Wirtschaft

Midlife-Crisis? Milliardäre investieren in Unsterblichkeits-Startup

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Amazon-Gründer Jeff Bezos greift offenbar nicht nur nach den Sternen.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Für immer jung bleiben, viele träumen davon. Ein Startup im Silicon Valley versucht das zu ermöglichen und erhält dabei offenbar prominente Unterstützung - unter anderem von Amazon-Gründer Jeff Bezos. Die Technologie ist nicht unumstritten, zeigte aber schon erste Erfolge.

Es heißt, junge Menschen träumten davon, reich zu sein – und reiche davon, jung zu bleiben. Das könnte der Grund sein, warum besonders reiche und ältere Männer in das US-Startup Altos Labs investiert haben. Wie das "MIT Technology Review" berichtet, versucht das Unternehmen, den Alterungsprozess in Zellen umzukehren, ihre Lebenszeit also zu verlängern. Dabei werde es unter anderem von dem 59-jährigen russisch-israelischen Internet-Investor Yuri Milner unterstützt, dessen Vermögen auf 4,9 Milliarden US-Dollar geschätzt wird. An seiner Seite habe auch Amazon-Gründer Jeff Bezos dort investiert, wie es laut Insidern heißt. Bis Juni dieses Jahres sollen so rund 270 Millionen US-Dollar zusammengekommen sein.

Dass den 57-jährigen Bezos seine Sterblichkeit offenbar arg beschäftigt, wurde jüngst in seinem letzten Brief an die Amazon-Aktionäre deutlich. Dort zitierte er den US-Evolutionsbiologen Richard Dawkins: "Den Tod hinauszuzögern, ist eine Sache, an der man arbeiten sollte." Es ist wohl auch eine Aufgabe, der sich nun auch der etwa 200 Milliarden US-Dollar schwere Amazon-Gründer verschrieben hat. Schon zuvor hat Bezos in ein Anti-Aging-Unternehmen investiert. Unity Biotechnology versucht, Therapeutika zu entwickeln, die Alterskrankheiten verlangsamen, aufhalten oder sogar heilen können.

Das im April dieses Jahres gegründete Unternehmen Altos Labs geht noch einen Schritt weiter. Dabei vertraute es auf die Forschung des Biologen Shinya Yamanaka, der die Firma wissenschaftlich berät, wie es im "MIT Technology Review" heißt. Die Idee des Nobelpreisträgers ist es, normale Zellen in embryonale Stammzellen umzuwandeln. Diese haben zwar selbst keine Funktion, sie können sich aber zu jedem Zelltyp entwickeln. Bei der Umwandlung gehen auch alle Folgen des Alterungsprozesses verloren, die Zelle wird so verjüngt.

Es gibt "einen großen Hype"

An Altos Labs ist dem Bericht zufolge auch ein Forscher beteiligt, der diese Technologie schon in der Praxis umgesetzt hat. Juan Carlos Izpisua Belmonte, ein spanischer Biologe des kalifornischen Salk Instituts, wandte diese Methode bei Mäusen an. Daraufhin zeigten die Tiere erste Zeichen, dass der Alterungsprozess bei ihnen umgekehrt wurde. Izpisua Belmonte habe das "Reprogrammieren" deshalb als ein mögliches "Lebenselixier" bezeichnet. In der Wissenschaftswelt ist der Spanier dafür bekannt, Mischwesen aus Affen- und Menschenembryos kreiert zu haben.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Alejandro Ocampo, ein ehemaliger Mitarbeiter von Izpisua Belmonte, wird im "MIT Technology Review" zitiert, dass er es für unwahrscheinlich halte, dass es das Verfahren in die kommerzielle Medizin schaffe. Das Prinzip sei zwar "stark", es ist aber der "große Hype", der ihn besorge. "Es entwickelt sich zu schnell", warnt der Forscher. In der Forschung seien zu viel Geld und zu viele Unternehmen involviert.

Aus Ocampos Sicht ist die Technologie noch zu gefährlich, um sie am Menschen zu testen. Besonders weil das "Reprogrammieren" die Art der Zelle grundlegend ändere. Aus einer Haut- werde so eine Stammzelle. Das mache es in der Praxis noch zu riskant. Gleichzeitig gebe es Vorteile, die sich nicht wegdiskutieren ließen: "Man kann eine Zelle eines 80-Jährigen nehmen und sie im Reagenzglas um 40 Jahre verjüngen." Es existiere keine andere Technologie, die das kann.

Nicht nur der Traum vom ewigen Leben lockt

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Auch deshalb konnte Altos Labs für die Idee weitere Wissenschaftskoryphäen gewinnen. In dem "MIT Technology Review"-Bericht heißt es, dass unter anderem Steve Horvarth mit dabei sein soll. Der Deutsch-Amerikaner der Universität Los Angeles entdeckte eine Art biologische Uhr, mit der sich das menschliche Alter messen lässt. Gleiches gelte für Peter Walter, der ein Molekül entdeckte, das "bemerkenswerte Effekte" auf das Gedächtnis habe. Genauso habe das Startup auch Wolf Reik verpflichtet, einen Spezialisten auf dem Gebiet der "Reprogrammierung".

Die vielversprechende Technologie und der Traum vom ewigen Leben seien aber nicht die einzigen Argumente gewesen, mit dem das Startup die Wissenschaftler überzeugt habe: Der Forscher Manuel Serrano berichtete in der "MIT Technology Review" davon, dass sein Gehalt bei Altos Labs um das Fünf- bis Zehnfache höher sei als das, was ihm das Institut für Biomedizin in Barcelona gezahlt hatte.

Quelle: ntv.de

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