Wirtschaft

Gabriel fordert Schlichtung Neuer Bahn-Streik wird wahrscheinlicher

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GDL-Chef Claus Weselsky.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Tarifstreit bei der Deutschen Bahn droht erneut zu eskalieren. Die Lokführergewerkschaft GDL wirft der Konzernführung vor, sie habe die Verhandlungen abgebrochen. Die Bahn sieht das anders.

Im Tarifkonflikt zwischen Lokführergewerkschaft GDL und Deutscher Bahn ist der Versuch einer Annäherung erneut gescheitert. Beide Seiten hatten sich am Freitag und Samstag zu vertraulichen Gesprächen in Berlin getroffen. Die GDL warf der Bahn anschließend vor, die Verhandlungen am Samstagabend abgebrochen zu haben. Die Bahn widersprach dem. Unklar blieb zunächst, ob die Vertreter von GDL und Bahn wie ursprünglich geplant am Sonntag noch einmal zusammenkommen würden.

Den Verlauf der Gespräche stellten beide Seiten unterschiedlich dar. Die Bahn legte nach Angaben einer Sprecherin ein neues Angebot zur Einbindung der Lokrangierführer in ein GDL-Tarifwerk vor. Das sei von der Gegenseite als "intelligent und machbar" bezeichnet worden, aber gleichwohl "aus politischen Gründen" abgelehnt worden. Die Bahn habe dann vorgeschlagen, in eine Schlichtung des gesamten Tarifkomplexes zu gehen, was die GDL ebenfalls abgelehnt habe.

Für die rund 3000 Lokrangierführer bei der Bahn hat bisher die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) die Tarifverträge abgeschlossen. Die GDL verlangt für ihre Mitglieder in dieser und anderen Berufsgruppen des Zugpersonals nun eigene Tarifverträge. Das ist der Kernpunkt des Konflikts. Die Bahn will unterschiedliche Tarifverträge für ein und dieselbe Berufsgruppe vermeiden.

Die GDL kritisierte, die Bahn habe der Gewerkschaft schriftlich mitgeteilt , sie werde keine weiteren Verhandlungen außerhalb eines von ihr "diktierten Schlichtungsverfahrens" führen. "Damit verspielt der Arbeitgeber absichtlich die Chance auf Zwischenergebnisse und anschließende Schlichtung", stellte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky fest. Die GDL-Gremien würden nun über das weitere Vorgehen entscheiden, teilte die Gewerkschaft mit. Die GDL hat in dem Konflikt bereits acht Mal gestreikt.

Der jüngste Ausstand im Personen- und Güterverkehr Anfang Mai dauerte fast sechs Tage. . Erst vor einer Woche hatte die GDL den längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn beendet, weitere Arbeitsniederlegungen aber nicht ausgeschlossen.

Gabriel will Schlichtung

Derweil forderte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel im Tarifstreit der Bahn mit ihren Lokführern ein Schlichtungsverfahren. "Beide Parteien sollten sich so schnell wie möglich auf ein Schlichtungsverfahren einigen. [Bahnchef] Grube hat Matthias Platzeck als Schlichter vorgeschlagen. Das ist eine exzellente Idee. Wenn Herr Weselsky jetzt noch eine Person seines Vertrauens findet, könnte der Konflikt gelöst werden", sagte der Minister der "Bild am Sonntag".

Gabriel äußerte zugleich Unverständnis für den andauernden Streit: "Bei diesem Tarifkonflikt geht es nicht nur um Löhne oder Arbeitsbedingungen, sondern auch um Machtfragen. "Das ist bislang einmalig in Deutschland", so der SPD-Vorsitzende. "Viele Menschen verstehen die Bahnstreiks nicht."

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa/DJ