Wirtschaft

Schlüssel zum US-Lkw-Markt Insider: VW steigt bei Navistar ein

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Künftig mit Volkswagen-Motoren: US-Trucks der Navistar-Marke International.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Zwei große Lkw-Marken besitzt Volkswagen bereits. Doch auf dem wichtigen amerikanischen Markt spielen Scania und MAN kaum eine Rolle. Um in den USA trotzdem Laster zu verkaufen, verfolgt der Wolfsburger Konzern nun eine andere Strategie.

Volkswagen gelingt offenbar mit einer Partnerschaft mit dem US-Lkw-Bauer Navistar der lang ersehnte Sprung auf den wichtigen US-Markt. Die Wolfsburger planten eine Zusammenarbeit mit dem kleinsten US-Lastwagenhersteller, sagten drei mit den Plänen vertraute Personen.

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Volkswagen werde Lkw-Motoren an die Amerikaner liefern, sagte einer der Insider. Die Kooperation solle mit einer knapp 20-prozentigen Beteiligung von Volkswagen an dem Truck-Hersteller untermauert werden, der für bullige Zugmaschinen bekannt ist. Der Autobauer werde dafür rund 16 Dollar je Navistar-Aktie zahlen, insgesamt gut 200 Millionen Euro.

Der Deal werde voraussichtlich am Dienstag bekanntgegeben, hieß es in Finanz- und Branchenkreisen. Volkswagen und Navistar wollten sich dazu nicht äußern.

Während sich die Wolfsburger im Pkw-Geschäft mit Toyota um die Weltmarktführung streiten, spielen sie bei Lkw nur in Europa eine große Rolle. Dies will Truck & Bus-Chef Andreas Renschler ändern. Er hatte mehrfach deutlich gemacht, dass dazu auch eine Präsenz in den USA gehört.

Organisches Wachstum zu teuer

Anders als Daimler und Volvo ist Volkswagen mit seinen beiden Lkw-Marken MAN und Scania auf diesem wichtigen Markt für Schwerlaster bisher nicht aktiv. Deshalb wird in der Branche schon länger spekuliert, VW könne in den USA einen Lkw-Bauer übernehmen oder eine Kooperation eingehen. Als mögliche Partner waren Paccar und Navistar genannt worden. Die Möglichkeit, das Geschäft in den USA aus eigener Kraft aufzubauen, hatte VW als zu teuer verworfen.

Navistar hat Experten zufolge vor einigen Jahren auf eine andere Technik zur Abgasreinigung als die Konkurrenz gesetzt und war im Zuge der Verschärfung der Abgaswerte in Konflikt mit der US-Umweltbehörde EPA geraten. Im vergangenen Jahr gelang es dem Traditionsunternehmen mit Hauptsitz in Lisle bei Chicago dank Einsparungen, den Verlust einzudämmen. Für 2016 plant der Konzern mit einem Umsatz von zuletzt rund zehn Milliarden Dollar die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. An der New Yorker Börse ist Navistar aber gerade einmal 1,1 Milliarden Dollar wert. Analysten gehen davon aus, dass Navistar von einer bei VW für schwere Lastwagen geplanten Plattformstrategie profitieren könnte.

Der einstige Daimler-Manager Renschler treibt derzeit die Zusammenarbeit der früher stark rivalisierenden Marken MAN und Scania voran. Ein wichtiges Feld ist der Antriebsstrang, der für 60 Prozent des Werts eines Lastwagens steht. Dazu zählen Motor, Abgasnachbehandlung, Getriebe und Achsen.

Risiko großer Ausgaben

Der Konzern will durch die engere Kooperation der drei Nutzfahrzeugmarken, die unter dem Dach der Nutzfahrzeug-Holding VW Truck & Bus zusammengefasst sind, bis 2025 eine Milliarde Euro Kosten sparen, allein durch den gemeinsamen Einkauf sind es 200 Millionen. Unter dem Dach der Holding sind die Marken MAN, Scania sowie das VW-eigene Transportergeschäft gebündelt.

Ähnlich dem Pkw-Geschäft könnte VW auch bei Nutzfahrzeugen eine Modulstrategie für mehrere Marken und mehrere Kontinente fahren, sagte Auto-Analyst Frank Schwope von der NordLB. Dabei wäre eine Partnerschaft als Einstieg in den USA der vernünftige Weg. Mit einer größeren finanziellen Beteiligung an Navistar müsse VW vorsichtig sein, weil der Konzern das Geld an anderer Stelle dringend brauche. "Es drohen in den nächsten Jahren hohe Kosten aus dem Dieselskandal. Deshalb muss VW das Geld zusammenhalten", sagte der Analyst.

Anders als bei Pkw ist VW bei schweren Lastwagen und Bussen nicht vom Abgasskandal betroffen. Volkswagen hatte zugegeben, Diesel-Motoren mit einer Software manipuliert zu haben. Dem Autobauer drohen deshalb milliardenschwere Strafen und Schadensersatzforderungen. Aufgeflogen war der Skandal in den USA.

Quelle: ntv.de, mbo/rts