Wirtschaft

Pakete, Kinder, Einkauf Lastenräder erobern die Straßen

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Lastenräder bieten mehr, als nur die Möglichkeit, den Nachwuchs zu transportieren.

(Foto: picture alliance/dpa)

Cargobikes werden vor allem in Städten zunehmend Teil des Straßenbilds. Bund und Berlin unterstützen den Kauf sogar. Insgesamt sieht sich die Fahrradbranche weiter im Aufwind. Die schlechte Infrastruktur bremse weiteres Wachstum aber.

Eine Waschmaschine mit dem Fahrrad kaufen? Ja, auch das geht. Mit dem nötigen Willen. Und dem passenden Fahrrad. Lastenräder sind in den Städten immer häufiger zu sehen. Kleinkinder, Pakete, Wocheneinkauf und Werkzeug - vieles passt in die große Kiste zwischen Lenker und nach vorn gestrecktem Vorderrad. Deshalb steigen nicht nur Eltern, Postdienste und Handwerker um.

Allein 40.000 Elektro-Lastenräder mit Elektromotor wurden im vergangenen Jahr verkauft, außerdem ungezählte Modelle ohne Motor. "Die Tendenz ist stark steigend", heißt es bei Herstellern und Handel. Doch wer einen der Laster auf zwei Rädern steuert, findet längst nicht überall optimale Bedingungen. Immerhin: Lastenräder haben Rückenwind. Denn sie gelten als ein Mittel, in den Städten Straßen und Luft zu entlasten. "Gerade das Thema Schadstoffe hat extreme Auswirkungen - im positiven Sinn für den Radverkehr", sagt Thomas Kunz, der Geschäftsführer des Handelsverbands Zweirad.

Die Fachhändler machen derzeit gute Geschäfte, auch mit den sogenannten Cargobikes. Von München über Darmstadt und Bielefeld bis Berlin kann man erste Fahrzeuge ausleihen. Der Bund und die Hauptstadt geben Kaufzuschüsse.

Starkes Wachstumspotenzial

Die Paketdienste DHL, GLS, Hermes und UPS betreiben in Berlin-Prenzlauer Berg einen gemeinsamen Umschlagplatz. Für den letzten Kilometer laden die Boten die Pakete dort auf Fahrräder. Am früheren Flughafen Tempelhof gibt es Cargobike-Rennen. Und zuweilen erntet in der Hauptstadt neidvolle Blicke, wer mit so einem zweieinhalb Meter langen Radwegkreuzer vor der Kita vorfährt. "Gerade in den Städten wird oft der Zweitwagen auch ersetzt durch ein Lastenrad", ist Siegfried Neuberger überzeugt, der Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands. Auch die professionelle Nutzung nehme zu. "Wir sehen in diesem Markt ein starkes Wachstumspotenzial."

Doch wer Cargobike fährt, hat es nicht immer leicht. Sichere Abschließmöglichkeiten für die langen und teils mehrere tausend Euro teuren Fahrzeuge sind selten. Das Gefährt in die Bahn mitzunehmen ist oft schwierig, etwa weil es am Bahnhof nicht in den Fahrstuhl passt oder es im Zug nicht erwünscht ist, wie bei der Berliner S-Bahn. Bei passender Infrastruktur würden auch insgesamt viel mehr Räder gekauft, ist der Allgemeine Deutsche Fahrradclub überzeugt. "Die schlechten oder ganz fehlenden Radwege und Fahrradparkanlagen sind nicht nur eine Bremse für die dringend nötige Verkehrswende, sondern sie deckeln auch das Wachstum der deutschen Fahrradindustrie", sagt Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork. Die Niederlande machten vor, wie es besser gehe.

Wegen der Trockenheit - und damit guten Radelwetters - wurden 2018 immerhin 4,2 Millionen Fahrräder in Deutschland verkauft, der zweithöchste Wert in diesem Jahrzehnt. Die Umsätze der Hersteller und Importeure wachsen, weil inzwischen schon jedes vierte neue Fahrrad ein Elektrorad ist. Denn für die geben die Käufer meist 2000 bis 2500 Euro aus. Über alle Modelle hinweg ließen sich die Deutschen ihr neues Fahrrad im letzten Jahr im Schnitt 756 Euro kosten. "2018 war hervorragend", bilanziert Verbandschef Neuberger für die Branche. Auch er wünscht sich mehr Investitionen in Radwege. Zu oft würden in den Ländern noch Fördermittel nicht abgerufen, weil die Planer fehlten. Fortschritte seien aber sichtbar. "Das Thema ist in der Politik angekommen", sagt Neuberger.

Quelle: n-tv.de, jwu/dpa

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