Wirtschaft

"Alarm des Überwachungssystems"Japan unterbricht Neustart des größten AKW der Welt

22.01.2026, 10:43 Uhr
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Laut einer Umfrage lehnen rund 60 Prozent der Menschen in Niigata die Wiederinbetriebnahme ab. (Foto: picture alliance / Kyodo)

Eine 15 Meter hohe Mauer soll vor Tsunamis schützen: Das AKW Kashiwazaki-Kariwa ist das erste Kraftwerk des Fukushima-Betreibers Tepco, das seit der Katastrophe wieder ans Netz gehen soll. Nach wenigen Stunden kommt es offenbar zu einem Zwischenfall.

Wegen eines Fehlers ist der Neustart des japanischen Atomkraftwerks Kashiwazaki-Kariwa nach Angaben des Betreibers nur wenige Stunden nach Beginn der Wiederinbetriebnahme unterbrochen worden. Während des Starts des Reaktors sei ein "Alarm des Überwachungssystems" ausgelöst worden, sagte der Sprecher des AKW-Betreibers Tokyo Electric (Tepco), Takashi Kobayashi. Die Arbeiten seien "derzeit ausgesetzt".

Der Reaktor "ist stabil" und es gebe keine radioaktive Strahlung außerhalb des Kraftwerks, sagte der Sprecher weiter. Der Betreiber untersuche derzeit die Ursache des Zwischenfalls. Noch sei unklar, wann der Betrieb wieder aufgenommen werde.

Die Arbeiten für die Wiederinbetriebnahme des Reaktors im AKW Kashiwazaki-Kariwa in der Präfektur Niigata hatten am Mittwochabend begonnen. Das AKW ist gemessen an seiner möglichen Kapazität das größte Atomkraftwerk der Welt. Der Neustart war ursprünglich bereits für Dienstag geplant gewesen, musste aber verschoben werden, nachdem bereits am vergangenen Wochenende ein technisches Problem im Zusammenhang mit einem Reaktoralarm festgestellt worden war.

Die Anlage Kashiwazaki-Kariwa war wie alle japanischen AKW nach der Katastrophe von Fukushima im Jahr 2011 vom Netz genommen worden. Angesichts seiner begrenzten natürlichen Ressourcen bemüht sich Japan jedoch seit einigen Jahren um eine Rückkehr zur Atomenergie, um seine Abhängigkeit vom Import fossiler Brennstoffe zu verringern und sein Ziel von CO2-Neutralität bis 2050 zu erreichen.

Das am Meer gelegene Atomkraftwerk Fukushima war kurz nach einem schweren Seebeben der Stärke 9,0 am 11. März 2011 von einem fast 15 Meter hohen Tsunami getroffen worden. Das Kühlsystem des Kraftwerks fiel aus, in drei der sechs Reaktoren kam es zur Kernschmelze. Es war das schlimmste Atomunglück seit der Tschernobyl-Katastrophe von 1986.

Das AKW Kashiwazaki-Kariwa wäre das erste Kraftwerk des Fukushima-Betreibers Tepco, das seit der Katastrophe wieder in Betrieb gehen würde. Die Atomanlage mit einer Fläche von 400 Hektar wurde mit einer 15 Meter hohen Mauer ausgestattet, die vor Tsunamis schützen soll.

Die Menschen in Niigata sehen die Wiederinbetriebnahme gespalten: Laut einer Umfrage von September lehnen rund 60 Prozent den Schritt ab, während 37 Prozent ihn befürworten. Anfang des Jahres hatten sieben Gruppen, die eine Wiederinbetriebnahme ablehnen, eine Petition mit fast 40.000 Unterschriften an den Betreiber Tepco und die japanische Atomaufsichtsbehörde übergeben.

Quelle: ntv.de, are/AFP

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