von Januar bis Oktober fiel nach dem Weggang westlicher Hersteller der Verkauf von Neuwagen in Russland im Jahresvergleich um 60 Prozent.

Der Moskwitsch wurde in der Sowjetunion seit 1946 produziert - zunächst als Kopie des deutschen Opel Kadett. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion geriet das Werk in finanzielle Schwierigkeiten. Renault hatte 1998 mit der Stadt Moskau ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, das unter OAO Autoframos firmierte. In dem damaligen Moskwitsch-Werk wurde dann der Renault Megane gebaut.

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Die Produktion des letzten serienmäßig vom Band gelaufenen Moskwitsch-Modells 2141 ("Swjatogor") wurde 2001 eingestellt, weil es nicht konkurrenzfähig war. 2006 wurde das Insolvenzverfahren gegen den Konzern eingeleitet. Später übernahm Renault das Werk und sicherte die Arbeitsplätze.

Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine hatte Renault seine Mehrheitsbeteiligung am Autohersteller Avtovaz im Mai an den russischen Staat für angeblich einen Rubel verkauft, sich aber eine sechsjährige Rückkaufoption einräumen lassen. Die Franzosen verkauften zudem ihr Werk, das jetzt in Moskauer Automobilfabrik Moskwitsch umbenannt wurde, für einen weiteren Rubel.

Quelle: ntv.de, abe/dpa/rts

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