Wirtschaft

Milliarden-Vorrat versiegtIrans Schattenflotte sitzt auf dem Trockenen

22.10.2026, 14:55 Uhr
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Ein Schüttgutfrachter und ein Rohöltanker liegen vor der Ostküste Singapurs vor Anker. (Foto: picture alliance / NurPhoto)

Lange umging der Iran die US-Sanktionen mit einer geheimen Flotte. Nun sind die schwimmenden Ölreserven auf See komplett erschöpft. Für das Regime in Teheran bricht damit eine wichtige Einnahmequelle weg.

Die ohnehin angeschlagene iranische Wirtschaft muss einen weiteren Schlag verzeichnen: Bislang lagen Dutzende Öltanker mit Millionen Barrel Rohöl sicher in asiatischen Gewässern. Teheran verkaufte das Öl kontinuierlich an China und sicherte sich damit Milliarden an dringend benötigten Barmitteln. Laut dem Daten- und Analyseunternhemen Kpler besaß der Iran zu Kriegsbeginn im Februar noch rund 135 Millionen Barrel dieser schwimmenden Ölreserven im Wert von mindestens 10 Milliarden Dollar. Doch wie das "Wall Street Journal" (WSJ) berichtet, ist dieses Lager aufgebraucht.

Demnach waren die Reserven Mitte Oktober vollständig erschöpft. "Es ist kein Öl mehr vorhanden, das nach China geliefert werden könnte", zitiert die Zeitung den Leiter der Rohölanalyse Homayoun Falakshahi. Auch der von dem Blatt befragte Energie-Beobachtungsdienst Vortexa und die Interessenvertretung "United Against Nuclear Iran" kamen zu einer ähnlichen Einschätzung.

Grund dafür ist eine US-Marineblockade, die den Iran daran hindert, das Rohöl zu transportieren, das er normalerweise an chinesische Raffinerien verkauft. Als die USA im April erstmals eine Blockade gegen iranische Öllieferungen verhängten, verkaufte der Iran weiterhin Öl aus diesen Offshore-Reserven, wodurch die Bestände rapide abnahmen. Nachdem die USA die Blockade Mitte Juni im Zuge von Friedensverhandlungen aufgehoben hatten, brachte der Iran verstärkt Öl auf den Markt und stockte seine Reserven wieder auf – bis die USA Mitte Juli die Blockade erneut verhängten. Laut dem US-Militär entgehen Teheran dem "WSJ" zufolge inzwischen Öleinnahmen in Höhe von mindestens 25 Milliarden US-Dollar.

Die schwimmende Lagerung ist Teil eines ausgeklügelten Systems, das der Iran über Jahre hinweg aufgebaut hat, um trotz der US-Sanktionen weiterhin Öl an seinen Hauptabnehmer China zu liefern. Statt das Öl direkt nach China zu liefern, schickten iranische Tanker das Rohöl vor die Küsten von Malaysia und Singapur. Dort wurde es auf andere Schiffe umgeladen, die den Weitertransport zu den chinesischen Raffinerien übernahmen. Dieses Täuschungsmanöver erschwerte es den USA, den Ölfluss nachzuverfolgen und Verstöße gegen die Sanktionen zu ahnden. Zudem dienten die Gewässer vor Malaysia und Singapur als praktischer Lagerort für das Öl.

Laut Falakshahi machen Ölverkäufe etwa 30 bis 40 Prozent der staatlichen Einnahmen des Iran aus und stellen die wichtigste Devisenquelle des Landes dar. Alternative Routen über den Landweg per Lkw können Analysten zufolge die über den Seeweg beförderten Mengen bei Weitem nicht ersetzen.

Ungeachtet dessen widerspricht der Iran Prognosen, wonach die Blockade zum Zusammenbruch seiner Wirtschaft führen würde. Auf einer Tagung des Internationalen Währungsfonds in Bangkok sagte der Gouverneur der iranischen Zentralbank Abdolnaser Hemmati zuletzt, die Behauptung, die Wirtschaft seines Landes stehe vor dem Zusammenbruch, sei "nichts weiter als eine Illusion."

Während der US-Druck die iranischen Exporte weitgehend zum Erliegen gebracht hat, fließt weiterhin Öl aus anderen Teilen des Nahen Ostens. Das Volumen überstieg zuletzt sogar das Niveau von vor Kriegsbeginn. Der Schutz durch die USA trägt dazu bei, den Transport von nicht-iranischem Öl durch die Straße von Hormus zu sichern.

Quelle: ntv.de, jki

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