Wirtschaft

Brexit-Folge schmeckt Briten nicht "Marmite" verschwindet aus Supermarkt

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Jetzt bleibt das Brot blank.

(Foto: dpa)

Der Brexit ist bitter, genauso wie die klebrige Paste, die sich Briten gerne auf ihr Toast streichen. Wegen steigender Preise hat die größte Handelskette "Marmite" jetzt aus dem Sortiment genommen. Auch andere Lebensmittel verschwinden.

Der Brexit ist im Supermarktregal der Briten angekommen. Ausgerechnet der urbritische Brotaufstrich Marmite ist von einem Preiskampf betroffen. Dahinter steckt der schwache Kurs des Britischen Pfunds, der infolge des Brexit-Votums deutlich gefallen ist.

Britisches Pfund / US-Dollar
Britisches Pfund / US-Dollar 1,27

Würzig-säuerlich, im Abgang bitter und von schmieriger Konsistenz - so lässt sich der britische Brotaufstrich Marmite beschreiben. Das beliebte Produkt aus Hefeextrakt steht seit dieser Woche im Mittelpunkt eines landesweiten Aufschreis in Großbritannien. Der Grund: Hersteller Unilever hat offenbar die Lieferung von Marmite und anderen Produkten an Großbritanniens größte Supermarktkette Tesco gestoppt.

Auch andere Produkte betroffen

"Teile Großbritanniens sind nicht mehr mit Marmite versorgt", schrieb der "Guardian" in alarmierendem Ton auf seiner Webseite. Dahinter steckt die Entscheidung der Briten für einen EU-Austritt, den Brexit. Die hatte den Kurs des Pfunds in den Keller sausen lassen. 17 Prozent an Wert hat die britische Währung zum US-Dollar seit dem Referendum am 23. Juni verloren.

Für den Lebensmittelkonzern Unilever bedeutet das erheblich höhere Kosten für den Einkauf in Euro und Dollar. Deswegen verlangt der Konzern Medienberichten zufolge, dass die Kunden im Laden bis zu zehn Prozent mehr für seine Produkte bezahlen. Dazu gehören neben Marmite auch die beliebten Teebeutel der Marke PG, Hygieneartikel von Dove, Speiseeis von Ben & Jerry's und das Waschmittel Persil.

Aber weil Tesco das nicht mitmachen will, leeren sich nun die Regale. Auf der Internetseite des Lebensmitteleinzelhändlers war unter einer Marmite-Abbildung zu lesen: "Es tut uns leid, dieses Produkt ist zur Zeit nicht erhältlich".

Bestätigen wollte Tesco den Preiskampf auf Anfrage nicht. In einer Mitteilung hieß es lediglich: "Wir haben zur Zeit Schwierigkeiten mit der Verfügbarkeit von einer Anzahl von Unilever-Produkten." Unilever hielt sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur auch bedeckt. Finanzchef Graeme Pitkethly sagte aber bei der Vorstellung der Quartalszahlen, er hoffe, dass der Streit "ziemlich bald erledigt" sei und deutete an, dass Tescos Konkurrenten bereits nachgegeben haben.

"You either love it or hate it"

Dass es ausgerechnet ein urbritisches Produkt wie Marmite treffen könnte, überrascht offenbar und trifft die Menschen ins Mark. Zahlreiche Twitter-Nutzer vermuteten, der niedrige Pfundkurs sei nur ein vorgeschobener Grund für Preiserhöhungen - schließlich werde Marmite in Großbritannien hergestellt, so dass Währungsturbulenzen doch keine Rolle spielen dürften. Der Hashtag #marmitegate schoss in den britischen Twitter-Trends in die Top 10.

Die seit mehr als einem Jahrhundert in Großbritannien verzehrte Paste wird aus Hefe hergestellt, die zum Bierbrauen benutzt wurde. Der Werbespruch lautet "Liebe es oder hasse es". Die Briten schmieren sich Marmite meist auf Toast, nach Herstellerangaben kann die Creme aber zum Beispiel auch für das Würzen von Zwiebelsuppe oder Bolognesesoße verwendet werden.

Vorbote des Brexit

Für britische Supermarktketten wie Tesco und Sainsbury's bedeuten die Forderungen der Hersteller weiteren Druck im Konkurrenzkampf mit deutschen Discountern wie Aldi und Lidl. Die drängen seit einigen Jahren mit Macht auf den britischen Markt und haben dort für einen Preisverfall gesorgt.

Mit ihrem breiten Sortiment an Eigenmarken könnten die Discounter nun den britischen Supermärkten weitere Marktanteile abjagen, so die Sorge. Für viele Briten ist der "Marmite-Krieg", wie der Preiskampf von Medien teilweise genannt wird, die erste spürbare Folge des Brexit.

Experten glauben, dass der schmierige Brotaufstrich nur zum Symbol eines sich andeutenden Trends geworden ist. Sobald das lukrative Weihnachtsgeschäft vorüber sei, könnten andere Hersteller dem Beispiel von Unilever folgen, glaubt zum Beispiel Steven Dresser vom Marktanalysten Grocery Insight.

"Niemand will die Preise vor Weihnachten erhöhen. Andere warten möglicherweise einfach bis Januar." Ähnlich wie Marmite könnte der Brexit dann auch vielen Verbrauchern im Abgang bitter schmecken.

Quelle: n-tv.de, niv/dpa/AFP

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