Wirtschaft

Auto-Manager in Libanon geflohen Japans Presse zieht über "feigen" Ghosn her

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Hat sich nach eigenen Angaben vor "Ungerechtigkeit und politischer Verfolgung" bewahrt: Carlos Ghosn.

(Foto: imago images / UPI Photo)

Carlos Ghosn droht wegen Finanzdelikten eine mehrjährige Haftstrafe in Japan. Der frühere Renault-Nissan-Chef sieht daher keinen anderen Weg, als sich der Justiz zu entziehen und auf undurchsichtigen Wegen in den Libanon zu fliehen. Die japanischen Medien schäumen.

Die Flucht des früheren Renault-Nissan-Chefs Carlos Ghosn aus Japan ist in japanischen Medien scharf kritisiert worden. Unter anderem die Zeitung "Yomiuri Shimbun" warf dem wegen Finanzdelikten von der Justiz verfolgten Ex-Manager Feigheit vor. Durch seine Ausreise in den Libanon habe er "die Möglichkeit aufgegeben, seine Unschuld zu beweisen und seine Ehre zu verteidigen", schrieb die Zeitung.

Mehrere Medien werteten Ghosns Flucht als Verhöhnung der Justiz Japans. Die liberale Zeitung "Tokyo Shimbun" schrieb, mit seiner Ausreise verstoße Ghosn gegen seine Kautionsauflagen und "verspottet das japanische Justizsystem". Es sei sehr wahrscheinlich, dass der Prozess gegen ihn nun nicht stattfinden werde. Seine Behauptung, dass er vor Gericht seine Unschuld beweisen wolle, stehe damit infrage.

Einige Medien übten zudem Kritik an der japanischen Justiz: Die Entscheidung des Gerichts, den früheren Top-Manager gegen Kaution auf freien Fuß zu lassen, erscheine nun unklug. Die Zeitung "Mainichi Shimbun" zitierte einen führenden Staatsanwalt mit den Worten, nun sei eingetreten, was die Staatsanwaltschaft vorhergesagt habe. Deren "sorgfältige Arbeit", Beweise in Japan und im Ausland gegen Ghosn zu sammeln, sei damit ruiniert.

Ein ehemaliger Nissan-Manager zeigte sich in der Zeitung "Asahi Shimbun" enttäuscht über Ghosns Schritt. "Der Unternehmer, der Nissan so viele Jahre leitete und international bekannt war, stellt sich als diese Art von Mensch heraus. Mir ist die Kinnlade heruntergefallen. Mir fehlen die Worte", zitierte die Zeitung den Ex-Manager.

Ghosn-Anwalt erfährt von Ausreise aus den Medien

Anfang der Woche war bekannt geworden, dass der 65-jährige Ghosn sich in den Libanon abgesetzt hat. Er erklärte in einem schriftlichen Statement, dass er vor der "Ungerechtigkeit und politischer Verfolgung" in Japan geflüchtet sei. Er werde nun nicht mehr von dem "manipulierten japanischen Justizsystem als Geisel gehalten".

Ghosn wurde in Japan streng überwacht und musste seine Pässe - er hat sowohl die französische als auch die libanesische und brasilianische Staatsbürgerschaft - abgeben. Einer seiner Anwälte in Japan wusste nach eigenen Angaben nichts von der Flucht seines Mandanten und sprach von einem unentschuldbaren Verhalten. Ghosn könne keinen seiner drei Pässe zur Flucht genutzt habe, da sie noch gemäß der Kautionsauflagen in der Hand seiner Anwälte seien, sagte Junichiro Hironaka. Er habe seit einer Woche nicht mehr mit Ghosn gesprochen und von der Ausreise aus den Nachrichten erfahren.

Wie aus Kreisen des libanesischen Außenministeriums verlautete, reiste Ghosn legal mit einem französischen Pass ein. Bei den normalen Sicherheitskontrollen habe er seinen libanesischen Personalausweis genutzt. Insidern zufolge flog er am Montag mit einem Privatjet von Istanbul nach Beirut. Sowohl das französische als auch das libanesische Außenministerium erklärten, nichts über die Umstände von Ghosns Reise zu wissen. Rechtliche Konsequenzen im Libanon dürften Ghosn nicht drohen. Seine Ankunft sei eine Privatangelegenheit, erklärte das Außenministerium des Landes. Ein Auslieferungsabkommen mit Japan besteht nicht.

Der einst gefeierte Top-Manager war im November 2018 in Tokio festgenommen worden wegen des Verdachts der Untreue und finanziellen Fehlverhaltens bei Nissan. Ihm wird vorgeworfen, sein Einkommen zu niedrig angegeben, den Autobauer Nissan um fünf Millionen Euro geschädigt, und sich persönlich bereichert zu haben. Nissan hatte Ghosn wenig später als Verwaltungsratschef abgesetzt. Ghosn war dann auch als Renault-Chef zurückgetreten. Er bestreitet die Vorwürfe und sieht sich als Opfer einer internen Intrige bei Nissan wegen Widerstands gegen ein engeres Bündnis mit Renault.

Ghosn saß rund vier Monate in japanischer Haft, war aber im Frühjahr unter strikten Auflagen aus der Haft entlassen worden. Für das kommende Frühjahr war der Beginn seines Prozesses angesetzt. Ihm droht eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/rts