Wirtschaft

Streit um Brillen-ImperiumItalienischer Milliardenerbe gibt Vater Schuld an Drogensucht

16.10.2026, 16:54 Uhr
imageVon Max Borowski
00:00 / 05:13
583038371
Mit 31 Jahren hat Leonardo Maria Del Vecchio bereits Schulden von fast einer Milliarde Euro angehäuft. (Foto: picture alliance / LAPRESSE)

Leonardo Maria Del Vecchios Erbe ist mehrere Milliarden Euro wert. Ihm und seinen Halbgeschwistern gehört unter anderem ein Anteil am größten Brillenhersteller der Welt. Dennoch braucht der 31-Jährige Geld. Unter anderem muss er eine seiner beiden Superjachten verkaufen.

Drogenmissbrauch, Sex-Prahlerei und Streit um riesige Geldsummen: Für das Gesprächsformat eines Hip-Hop-Stars waren die Themen in der jüngsten Ausgabe des Pulp Podcast des italienischen Rappers Fedez nicht ungewöhnlich. Für die Familie Del Vecchio, in der seit Jahren ein erbitterter Konflikt um eines der größten Vermögen Italiens tobt, dürfte die Sendung ein neuer Tiefpunkt sein. Für Schlagzeilen sorgten vor allem die Aussagen des 31-jährigen Leonardo Maria Del Vecchio über seine Abhängigkeit von Schlafmedikamenten und die Behauptung, schon mit mehr als 2000 Frauen Sex gehabt zu haben. Außerdem erzählte er, dass er auf einem Schuldenberg von fast einer Milliarde Euro sitzt.

Kern des Del-Vecchio-Vermögens ist ein Anteil von knapp einem Drittel am größten Brillenhersteller der Welt, EssilorLuxottica, zu dem Marken wie Oakley und Ray Ban gehören. Firmengründer Leonardo Del Vecchio bündelte diesen und weitere Unternehmensanteile unter anderem an italienischen Banken und Versicherungen in der Familienholding Delfin. Der Gesamtwert dieser Vermögenswerte liegt derzeit bei rund 40 Milliarden Euro. Nach Leonardos Tod ging diese Holding zu gleichen Teilen auf seine sieben Kinder und seine Witwe über. Schnell gerieten die Erben und das noch vom Vater eingesetzte Management in Konflikt - unter anderem darüber, ob und zu welchen Bedingungen die Erben ihre Anteile zu Geld machen dürfen.

Unter den Erben des Firmengründers ist Leonardo Maria die schillerndste Figur. Seit Monaten attackiert er den Chef von EssilorLuxottica, Francesco Milleri, der auch Aufsichtsratschef der Familienholding Delfin ist. Er macht ihn dafür verantwortlich, dass der Aktienkurs von EssilorLuxottica seit einem Höchststand im vergangenen Jahr fast um die Hälfte gesunken ist. Im Streit trat Leonardo Maria von seinen Ämtern im Konzern als Chefstratege und Präsident von Ray Ban zurück.

Bekannt ist der Milliardenerbe unter anderem als Besitzer einer exklusiven Sammlung von Ferraris und anderen Supersportwagen, als DJ, Besitzer exklusiver Nachtclubs, Unternehmer mit einer eigenen Investmentgesellschaft und dafür, Partys mit Superstars wie Rapper 50 Cent zu veranstalten. Dieses Leben könnte nicht gegensätzlicher sein zu dem seines Vaters und Urheber seines Vermögens. Leonardo Del Vecchio wurde als Kleinkind von seiner verwitweten Mutter in ein Waisenheim gegeben, da sie zu arm war, um für ihn zu sorgen. Er arbeitete sich aus der Armut heraus und gründete mit Mitte 20 die Firma Luxottica, die ihn im Laufe der kommenden Jahrzehnte zu einem der reichsten Menschen Italiens machte.

"Ich habe diese Lücke mit Drogen gefüllt"

Obwohl er dank dessen Reichtum in Luxus aufwuchs und Milliarden erbte, macht Leonardo Maria seinen verstorbenen Vater für seine aktuellen Probleme verantwortlich, vor allem für seine Drogenabhängigkeit. Sein bevorzugtes Mittel seien Benzodiazepine gewesen, hochwirksame Psychopharmaka gegen Angstzustände und Schlafstörungen. "Er hat uns alles gegeben, außer Liebe", klagt der Erbe seinen Vater an. "Ich habe diese Lücke mit Drogen gefüllt."

Nicht nur die angeblich fehlende Liebe seines Vaters bereitet Leonardo Maria Del Vecchio offenbar Kopfzerbrechen. Dass er aufgrund der Uneinigkeit unter den Erben weder Einfluss auf die Geschäfte der Familienholding nehmen, noch seinen milliardenschweren Anteil zu Geld machen kann, stellt ihn vor finanzielle Probleme. Der Vater hat in der Unternehmenssatzung festgelegt, dass für alle wichtigen Entscheidungen mindestens 88 Prozent der Stimmrechte - das heißt mindestens sieben der acht Gesellschafter - notwendig sind. Auch Verkäufe der Anteile sind kaum möglich. Der Streit zwischen den Erben ist Gegenstand mehrerer Gerichtsverfahren, die sich teilweise schon seit Jahren hinziehen.

Leonardo Maria hatte zunächst versucht, die Anteile zwei seiner Halbgeschwister zu übernehmen, um mehr Einfluss zu erlangen, scheiterte aber an der Finanzierung des Milliardendeals. Zuletzt berichteten italienische Medien, die Holding selbst könnte seinen Anteil kaufen. Leonardo Maria braucht dringend Liquidität, um seine Schulden zu bedienen, wie er im Pulp Podcast deutlich machte. Neben seinen Sex- und Drogenenthüllungen erzählte er auch, dass er eine seiner beiden Superjachten aus finanziellen Gründen verkaufen müsse.

Quelle: ntv.de

BrillenMilliardäreReichtumJachtenItalienErbschaftenMillionäre