Wirtschaft

Airline-Aktie im Sinkflug Lufthansa verschreckt Anleger

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Turbulenzen voraus: Der Kursrutsch bei der Lufthansa belastet den Dax.

(Foto: dpa)

Was ist bei Deutschlands größter Fluggesellschaft los? Der Aktienkurs kippt steil ins Minus. Händler verweisen auf den geplatzte Schuldscheinverkauf - und auf das geplante Geschäft mit Air Berlin. Reisende müssen mit steigenden Ticketpreisen rechnen.

Die Absage einer Anleiheemission durch die Deutsche Lufthansa hat am deutschen Aktienmarkt nach Ansicht von Experten eine starke Verkaufsbewegung ausgelöst. Der Kurs der Lufthansa-Aktie sackte um zeitweise mehr als vier Prozent ab und war damit mit Abstand größter Verlierer im Dax. "Der Abbruch der Emission kam nicht gut an", sagte ein Aktienhändler. Die Fluggesellschaft musste die Herausgabe einer 500 Millionen Euro schweren Anleihe zu Wochenbeginn kurzfristig absagen, weil sich angeblich nicht genügend Käufer dafür fanden.

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Mit der Anleihe wollte sich die Lufthansa eigentlich frische Mittel bei Bond-Anlegern besorgen. Die potenziellen Investoren hätten bemängelten, dass die Lufthansa sich nicht auf Zugeständnisse bei den Konditionen eingelassen habe, berichtete dagegen die Reuters-Tochter IFR. Die Lufthansa hatte versucht, den Bond mit einem Renditeaufschlag von etwa 95 Basispunkten auf die Swap-Mitte loszuschlagen. Doch Investoren war das zu wenig.

40 Jets von Air Berlin

Zudem hätten Anleger Sorgen über einen möglichen Deal mit dem defizitären Wettbewerber Air Berlin, sagte ein anderer Händler. "Vielleicht ist man besorgt, dass das wirtschaftliche Risiko zu groß ist." Die Lufthansa will Insidern zufolge etwa 40 Air-Berlin-Maschinen einschließlich Besatzungen in ihre Tochter Eurowings eingliedern. Die Entscheidung darüber könnte am Mittwoch fallen, wenn sich der Aufsichtsrat der Lufthansa trifft.

Die geplante Übernahme von Strecken der angeschlagenen Air Berlin durch Lufthansa könnte aus Sicht des Wettbewerbsexperten Justus Haucap die Tickets verteuern. "Die Erfahrung zeigt: Wenn man auf einer Strecke die Reduktion von zwei auf einen Anbieter hat, muss man schon sehr gutgläubig sein, wenn man denkt, dass die Preise dort nicht steigen", erklärte der Ökonom der Uni Düsseldorf. "10 bis 20 Prozent höhere Preise halte ich für realistisch."

Was sagen die Kartellwächter?

Wenn der Lufthansa-Aufsichtsrat bei der anstehenden Sitzung zustimmt, könnte die Lufthansa das zur Debatte stehende Kontingent von 40 Air-Berlin-Maschinen samt Besatzungen zum Winterflugplan Ende Oktober übernehmen.

"Ryanair und Easyjet sind längst nicht auf allen Strecken unterwegs, die da betroffen wären. Sie bräuchten auch Zeit, um nachzuziehen", sagte Haucap. Auf längeren Strecken sei wegen des Zeitverlusts besonders für Geschäftsreisende auch die Bahn keine Alternative, meinte der Wissenschaftler. Haucap rechnet damit, dass das Bundeskartellamt die Übernahme prüfen muss. Eine mögliche Auflage wäre, dass Lufthansa einzelne Zeitfenster für Flüge der Konkurrenz freigeben müsse.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa/rts

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