Wirtschaft

Pilotabschluss für Branche Metaller erhalten Prämie und Einmalzahlung

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Metaller in Nordrhein-Westfalen können aufatmen. IG Metall und Arbeitgeber einigten sich auf einen neuen Tarifvertrag.

(Foto: imago images/Cord)

Die siebte Runde der Tarifverhandlungen zwischen Arbeitgebern und IG Metall in NRW bringt den Erfolg: Die Metaller erhalten moderat mehr Geld oder können ihre Arbeitszeit reduzieren. Für die Arbeitgeberseite gibt es mehr Flexibilität. Die Einigung könnte bei Übernahme für 3,8 Millionen Beschäftigte gelten.

Weichenstellung in der Metall- und Elektroindustrie: Gewerkschaft und Arbeitgeber in NRW einigten sich "nach zehnstündigem Verhandlungsmarathon" in der siebten Runde, wie die IG Metall in Frankfurt mitteilte. Die Vereinbarung sieht in diesem Jahr eine Corona-Prämie in Höhe von 500 Euro sowie eine jährliche Einmalzahlung vor. Die Laufzeit des Tarifvertrags beträgt 21 Monate, er gilt bist zum 30. September 2022.

Die jährliche Einmalzahlung entspricht einem Entgeltzuwachs von 2,3 Prozent, die Gewerkschaft hatte vier Prozent gefordert. Er wird als "Transformationsbeitrag" jährlich einmal ausbezahlt: im Februar 2022 in Höhe von 18,4 Prozent eines Monatsentgelts, ab 2023 dann in Höhe von 27,6 Prozent eines Monatseinkommens. Das Geld können die Betriebe auszahlen oder zum Lohnausgleich bei Arbeitszeitabsenkung verwenden. So sei es etwa möglich, die Wochenarbeitszeit von 35 auf 32 Stunden zu reduzieren, aber 34 Stunden bezahlt zu bekommen. Diese Arbeitszeitverkürzung soll für bis zu 36 Monate möglich sein. Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf betont jedoch, dass es sich dabei um freiwillige Angebote handele und sie keinen dauerhaften Einstieg in die Arbeitszeitverkürzung darstellen.

"Krisenfolgen werden fair verteilt"

"Dieser Tarifabschluss bietet tragfähige Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit: auf die akuten Probleme infolge der Corona-Pandemie ebenso wie auf die strukturellen Herausforderungen, die die Transformation für unsere Branchen mit sich bringt", fasst IG-Metall-Chef Jörg Hofmann zusammen. Inmitten einer der schwersten Krisen in der Geschichte der Bundesrepublik habe die Gewerkschaft erreicht, "dass die Krisenfolgen fair verteilt und nicht einseitig bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern abgeladen werden". Das sei auch den fast eine Million Gewerkschaftsmitgliedern zu verdanken, die sich in den vergangenen Wochen an Warnstreiks beteiligt hätten, so Hofmann weiter.

Der Präsident des Verbandes der Metall- und Elektro-Industrie Nordrhein-Westfalen, Arndt Kirchhoff, bezeichnete den Tarif-Kompromiss als "ein von Fairness, Vernunft und Weitsicht geprägtes Ergebnis in einer außergewöhnlich schwierigen Wirtschaftslage". Es sei gelungen, der enorm heterogenen wirtschaftlichen Situation Rechnung zu tragen.

Unternehmen können Zusatzentgelt streichen

"Ganz wichtig" für die Unternehmen sei, dass sie wie schon im Jahr 2020 auch im Jahr 2021 keine Erhöhung der Tabellenentgelte verkraften müssten, erklärte Kirchhoff. Dazu kann ein bereits 2018 vereinbartes Zusatzentgelt von etwa 400 Euro, das eigentlich im Oktober fällig wird, verschoben oder ganz gestrichen werden. Betriebe, deren Nettoumsatzrendite unter 2,3 Prozent fällt, können davon Gebrauch machen. Gesamtmetall-Chef Wolf schätzt, dass etwa ein Drittel der Betriebe dafür in Betracht kommt. Zurückhaltend äußert sich Kirchhoff hingegen zur Sonderzahlung. Die sei für die Unternehmen "schmerzhaft und nur schwer verdaulich", aber mit Blick auf verbesserte konjunkturelle Aussichten für 2022 "gerade noch vertretbar".

Die Gewerkschaft und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall empfahlen die Übernahme des Pilotabschlusses von Nordrhein-Westfalen auch für die übrigen Tarifgebiete. Bundesweit geht es um mehr als 3,8 Millionen Beschäftigte der Branche. Die Erklärungsfrist dafür endet am 30. April. IG-Metall-Chef Hofmann forderte die regionalen Arbeitgeberverbände entsprechend zu einer schnellen Übernahme und der Lösung "offener regionaler Fragen" auf. Das betreffe etwa die Angleichung der Stundenentgelte in den ostdeutschen Tarifgebieten.

Verhandlungen in anderen Regionen dauern an

Die IG Metall Baden-Württemberg und der Arbeitgeberverband Südwestmetall verständigten sich darauf, ihre eigenen Gespräche noch heute fortzusetzen. Dabei werde es auch um eine mögliche Übernahme der "pilotfähigen Elemente" des Abschlusses aus Nordrhein-Westfalen gehen, kündigte Südwestmetall an. Die Metall-Arbeitgeber im benachbarten Bayern begrüßten die Einigung in NRW, der Abschluss werde den "extrem schwierigen Zeiten durch Rezession, Strukturwandel und Corona-Pandemie gerecht". Die Verhandlung für die bayerische Metall- und Elektro-Industrie sollen in der Woche nach den Osterferien stattfinden.

Auch für die Beschäftigten der Branche in Berlin, Brandenburg und Sachsen würden nun mit den Arbeitgeberverbänden Termine für Verhandlungen gesucht, kündigte die dortige IG Metall an. Jedoch bleibe trotz des Pilotabschlusses in NRW die "regionale Frage im Bezirk" zu klären - nämlich die schrittweise Angleichung der Arbeitsbedingungen. Die IG Metall Küste begrüßte den Pilotabschluss ebenfalls. Verhandlungen zur Übernahme mit dem Arbeitgeberverband Nordmetall soll es "voraussichtlich nach Ostern" geben.

Quelle: ntv.de, als/dpa/AFP

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