Wirtschaft

"Völlig unzureichende" Kontrollen London versagt im Kampf gegen Geldwäsche

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Londoner Finanzdistrikt Canary Wharf: "Geldwäsche ist eine strategische Bedrohung für die Wirtschaft Großbritanniens".

(Foto: REUTERS)

Hunderte Milliarden schmutziges Geld fließen jedes Jahr durch die Londoner City. Die Aufseher versagen kolossal, kritisiert Transparency International. Und die Strafen sind viel zu lasch.

Die britische Regierung geht laut einem Bericht von Transparency International (TI) nur unzureichend gegen Geldwäsche und den Transfer von Schwarzgeld in Großbritannien vor. "Großbritannien ist weiter ein sicherer Hafen für illegale Einkünfte. Die große Mehrheit der Behörden, die das verhindern sollen, machen ihren Job nicht", sagte ein TI-Sprecher. Eine radikale Reform sei nötig. Das Kontrollsystem sei "völlig unzureichend und strukturell unsolide".

Ein Grund für das Versagen seien viel zu niedrige Strafen. Es mangele an Abschreckung: Nur 768.000 Pfund an Bußgeldern haben die Behörden laut Angaben der Regierung im letzten Berichtsjahr wegen Geldwäsche verhängt. Die durchschnittliche Strafe, die Firmen für Verstöße gegen die Vorschriften zahlen mussten, betrug damit gerade einmal 1134 Pfund. "Ein durchschnittliches Haus in der Londoner Innenstadt kostet mehr als die Gesamtsumme aller Strafen, die im vergangenen Jahr in ganz Großbritannien wegen Geldwäsche mit Immobilien verhängt wurden", kritisierte der TI-Sprecher.

Jedes Jahr würden "mit größter Wahrscheinlichkeit viele hundert Milliarden Pfund an internationalem Schwarzgeld durch britische Banken und ihre Tochterfirmen gewaschen", zitiert TI Schätzungen der britischen Strafverfolgungsbehörden. Das Ausmaß der Geldwäsche sei "eine strategische Bedrohung für die Wirtschaft und den Ruf Großbritanniens", hatten die Ermittler im Sommer gewarnt. Trotzdem werde nur ein Bruchteil des schmutzigen Geldes entdeckt, gibt die Regierung selbst zu.  

"Offene Tür für schmutziges Geld"

Das liege am Kompetenzgerangel und Versagen der zuständigen Aufsichtsbehörden, kritisiert TI. Ein Flickenteppich von 22 verschiedenen Gremien sei für die Geldwäschekontrollen in der Finanzbranche, im Immobiliensektor, bei Kanzleien, Wirtschaftsprüfern, Luxusgütern und Trusts zuständig. Allein im Rechnungswesen hätten 14 verschiedene Aufsichtsgremien in der einen oder anderen Weise bei den Geldwäschekontrollen mitzureden.

Im Immobiliensektor hätten die Aufseher im vorletzten Berichtsjahr nur 179 Verdachtsfälle ausgemacht, im Kunstsektor sogar nur 15 - obwohl beide Bereiche zweifelsfrei beliebt sind, um große Summen Schwarzgeld zu parken. Beim Kauf von Immobilien muss nur der Verkäufer überprüft werden, nicht aber der Käufer. "Die Verantwortung für diese offene Tür für schmutziges Geld liegt bei den Institutionen, die die Geldwäscheregeln in Großbritannien überwachen", sagte der TI-Sprecher.

Das größte Problem: Viele der Institutionen sind private Industrie- und Berufsverbände, die sich selbst verwalten. Rund zwei Drittel sind laut TI potentiell befangen, weil sie unter einem massiven Interessenkonflikt leiden: Sie sollen Geldwäsche verhindern, sind gleichzeitig aber Lobbyverbände für die Branchen, die sie überwachen. TI fordert daher, die privaten Kontrolleure zu entmachten und eine einzige Super-Behörde gegen Geldwäsche zu schaffen.

Quelle: ntv.de

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