Wirtschaft

Gewinnmitnahmen nach RallyIntel-Schock drückt die Stimmung an der Wall Street

23.01.2026, 23:03 Uhr
00:00 / 08:14
Floor-official-Patrick-McKeon-left-and-trader-Sean-Spain-work-on-the-floor-of-the-New-York-Stock-Exchange-Thursday-Jan-22-2026
Die Erleichterungsrally ist erst einmal vorbei. (Foto: AP)

Zum Wochenschluss einer turbulenten Handelswoche halten sich die Anleger zurück, da in der kommenden Woche wichtige Unternehmensbilanzen und der Zinsentscheid der US-Notenbank anstehen. Die Aktie des Chipriesen Intel stürzt nach enttäuschenden Zahlen ab.

Es war eine Woche geopolitischer Unsicherheit und politischer Kehrtwenden. An der Wall Street wurden zum Wochenschluss nach der Erholungsrally, die mit dem entschärften Konflikt um Grönland einsetzte, Gewinne mitgenommen. Zudem ließen die Anleger vor dem Wochenende Vorsicht walten. Auch sorgte Intel für einen Stimmungsdämpfer, nachdem der US-Chipkonzern auch wegen höherer Kosten und Lieferengpässen einen düsteren Ausblick gegeben hatte. Unterstützung kam dagegen von einer Umfrage, der zufolge sich die Stimmung unter den US-Verbrauchern aufgehellt hat. Der Uni-Michigan-Index der Verbraucherstimmung ist im Januar stärker als erwartet gestiegen. Der private Konsum steht für etwa zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung.

Der Dow-Jones-Index verlor 0,6 Prozent und der S&P-500-Index zeigte sich unverändert. Der Nasdaq-Composite sah ein leichtes Plus von 0,3 Prozent. Dabei wurden an der Nyse 1092 (Donnerstag: 1693) Kursgewinner und 1666 (1077)- verlierer gesehen. Unverändert schlossen 68(54) Titel.

Die Berichtssaison in den USA lief unterdessen weiter auf Hochtouren. Nach dem "Intel-Schock" richten die Anleger aber ihren Blick jetzt bereits auf die kommende Woche und werden dann noch genauer prüfen, ob die Tech-Giganten ihre hohen Bewertungen rechtfertigen können. Denn vier der sogenannten "Magnificent Seven" der Tech-Giganten, nämlich Microsoft, Meta Platforms, Tesla und Apple, werden nächste Woche ihre Quartalsergebnisse veröffentlichen. Die vier Unternehmen kommen gemeinsam auf einen Marktwert von rund 10 Billionen US-Dollar oder etwa 16 Prozent des gesamten S&P-500-Index. Neben den vier Tech-Riesen werden in der kommenden Woche zudem mehr als 100 Unternehmen ihre Ergebnisse für das vierte Quartal vorlegen und ihre Ausblicke bekannt geben. Dies könnte die derzeitige Rotation der Anleger weg von Technologie- und Wachstumswerten hin zu sogenannten Substanzwerten entweder auf die Probe stellen oder konsolidieren, meinte ein Analyst.

"Diese Berichtssaison fühlt sich deutlich anders an als die der letzten Jahre und dürfte dazu beitragen, eine breitere These zu untermauern, dass die KI-Ausgaben strukturell und von langer Dauer sind und sich noch in einem frühen bis mittleren Stadium befinden", sagte Brad Gastwirth von Circular Technology. Anstatt die Prognosen aufgrund makroökonomischer Unsicherheiten zu kürzen, dürften viele Unternehmen wahrscheinlich wachsende KI-Pipelines, die Sichtbarkeit des Auftragsbestands und Engpässe in der Lieferkette als Hinweise für zukünftiges Wachstum heranziehen.

Intel sackt um 17 Prozent ab

Am Aktienmarkt ging es für Intel kräftig nach unten. Der Konzern hatte mit einem Verlust im vierten Quartal und einem schwachen Ausblick auf das laufende erste Quartal enttäuscht. Die Aktie sackte um 17 Prozent ab, hatte aber seit dem Einstieg der US-Regierung vor einigen Monaten kräftig zugelegt. Der Aluminiumkonzern Alcoa übertraf mit seinen Viertquartalszahlen die Erwartungen des Marktes. Höhere Aluminiumpreise hätten die erhöhten Zölle für Importe aus Kanada kompensiert, erklärte das Unternehmen. Die Aktie fiel gleichwohl um 1,4 Prozent. Die Eisenbahngesellschaft CSX hatte im Quartal schlechter abgeschnitten als erwartet, zeigte sich aber zuversichtlich, ihr Ergebnis dieses Jahr verbessern zu können. Das wurde mit einem Kursplus von 2,4 Prozent belohnt. Capital One Financial (-7,6%) wurde für eine Übernahme abgestraft. Die Kreditkartengesellschaft kauft für 5,15 Milliarden Dollar in bar und Aktien das Fintech-Unternehmen Brex. Amazon.com stieg um 2,1 Prozent, nachdem der Tech-Gigant nach einem Medienbericht ab nächster Woche rund 14.000 Stellen in mehreren Sparten abbauen will.

Am Devisenmarkt zeigte sich der Dollar-Index mit 0,9 Prozent im Minus. Der Dollar habe Mühe, wieder Tritt zu fassen, selbst nachdem die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa nachzulassen scheinen, sagte Jane Foley von der Rabobank. Der Markt habe zwar gelernt, dass Trumps Verhandlungstaktik oft mit Drohungen beginnt, bevor er sie teilweise wieder zurückzieht. Die Kursentwicklung des Dollars deutete jedoch darauf hin, dass die "bloße Unvorhersehbarkeit seines Handelns" die Währung belasten könnte, so Foley. Auch wenn der Markt wahrscheinlich nicht an der Schwelle zu einer weiteren brutalen Runde eines "Sell-America-Trade" stehe, könnten Investoren ihrer Meinung nach in diesem Jahr weiterhin vom Dollar wegdiversifizieren.

Edelmetalle bleiben gefragt

Der Goldpreis setzte seinen Höhenflug fort und gewann 1 Prozent. Silber verteuerte sich um 6,5 Prozent. Traditionelle Anleger suchen echte Sicherheit - und die heißt im Jahr 2026 weiterhin Gold. Die Zuwächse krönen einen beeindruckenden Jahresauftakt für Edelmetalle. Bisher ist Gold im Jahr 2026 um 14 Prozent, Platin um 28 Prozent und Silber um satte 35 Prozent gestiegen und hat damit den S&P-500-Index, der einen Zuwachs von 1 Prozent aufweist, weit übertroffen. Neben den anhaltenden Spannungen zwischen den USA und Europa und den fortwährenden Sorgen über die Unabhängigkeit der Federal Reserve nannte ein Rohstoffstratege der UBS weitere Gründe für die hohe Nachfrage nach Edelmetallen: die niedrigeren US-Zinsen (sowohl real als auch nominal), den schwächeren US-Dollar in der ersten Jahreshälfte und die anhaltenden Haushaltsdefizite der großen Volkswirtschaften.

Die Nachfrage nach US-Staatsanleihen ist gestiegen und hat die Renditen der US-Staatsanleihen gedrückt. Daneben gehe der Markt davon aus, dass die US-Notenbank auf ihrer Sitzung in der kommenden Woche eine Pause bei ihren Zinssenkungen einlegen werde, hieß es. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed am Mittwoch die Zinsen beibehält, wird auf dem FedWatch-Tool der CME mit 97 Prozent eingepreist. Die Rendite der 10-jährigen Anleihe verlor 4 Basispunkte und lag bei 4,235 Prozent.

Die Ölpreise stiegen deutlich mit der Möglichkeit eines US-Angriffs auf den Iran. Präsident Trump sagte, die USA beobachteten Teheran sehr genau. Eine "Armada" sei unterwegs in die Region, doch hoffe er, dass diese nicht benötigt werde. Dazu kündigt sich in den USA eine Kältewelle an, die den Bedarf an Heizöl in die Höhe treiben dürfte. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März gewann 2,9 Prozent und der Preis für US-Öl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zeigte sich 3 Prozent im Plus.

Alles Weitere zum heutigen Börsengeschehen finden Sie hier.

Quelle: ntv.de, mau/DJ

ZölleGrönlandWall StreetIntel