Wirtschaft

Zweite Insolvenz seit 2013 Loewe ist erneut pleite

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(Foto: picture alliance/dpa)

Der Fernsehhersteller Loewe bedient das höherpreisige Marktsegment. Hier bleibt die Entwicklung aber deutlich hinter den Erwartungen des Unternehmens zurück. Das macht erneut den Gang zum Amtsgericht erforderlich. Die Sanierung will die Firma jedoch selbst stemmen.

Wenige Jahre nach einer schweren Krise steckt der Fernsehhersteller Loewe erneut in finanziellen Schwierigkeiten. Das Unternehmen im oberfränkischen Kronach hat nach 2013 zum zweiten Mal ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt, wie aus einer Mitteilung hervorging. Die Geschäfte laufen schlechter als erwartet: "Unser relevantes Marktsegment in der gehobenen Preisklasse ist im laufenden Quartal um 20 Prozent rückläufig", erklärte Geschäftsführer Ralf Vogt. Die Löhne und Gehälter der gut 500 Beschäftigten seien in der Sanierungsphase gesichert, der Geschäftsbetrieb soll ohne Einschränkungen weiterlaufen.

Ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung bedeutet, dass das Management weiter die Verantwortung inne hat, allerdings unter Begleitung eines gerichtlich bestellten externen Sachwalters. Bei einer herkömmlichen Insolvenz dagegen verliert das Management die Kontrolle, stattdessen übernimmt der Insolvenzverwalter die Regie.

In einer unter Bundesanzeiger.de von der Loewe Technologies GmbH hinterlegten Bilanz weist das Unternehmen für das Jahr 2017 einen Umsatz von knapp 151,4 Millionen Euro aus, nach gut 133 Millionen Euro im Jahr zuvor. Unter dem Strich blieb 2017 ein Verlust von 4,6 Millionen Euro. Im Jahr zuvor hatte das Unternehmen noch fast 35 Millionen Euro verdient.

In dem Bericht hatte das Unternehmen vor allem in den Märkten Russland, China und den USA Wachstumschancen gesehen. Insgesamt sah das Unternehmen für 2018 gute Chancen, "weiter deutlich zu wachsen".

Neuausrichtung bei IFA angekündigt

Das 1923 gegründete Unternehmen war ein Pionier der Fernsehtechnik, hat jedoch seit langem mit der übermächtigen Konkurrenz aus Südkorea, Japan und China zu kämpfen. Geschäftsführer Vogt ist erst seit Ende Dezember im Amt. Das Management plant einen "umfassenden strukturellen und personellen Umbau der Loewe-Organisation und eine Verschlankung des gesamten Unternehmens", wie es in der Mitteilung hieß. Welche längerfristigen Konsequenzen die Sanierung für die Mitarbeiter haben wird, blieb offen.

"Das Loewe-Management ist erst vor wenigen Wochen angetreten, die Marke und das gesamte Unternehmen wieder erfolgreich zu machen", erklärte Vogt. "Wir mussten jetzt erkennen, dass dies schneller und konsequenter geschehen muss, als wir das noch zum Jahresbeginn angenommen hatten." Im Herbst 2013 hatte Loewe zum ersten Mal ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt, damals die Krise jedoch mit Hilfe eines Investors überstanden.

Die Technik in Loewe-Produkten ist längst nicht mehr nur Made in Germany. Erst im Februar hatte Vogt eine strategische Partnerschaft mit dem japanischen Elektronikhersteller Toyoichi bekannt gegeben, der unter anderem LCD-Displays liefert. Vogt und seine Kollegen in der Loewe-Führungsetage wollen weg vom reinen Fernsehgeschäft: So soll in diesem Jahr auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin ein Home Entertainment System vorgestellt werden. 

Von der einst bedeutenden deutschen Konsumgüterindustrie sind nur wenige Hersteller verblieben. Neben Loewe stellt noch Metz TV-Geräte her, seit 2015 unter Regie eines chinesischen Eigentümers.

Quelle: n-tv.de, jwu/dpa