Wirtschaft

Das Geschäft mit der Katastrophe Japanische Firmen setzen auf Erdbeben

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Erdbeben und Tsunami 2011: Nach der Zerstörung folgt der Wiederaufbau. Und für viele Unternehmen ein lukratives Geschäfts.

(Foto: picture alliance / dpa)

Kaum ein anderes Land ist so stark von Naturkatastrophen bedroht wie Japan. Trotz moderner Warnsysteme und Bautechnik gibt es immer wieder Schäden, doch die Nummer drei der Weltwirtschaft weiß sich zu helfen. Auch dank Firmen, die damit Geld verdienen.

Es waren zwei der schlimmsten Erdbeben der vergangenen Jahre. Als die südjapanische Hauptinsel Kyushu am 14. April von einem Beben der Stärke 6,2 und zwei Tage später von einem weiteren der Stärke 7,0 heimgesucht wurde, starben in den Trümmern 50 Menschen; 61 weitere Menschen erlagen in der betroffenen Provinz Kumamoto den Folgen der Katastrophe. 160.000 Häuser wurden teils stark beschädigt.

Die Schäden für die Wirtschaft der gesamten Inselregion belaufen sich nach offiziellen Angaben auf 4,6 Billionen Yen, umgerechnet 40 Milliarden Euro. Doch rund ein halbes Jahr danach ist die Tourismusregion dabei, sich zu erholen.

Es gehe nicht nur um Wiederaufbau, sondern darum, es noch besser zu machen als zuvor, sagt Kumamotos Gouverneur Ikuo Kabashima. Denn Naturkatastrophen wie in Kumamoto verursachen nicht nur Schäden, sondern bieten auch Chancen, von denen die japanische Wirtschaft profitiert - angefangen vom Schutz vor Erdbeben oder Taifunen bis hin zum Wiederaufbau danach.

Notfallprodukte en masse

Empfehlungen an die Bürger, sich für den Notfall zu rüsten, sind in Japan eine Selbstverständlichkeit. Zur Katastrophenvorsorge gehören beispielsweise Notrationen. Japaner sind aufgefordert, Trinkwasser, das mehrere Jahre hält, Lebensmittel wie Trockenreis in Tüten, Notfalltoiletten und Toilettenpapier auf Vorrat zu lagern.

Zusätzlich sollten sie Trillerpfeifen im Haushalt aufbewahren für den Fall, dass sie unter Trümmern verschüttet werden sowie Taschenlampen mit eingebautem Radio. Ihre Möbel sind mit Befestigungsstützen ausgerüstet und ihre Glasscheiben mit Folien beklebt, damit diese nicht splittern.

Die Liste von Notfallprodukten, die viele Japaner zu Hause lagern, ist lang. Und die Wirtschaft entwickelt immer neue. Das Verpackungsunternehmen Jpacks ist zum Beispiel auf die Idee gekommen, Betten aus Pappe zu bauen, damit Menschen in Notunterkünften nicht auf dem Boden schlafen müssen.

Pflanzen als Sandsäcke

Das Unternehmen Teijin verkauft "Moutanka", eine Notfalldecke aus schwer brennbarem Material mit Löchern als Griffen am Rand. Die Decken können im Notfall zu einer Bahre für Verletzte umfunktioniert werden. Die Firma Kansaikako aus Osaka verkauft seit kurzem Pflanzentöpfe, die bei Überflutungen während eines Taifuns auch als Sandsack benutzt werden können. Damit müssten Sandsäcke im Notfall nicht erst herbeigetragen werden.

Das Unternehmen Fujiwara Industry Co. entwickelte zusätzlich nach einem verheerenden Vulkanausbruch mit fast 60 Toten vor zwei Jahren Stahlschutzbunker in Form von Röhren, die Bergsteiger und Wanderer vor Felsbrocken schützen soll. Bei dem Ausbruch am Vulkan Ontake waren viele Opfer von umherfliegenden Felsen erschlagen worden. Eine Stahlröhre für 12 Personen kostet umgerechnet rund 35.000 Euro. Daneben vertreibt das Unternehmen spezielle Stahltürme für Tsunami-Gebiete, auf die die Menschen im Notfall hochklettern können.

Anders als die bisher genannten Unternehmen profitiert die Bauwirtschaft vor allem nach einer Naturkatastrophe. Abgesehen vom Wiederaufbau von Häusern, Brücken und Häfen verdient sie aber auch mit Schutt Geld. Nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe 2011 mussten im Nordosten Japans zig Millionen Tonnen Trümmer weggeschafft werden.

Katastrophenschutz mit "Bosai girls"

Zugleich müssen Behelfsunterkünfte für die Bewohner gebaut werden, die nicht mehr in ihre Häuser zurückkönnen. All das erfordert in den Katastrophengebieten viele Bauarbeiter, an denen es in Japan allerdings derzeit stark mangelt. Viele Arbeiter sind zudem wegen der Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio unabkömmlich.

Auch mit der Aufklärung über Naturkatastrophen verdienen japanische Firmen Geld. Jedes Jahr finden Katastrophenschutzübungen statt. Um möglichst viel Aufmerksamkeit zu bekommen, betreibt eine Bürgerorganisation aus jungen Frauen, die sich "Bosai girls" - zu deutsch: Katastrophen-Mädchen - nennen, in Zusammenarbeit mit Designfirmen eine bewusst fröhlich und locker gestaltete Aufklärungskampagne. Dazu gehört ein Brettspiel für Kinder, bei dem die Spieler simulieren können, wie sie bei einer Katastrophe wie einem Tsunami sicher nach Hause finden.

Quelle: n-tv.de, Lars Nicolaysen, dpa