Wirtschaft

Stimmungsindikatoren steigenNahost-Krieg sorgt für Sonderkonjunktur in Chemiebranche

28.08.2026, 15:29 Uhr
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"Die Zahlen steigen, die Krise bleibt", heißt es vom Branchenverband VCI. (Foto: picture alliance/dpa)

Die Blockade der Straße von Hormus belastet ganz erheblich die Chemieunternehmen in Asien. In die Bresche springen europäische und deutsche Betriebe. Bei ihnen laufen die Geschäfte derzeit. Der Branchenverband verweist jedoch darauf, dass die Strukturprobleme hierzulande bleiben.

Lichtblick für die angeschlagene deutsche Chemieindustrie: Die Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage im August erstmals seit vier Jahren wieder positiv. Das entsprechende Barometer stieg auf plus 11,6 Punkte von minus 14,6 Zählern im Juli, wie das Münchner Ifo-Institut anlässlich seiner Firmenumfrage mitteilte. Auch die Erwartungen hellten sich deutlich auf. Dadurch kletterte das Barometer für das Geschäftsklima, das sich aus Lage und Erwartungen zusammensetzt, von minus 26,3 Punkten im Juli auf minus 2,4 Zähler.

"Die anhaltende Blockade der Straße von Hormus und die dadurch ausgelösten Lieferausfälle in Asien erhöhen die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen aus deutscher Produktion", sagte Ifo-Branchenexpertin Anna Wolf. Da sich geopolitisch keine Entspannung abzeichne, rechneten die Unternehmen mit einer Fortsetzung dieser Sonderkonjunktur. Ihre Produktionspläne deuten auf eine Ausweitung der Fertigung hin.

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) bleibt zurückhaltend. "Die Zahlen steigen, die Krise bleibt", sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. "Das aktuelle Zwischenhoch ist ein Lichtblick, aber keine Trendwende." Unternehmen füllten wegen des Nahostkonflikts ihre Lager auf. Gleichzeitig profitierten europäische Hersteller von Lieferproblemen bei Wettbewerbern. "Das kann schnell wieder vorbei sein." Die Realität bleibe schwierig. Aufträge und Umsätze gingen zurück, viele Anlagen seien nicht ausreichend ausgelastet, Energie und Rohstoffe nach wie vor teuer. "Für einen echten Aufschwung brauchen unsere Unternehmen endlich bessere Standortbedingungen", sagte der VCI-Experte. Dafür könne das Reformpaket der Bundesregierung der Startpunkt sein.

Auch das Exportgeschäft gewinnt weiter an Schwung. Der entsprechende Indikator stieg auf plus 10,1 Punkte von minus 22,7 Zählern im Juli. Zugleich hat sich die Versorgungslage etwas entspannt: Im dritten Quartal berichtete nur noch knapp jedes siebte Unternehmen (13,8 Prozent) von Materialknappheit, während es im zweiten Quartal noch jeder dritte Betrieb war. Das bedeute aber nicht, "dass die Risiken durch das Niedrigwasser für die Lieferketten der Chemieindustrie verschwunden sind", wie der VCI betonte. Niedrige Wasserstände schränkten die Transportkapazitäten auf dem Rhein erheblich ein und führten zu Verzögerungen und höheren Transportkosten. Das könne im weiteren Verlauf auch zu Engpässen bei Rohstoffen und Vorprodukten führen.

Die strukturellen Probleme wie hohe Energie- und Standortkosten belasten die Chemiebranche weiter, betonte das Ifo-Institut. Die Unternehmen rechnen daher trotz der Belebung mit weiterem Personalabbau. "Mittelfristig könnten allerdings die staatlichen Infrastruktur- und Investitionsprogramme die Nachfrage nach chemischen Vorleistungen stützen, sofern die angekündigten Projekte zügig umgesetzt werden", sagte Ifo-Expertin Wolf.

Die Chemieindustrie zählt zu den exportstärksten deutschen Branchen nach Fahrzeug- und Maschinenbauern sowie den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten, elektrischen und optischen Produkten. 

Quelle: ntv.de, jwu/rts

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