Wirtschaft

Leben immer teurer Inflation in der Türkei schießt nach oben

Die Inflation in der Türkei gerät zunehmend außer Kontrolle: Im Dezember springt die Inflationsrate deutlich über die Marke von 30 Prozent. Seit dem Sommer hat sich die Rate damit mehr als verdoppelt. Die Stärke des Preisanstiegs überrascht selbst Analysten.

Der Inflationsdruck in der Türkei hat im Dezember den höchsten Stand seit 19 Jahren erreicht. Nach Mitteilung der Statistikbehörde Turkstat stiegen die Verbraucherpreise im Dezember mit einer Jahresrate von 36,1 (November: 21,3) Prozent. Gegenüber dem Vormonat erhöhten sich die Preise um 13,6 (3,5) Prozent. Analysten wurden von der Stärke des Preisanstiegs überrascht. Sie hatten mit gut 27 Prozent gerechnet. Seit dem Sommer hat sich die Rate mehr als verdoppelt. Getrieben wurde der Anstieg der Kosten für die Lebenshaltung zuletzt auch durch höhere Lebensmittelpreise.

Hauptgrund für die hohe Inflation ist der Verfall der Landeswährung Lira, der durch die Geldpolitik der Zentralbank begünstigt wird. Sie senkte den Leitzins im Dezember weiter ab, von 15 auf 14 Prozent. Sie folgt damit dem Kurs von Präsident Recep Tayyip Erdogan, der ein entschiedener Gegner hoher Zinsen ist. Der türkische Staatschef möchte über niedrige Zinsen Kredite und Investitionen ankurbeln.

Vor dem Hintergrund der Lira-Krise hatte Erdogan zuletzt die gängige ökonomische Lehre zu Zinsen als "kapitalistische Logik des Westens" kritisiert und seine Niedrigzinspolitik verteidigt. Selbst Menschen, die ihm nahe stehen, glaubten, dass hohe Zinsen eine hohe Inflation bekämpfen könnten. "Aber solange ich lebe, behaupte ich fest: Leitzinsen sind der Grund und Inflation die Folge", sagte Erdogan in der vergangenen Woche.

Leitzinsen als wichtiges Instrument im Kampf gegen hohe Inflation

Erdogan bemühte erneut den Koran, um seine Niedrigzinspolitik zu verteidigen. Der Islam verbietet sehr hohe Zinssätze oder Spargewinne und Wucher. Gelehrte sind allerdings gespalten in der Frage, wie ein angemessener Gewinn formuliert werden kann. Mit Blick auf die ökonomischen Turbulenzen sagte Erdogan, es tue ihm leid, dass es Verluste gegeben habe. "Aber es ist unsere Pflicht, das Richtige für das Wohl unseres Landes und unseres Volkes zu tun."

Erdogan forderte die Bevölkerung zudem dazu auf, Goldersparnisse ins türkische Bankensystem einzuspeisen. "Je mehr von den 5000 Tonnen, die unter den Kissen aufbewahrt werden, in die Wirtschaft eingebracht wird, umso mehr erstarken wir als Land und als Volk."

2023 stehen Präsidentschaftswahlen an. Nach herrschender Ökonomenlehre sind die Leitzinsen ein wichtiges Instrument im Kampf gegen die hohe Inflation: Zentralbanken erhöhen in diesem Fall in der Regel den Leitzins, um die Geldmenge im Umlauf zu senken.

Quelle: ntv.de, jki/AFP

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