Massive StaatsverschuldungÖkonomin warnt vor "dramatischer Gemengelage" in Frankreich

Frankreich ist hoch verschuldet und muss alleine für die Zinsen fast 80 Milliarden Euro pro Jahr aufbringen. Das Land sei derzeit das "größte Problem im Euroraum", erklärt eine Ökonomin. Ein früheres Sorgenkind hat sich aus ihrer Sicht dagegen erholt.
Renommierte Ökonomen warnen vor einer Ausweitung von Frankreichs Schuldenkrise. "Die Schuldenkrise in Frankreich ist sehr ernst. Es ist eine dramatische Gemengelage aus hohen Schulden, extrem angespannter Haushaltslage, kaum Wirtschaftswachstum, politischen Instabilitäten", sagt Ulrike Neyer, Ökonomie-Professorin der Universität Düsseldorf, der "Rheinischen Post". "Diese Gemengelage senkt das Vertrauen der Anleger in französische Staatsanleihen erheblich."
Neyer betont: "Frankreich ist derzeit das größte Problem im Euroraum. Zwar weisen Griechenland und Italien noch höhere Schuldenquoten auf, aber Griechenland erzielt inzwischen Haushaltsüberschüsse und Italien hat sein Defizit auf rund drei Prozent gedrückt." Hinzu komme die instabile politische Situation in Frankreich, Besserung sei nicht in Sicht. Präsident Emmanuel Macron hat mit seiner Partei keine Mehrheit im französischen Parlament, was politische Reformen schwer bis unmöglich macht. Seine zweite Amtszeit endet zudem im kommenden Jahr. Er darf nicht erneut als Kandidat antreten.
Frankreich rechnet für 2027 mit einer Gesamtverschuldung von 121,7 Prozent des BIP. Kein anderes Land innerhalb der EU ist höher verschuldet. Alleine die Zinsen belasten den Haushalt mit rund 80 Milliarden Euro. Die Unsicherheit an den Märkten mit Blick auf Frankreich zeigt sich auch bei den Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen. Diese stiegen zuletzt mit 4,9 Prozent auf einen Höchsts stand seit 2002.
Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), sieht vor allem langfristige Probleme: "Die größere Sorge ist heute ein Teufelskreis, bei dem steigende Schulden und politische Lähmung das Vertrauen in die staatlichen Institutionen weiter schwächen und damit die Zinsen in die Höhe treiben", sagte Fratzscher.
"Das Resultat sind eine schwächere Wirtschaft und eine steigende Gefahr einer Rezession, wodurch Defizite und Schulden noch stärker zunehmen. Langfristig kann diese Dynamik in eine Schuldenkrise führen. Daher ist ein Kurswechsel in der französischen Finanzpolitik dringend notwendig." Sorgen vor einer unmittelbar bevorstehenden Schuldenkrise in Frankreich seien aber übertrieben.
