Wirtschaft

Flucht nach Belarus organisiert? Mutmaßliche Marsalek-Helfer festgenommen

134722926.jpg

Die Deutschen Behörden starteten einen Fandungsaufruf nach Marsalek - bisher erfolglos.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Ex-Wirecard Manager Jan Marsalek ist seit Monaten auf der Flucht. In Österreich nimmt die Polizei jetzt drei seiner mutmaßlichen Helfer fest: einen ehemaligen FPÖ-Abgeordneten und zwei Ex-Mitarbeiter des Verfassungsschutzes.

Im Zusammenhang mit dem Wirecard-Skandal sind drei mutmaßliche Fluchthelfer von Ex-Manager Jan Marsalek in Österreich festgenommen worden. Das bestätigte die Wiener Staatsanwaltschaft. Dabei handele es sich nach Informationen mehrere Medien um den ehemaligen Nationalratsabgeordneten der FPÖ, Thomas Schellenbacher, um Martin W., Ex-Mitarbeiter und Abteilungsleiter im österreichischen Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) sowie um einen suspendierten BVT-Beschäftigten. Zuerst hatte die Zeitung „Der Standard“ darüber berichtet. Die Ermittlungen laufen laut Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Begünstigung.

Die Beschuldigten sollen Marsalek bei seiner Flucht nach Belarus geholfen haben. Schellenbacher befinde sich wegen anderer Ermittlungen in Haft, Martin W. sei inzwischen wieder auf freiem Fuß. Beim dritten Verdächtigen sei noch unklar, ob eine Untersuchungshaft angeordnet werde. "Der Standard" zitiert außerdem aus Akten, laut denen BVT-Mitarbeiter jahrelang nebenberuflich für Wirecard tätig gewesen sind. So sollen sie für den deutschen Finanzdienstleister die "Zahlungsfähigkeit von Anbietern pornographischer Internetseiten" überprüft haben. Dafür seien "hoheitliche Ermittlungstätigkeiten" vorgenommen worden, also "personenbezogene Daten zu ausschließlich privaten Zwecken" benutzt und "an Verantwortliche des Unternehmens Wirecard AG" weitergegeben worden.

Bereits im Oktober vergangenen Jahres wurde aus einer Antwort des Bundesjustizministeriums in Berlin auf eine Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Fabio De Masi bekannt, dass der frühere Wirecard-Manager Marsalek nach Informationen des Generalbundesanwalts möglicherweise V-Mann des österreichischen Nachrichtendienstes war. Dem Generalbundesanwalt "liegen Anhaltspunkte dafür vor, dass der österreichische Staatsangehörige Jan Marsalek von einem Mitarbeiter des österreichischen Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) als Vertrauensperson geführt wurde", hieß es in dem Bericht.

Der frühere Manager des mittlerweile insolventen Bezahldienstleisters Wirecard ist seit Juni untergetaucht. Die Ermittler werfen Marsalek, dem früheren Vorstandschef Markus Braun und anderen Verdächtigen organisierten Bandenbetrug vor. Sie sollen mit gefälschten Bilanzzahlen über drei Milliarden Euro von Banken und Investoren erschwindelt haben.

Quelle: ntv.de, jhe/dpa