Wirtschaft

Er kann nicht anders Lasst das Draghi-Bashing

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Mario Draghi.

(Foto: REUTERS)

Die Europäische Zentralbank lockert ihre Geldpolitik und erhöht die Strafzinsen für Banken. Mario Draghi dürfte deshalb in Deutschland noch unbeliebter werden. Dabei macht er nur seinen Job.

Wer hierzulande lauten Applaus bekommen möchte, sollte über Mario Draghi schimpfen, die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank anprangern und eine Enteignung der deutschen Sparer beklagen. Das ist dann allerdings reiner Populismus.

Die EZB betreibt die ultra-lockere Geldpolitik doch nicht, weil ihr das Spaß macht. Ihr bleibt nichts anderes übrig. Sie ist - übrigens auch auf deutsches Drängen - verpflichtet, für Preisstabilität zu sorgen. Die ist laut EZB-Definition bei einer Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent erreicht. Von diesem Ziel ist die Notenbank weit entfernt, die Inflation liegt in der Eurozone bei lediglich einem Prozent und ist damit so schwach wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Die EZB ist deshalb zu niedrigen Zinsen gezwungen.

Die ultra-lockere Geldpolitik wird uns so lange erhalten bleiben, bis die Politik endlich ihren Job macht und für Wirtschaftswachstum sorgt. Sie versagt, nicht die EZB. Die Notenbanker kaufen der Politik Zeit, die nicht genutzt wird. Niedrige Zinsen verschwinden erst dann, wenn man die Ursachen dafür beseitigt.

Selbstverständlich ist es für viele Menschen ärgerlich, wenn es keine nennenswerten Zinsen auf Spareinlagen gibt. Und selbstverständlich sind die Strafzinsen für Banken ein Problem. Aber Zinsen sind nun mal der Preis des Geldes, der sich nach Angebot und Nachfrage richtet. Je weniger Haushalte konsumieren und Unternehmen sowie Staat investieren, umso niedriger sind die Zinsen. Es gibt kein Recht auf hohe Zinsen.

"Der sagenumwobene deutsche Kleinsparer und die schwäbische Hausfrau können keine allzu glückliche Ehe führen. Sie hasst Schulden, aber er will Zinsen. Das kann nicht lange gutgehen", so der Ökonom Jens Südekum. Recht hat er. Den Wirtschaftsforschern des DIW zufolge spart Deutschland pro Jahr netto satte 240 Milliarden Euro.

Der Staat muss investieren und damit für mehr Wachstum und mehr Nachfrage sorgen. Dann steigen die Zinsen auch wieder. Das heißt nicht, fröhlich Geld zum Fenster herauszuwerfen. Das heißt, sinnvoll zu investieren - beispielsweise in Straßen, Schienen, digitale Infrastruktur und Bildung.

Soll die EZB unter der Führung von Draghi jetzt tatsächlich die Zinsen erhöhen? Dann wird die Eurozone aller Voraussicht nach in eine tiefe Rezession abrutschen. Höhere Zinsen bringen Sparern herzlich wenig, wenn sie ihren Job verlieren.

Quelle: n-tv.de

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