Wirtschaft

Händler seien "froh"Molkereichef hält Butterpreis oben und warnt vor "gefährlichem Preiskampf"

07.02.2026, 16:28 Uhr
00:00 / 04:48
Milchwerke-Berchtesgadener-Land-Chiemgau-eG-Markenname-Berchtesgadener-Land
Berchtesgadener-Land-Chef Pointner regt Kunden zum Innehalten und Hinterfragen an. (Foto: picture alliance / SZ Photo)

Butter ist gerade so günstig wie lange nicht. 99 Cent kostet ein Päckchen im Supermarkt. Doch dieser Preis hat Folgen, warnt Molkereichef Pointner. Sein Betrieb bleibt deshalb bei dem mehr als doppelt so hohen Verkaufspreis.

Die Molkerei Berchtesgadener Land wird ihren Butterpreis, der regulär bei 2,59 Euro pro 250-Gramm-Packung liegt, entgegen dem Trend nicht senken. Das kündigt Molkereichef Bernhard Pointner im "Spiegel" an. "Der Preiskampf um Grundnahrungsmittel ist gefährlich und führt zu ökonomischen Schieflagen", sagte er dem Magazin mit Blick auf Konkurrenten, die ihre Butter derzeit für 99 Cent anbieten. "Am grundsätzlichen Preisniveau wollen wir festhalten."

Er verstehe den Preisdruck, dem Konsumenten ausgesetzt seien. "Wer Miete zahlt, teuer tankt, der sieht beim Einkauf Sparpotenzial", sagte Pointner. Allerdings, gab er zu bedenken, kosten ein Päckchen Butter und ein Liter Milch derzeit fast dasselbe. "Um 250 Gramm Butter zu produzieren, benötigt man jedoch mehr als fünf Liter Milch." Wenn Bauern ihre Milch an Butterproduzenten abgeben, die das Streichfett dann zum selben Preis wie einen Karton Milch anbieten, stürze das die Erzeuger in eine gefährliche wirtschaftliche Lage.

Die Milchhöfe hätten vor kurzem noch etwa 60 Cent von den Verarbeitungsbetrieben erhalten. Inzwischen sei der Preis "auf teils die Hälfte abgestürzt". Der Milchexperte erklärte: "Wenn der Milchpreis mal um 10 oder 15 Cent schwankt, kann man das mit Rücklagen abfedern, Halbierungen jedoch kaum." Pointners Molkerei zahle brutto noch 45 Cent, netto "mehr als 50 Cent", für einen Liter Milch. Damit will die Molkerei Berchtesgadener Land "Bauern vor extremen Schwankungen schützen und gemeinsam durch diese Krise gehen", wie es Pointner nannte.

Damit sein Unternehmen den bayerischen und österreichischen Alpen-Milchbetrieben derartige Preise zahlen könne, müsse der Butterpreis oben bleiben. Anrufe von Händlern oder Kunden, dass das Unternehmen mit den Preisen heruntergehen soll, bekäme Berchtesgadener Land nicht. Im Gegenteil: "Wir können unsere Stammkunden bei der Marke halten", führte Pointner aus. Zudem seien die Supermärkte und andere Händler "froh, wenn sich Markenartikel abheben". Mit Butter für 99 Cent je Päckchen käme kein Lebensmittelhändler klar, sagte der Molkereichef.

"Endverbrauchern ist heile Welt wichtig"

Kunden rät er dazu, beim Einkauf innezuhalten und sich zu fragen: "Welche Landwirtschaft wollen wir eigentlich?" Berchtesgadener Land beziehe seine Milch vor allem von kleineren Milchhöfen mit bis zu 30 Kühen. "Wenn Milch sich nicht mehr lohnt, steigen manche aus", zeigte Pointner auf. "Dadurch verändert sich die Art, wie Wiesen und Almen bewirtschaftet werden. Wir wollen jedoch die bisherige Art der Landwirtschaft erhalten, weil den Endverbrauchern dieses Stück heile Welt wichtig ist."

Mit der günstigen Butter würden Kunden wenig sparen, aber großen Schaden anrichten, rechnete Pointner vor. "Jeder Verbraucher in Deutschland trinkt im Schnitt 46 Liter Milch pro Jahr. Der Butterverbrauch liegt bei 5,3 Kilogramm, das sind 21 Packungen." Aufs Jahr gerechnet würden die Kunden "etwa 60 Euro mehr" zahlen, wenn sie beim Butterkauf konsequent auf verantwortungsvolle Landwirtschaft achten würden. "Viele überschätzen, was sie durchs konsequente Billigkaufen wirklich sparen - unterschätzen aber die Folgen, wenn Strukturen wegbrechen."

Dass die Butter jetzt so günstig angeboten wird und manchen Milchbauern in die Bredouille bringen kann, ist dem Molkereichef zufolge ein hausgemachtes Problem. Als Milchfett im Jahr 2022 knapp gewesen war, stieg der Preis in der Folge mit der Zeit europaweit kräftig an. "Diese sehr hohen Milchpreise haben die Landwirte motiviert, mehr Milch zu produzieren." Jetzt gibt es seit einigen Wochen einen Überschuss und die Preise fallen.

Für die nächste Zeit erwartet Pointner keine Entspannung im Markt. "Erst einmal wird die Milchmenge weiter steigen", sagte er. "Wir müssen bestimmt noch ein paar Monate mit diesem katastrophal niedrigen Niveau klarkommen", meint er mit Blick auf die Preise.

Quelle: ntv.de, mpa

LandwirtschaftAlpenPreiseVerbraucherpreiseMilch