Wirtschaft

Trotz des Dieselskandals Müller prophezeit VW ein Rekordjahr

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Volkswagen-Chef Matthias Müller bleibt guter Dinge - nur der Vergleich mit Tesla stört ihn.

(Foto: picture alliance / Julian Strate)

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte kostet Volkswagen eine Milliardensumme, doch Konzernchef Matthias Müller kann der Affäre auch etwas Gutes abgewinnen. Man sei dadurch aufgeweckt worden, sagt er - und meint das vor allem als Kritik an seinen Vorgängern.

Volkswagen-Chef Matthias Müller sieht den Autobauer trotz des Dieselskandals auf Erfolgskurs. "VW wird in diesem Jahr das beste Jahr seiner Geschichte haben - und nächstes Jahr wird es noch besser", sagte Müller am Abend in Passau. Die Investitionen in neue Technologien müssten nicht unter den Strafzahlungen für die Tricksereien mit Abgaswerten bei Dieselmotoren leiden, so der Konzernchef. "Die 25-Milliarden-Rechnung in den USA tut uns weh. Aber wir können haushalten."

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Volkswagen will bis 2030 mehr als 20 Milliarden Euro in die Elektromobilität stecken. Den Vergleich mit dem Elektroauto-Bauer Tesla hält Müller jedoch für unfair. Die Amerikaner verkauften "mit Mühe" 80.000 Autos im Jahr und vernichteten jedes Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag, erklärte Müller. VW setzte elf Millionen Fahrzeuge ab - mit 13 bis 14 Milliarden Euro Gewinn. "Da bitte ich die Kirche im Dorf zu lassen und nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen."

Der öffentliche Druck nach der Aufdeckung der Manipulationen habe bei Volkswagen einiges schneller ins Rollen gebracht, sagte Müller und griff damit indirekt auch seine Vorgänger an. Unter seiner Ägide habe der Wolfsburger Konzern in zwei Jahren mehr in Angriff genommen als in den zehn Jahre zuvor. "Man muss gestehen, dass der Dieselskandal vielleicht zum richtigen Zeitpunkt kam, um uns aufzuwecken." Dabei sei er nach dem Rücktritt von Martin Winterkorn eher unfreiwillig ins Amt gespült worden, räumte der 64-Jährige ein: "Ich wurde nicht so richtig gefragt, es war mehr ein Muss."

Kritik an früherer Konzernleitung

Der Dieselskandal sei "die Schattenseite" seines Lebens, sagte der ehemalige Porsche-Manager. Dennoch führe am Otto- und Dieselmotor so schnell kein Weg vorbei: In den kommenden zehn, 20 oder sogar 30 Jahre werde es eine Koexistenz von Verbrennungs- und Elektroantrieben geben. "Es ist ein Unding zu glauben, dass man auf absehbare Zeit ohne den Verbrennungsmotor auskommt." Schließlich gehe es um Lösungen, die nicht nur in Ballungsräumen, sondern auf der ganzen Welt praktikabel seien.

Der Konzernchef kritisierte das ehemalige VW-Management auch beim Umgang mit dem "Streetscooter" - einem Elektro-Lieferwagen, mit dem die Deutsche Post nun in Serie gehen will. VW hatte Gespräche mit den Entwicklern des Fahrzeugs seinerzeit abgelehnt. "Volkswagen glaubte damals, man sei der Mittelpunkt der Welt."

Quelle: ntv.de, jug/rts