Wirtschaft

Hambacher Forst sorgt für Streit Kampf gegen Kohle und Kettensägen

Seit Jahren kämpfen Aktivisten und Umweltverbände gegen die Rodung des Hambacher Waldes.

Seit Jahren kämpfen Aktivisten und Umweltverbände gegen die Rodung des Hambacher Waldes.

(Foto: picture alliance / Roland Weihra)

Baumhäuser werden zu Festungen. Barrikaden versperren Waldwege. Aktivisten wollen in Nordrhein-Westfalen die Rodung des Hambacher Waldes verhindern. RWE will dort Kohle abbauen. Das Thema spaltet auch die neue Kohlekommission.

Der Wald am Tagebau Hambach steht für einen über Jahre aufgeladenen Konflikt. Klimaschützer halten ihn besetzt, sie haben Baumhäuser und Barrikaden errichtet. Der Energiekonzern RWE will im Herbst den Wald im Westen von NRW so weit roden, dass nicht mehr viel von ihm übrig bleibt. Vorher soll das Gebiet geräumt werden. Ohne einen massiven Polizeieinsatz ist das jedoch nicht möglich, denn die Umweltaktivisten kündigen Widerstand an.

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Im letzten Herbst kam es bei Protesten im Hambacher Forst immer wieder zu Zusammenstößen.

(Foto: picture alliance / Marius Becker)

Während im rheinischen Kohle-Revier der Konflikt weiter brodelt, tagt in Berlin die Kommission "Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung". Vertreter von Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und Umweltverbänden sollen bis Jahresende Vorschläge für den Ausstieg aus der Kohle erarbeiten. Doch der Konflikt um den Hambacher Forst überschattet das Treffen.

Der Umweltverband BUND droht mit dem Ausstieg. "Kommt es zu Rodungen, wäre das für uns ein zentraler Konfliktfall, der unsere Mitarbeit in der Kohlekommission infrage stellen würde", sagte Dirk Jansen, Geschäftsleiter des NRW-Landesverbands des Bundes für Umwelt und Naturschutz. Zumindest während die Kommission über die Zukunft der Kohle verhandelt, müsse es ein Moratorium geben.

Umweltaktivisten kämpfen gegen Abholzung

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Im Hambacher Forst bereiten sich die Waldbesetzer gleichzeitig auf eine Räumung in den nächsten Tagen vor. Die Barrikaden rund um ihre Baumhäuser haben sie verstärkt. RWE hatte in den vergangenen Jahren immer wieder erfolglos versucht, den Wald räumen zu lassen. Dabei kam es zu gewaltsamen Protesten und Zusammenstößen mit der Polizei.

Erst Anfang der Woche sollen, laut Polizei Aachen, mehrere vermummte Personen eine Gruppe Polizisten am Rande des Waldes angegriffen haben. Steine, Feuerwerkskörper und zwei Molotowcocktails flogen in Richtung der Beamten. Getroffen wurde niemand.

Trotz drohender Eskalation will RWE jetzt ernst machen. Die Rodung des Hambacher Waldes sei "zwingend erforderlich". Eine Aussetzung der ab Oktober 2018 geplanten Rodung im Tagebau Hambach würde bereits kurzfristig das Vorankommen des Tagebaus und damit die Stromerzeugung in Kraftwerken gefährden, heißt es in einem Schreiben von RWE-Chef Rolf Martin Schmitz an die Vorsitzenden der Kohlekommission.

"RWE will mit der Kettensäge Fakten schaffen"

Der BUND widerspricht. Der Kohle-Abbau sei selbst bei gleichbleibender Fördermenge im Fall eines Verzichts auf die Rodungen in dieser Saison nicht gefährdet. Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser, Mitglied der Kohlekommission, nannte das Verhalten von RWE eine Provokation. "Es kann nicht im Interesse von Angela Merkel liegen, dass ein Stromkonzern, der angeblich auf Erneuerbare setzt, die Zusammenarbeit in der Kommission torpediert."

Auch Grünen-Chefin Annalena Baerbock kritisiert den Energiekonzern. "Während in Berlin über den Kohleausstieg verhandelt wird, will RWE im Hambacher Wald mit der Kettensäge Fakten schaffen. Das zerstört jedes Vertrauen."

Quelle: n-tv.de, mit dpa

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