Israelischer StaatskonzernIron-Dome-Hersteller könnte VW-Werk in Osnabrück übernehmen

Im Volkswagen-Werk in Osnabrück rollen derzeit noch T-Roc-Cabrios vom Band - doch die Tage der Autoproduktion sind gezählt. Insidern zufolge könnte die Fabrik bald zum Rüstungsstandort werden: Der israelische Iron-Dome-Hersteller Rafael soll in fortgeschrittenen Gesprächen mit VW sein.
Europas größter Autobauer Volkswagen könnte Insidern zufolge sein Werk in Osnabrück an den israelischen Iron-Dome-Hersteller Rafael Advanced Systems abgeben. Die beiden Unternehmen seien in fortgeschrittenen Gesprächen, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen Reuters. Eine Absichtserklärung sei bereits unterzeichnet worden, hieß es. Ein Rafael-Sprecher in Deutschland lehnte eine Stellungnahme ab.
Volkswagen-Chef Oliver Blume sagte, sein Unternehmen sei in konstruktiven Gesprächen mit der Rüstungsindustrie. Details oder mit welchen Unternehmen VW spricht, ließ er offen. Das Verteidigungsministerium in Berlin lehnte eine Stellungnahme ab. Eine Sprecherin sagte, das Ministerium arbeite eng mit dem Wirtschaftsministerium zusammen. Ziel sei es, gemeinsame Synergien und Stärken zwischen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie und zivilorientierten Unternehmen zu identifizieren.
Der israelische Staatskonzern Rafael stellt das Raketenabwehrsystem Iron Dome her. In dem Werk in Osnabrück dürften vor allem Fahrzeuge und Teile für Abfangraketen hergestellt werden. Für die Fertigung von Sprengkörpern kommt das Werk dagegen aus Sicherheitsgründen nicht in Frage. Die "Financial Times" hatte im März über ein Interesse von Rafael berichtet. In Osnabrück laufen derzeit noch T-Roc-Cabrios vom Band. Die Fahrzeugproduktion soll im Rahmen eines Sparprogramms im kommenden Jahr auslaufen. Danach ist die Zukunft der Fabrik mit rund 2300 Beschäftigten offen.
Volkswagen sucht schon länger nach einer Folgenutzung für das Werk. Zeitweise hatte auch der Rüstungskonzern Rheinmetall Interesse, das Unternehmen winkte jedoch im März ab. "Eine Übernahme des Werkes in Osnabrück ist unter den gegebenen Voraussetzungen kein Thema für Rheinmetall", teilte ein Sprecher mit. Das Werk hätte sich für Rheinmetall zur Produktion von 6x6-Radpanzern angeboten. Derzeit würden indes keine weiteren Kapazitäten benötigt.