Wirtschaft

Abgeschöpfte "Zufallsgewinne" Ökostrom-Anbieter fühlen sich ausgebremst

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Die Branche argumentiert, dass auch die Kosten für den Ausbau der Erneuerbaren durch die Krise steigen.

(Foto: IMAGO/Future Image)

Weil Ökostrom wesentlich billiger produziert wird als Strom aus Gas, sich die Preise aber an letzterem orientieren, machen Stromerzeuger aus erneuerbaren Energien aktuell hohe Gewinne. Die sollen nun abgeschöpft werden. Doch das behindert laut Branche den gewünschten Ausbau der Erneuerbaren.

Die Pläne der Bundesregierung zur Abschöpfung hoher Gewinne bei Stromproduzenten stoßen in der Ökostrom-Branche auf Skepsis. Zwar sei es richtig, dass sich die Regierung den Verwerfungen auf den Energiemärkten zuwende und Instrumente für eine Stabilisierung suche, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands Windenergie, Wolfram Axthelm. Maßnahmen für diesen Winter dürften dabei aber nicht Probleme im folgenden Winter heraufbeschwören. "Denn entscheidend wird sein, durch einen schnellen Zubau der erneuerbaren Energien langfristig die fossile Energiekrise zu überwinden." Anreize für schnelle Investitionen in den Ausbau dürften nicht ausgebremst werden.

Die Ökostrom-Anbieter appellieren deshalb an die Politik, die geplante Abschöpfung hoher Gewinne nur als kurzfristige Maßnahme im Kampf gegen die akute Energiepreis-Inflation anzuwenden. Mittel- bis langfristig müsse man sicherstellen, dass die Erzeugung aus alternativen Quellen in Deutschland stärker vorankomme und nicht durch dauerhafte Eingriffe wieder belastet werde, sagte die Geschäftsführerin des Landesverbands Erneuerbare Energien (LEE) Niedersachsen/Bremen, Silke Weyberg. "Natürlich will die Branche nicht zu den 'Kriegsgewinnlern' zählen und stellt sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung", erklärte sie zur drastischen Verteuerung von Energie, die eine Folge des Ukraine-Kriegs ist.

Von dem insgesamt gestiegenen Preisniveau können auch Betreiber von Bioenergie-, Windkraft- oder Solaranlagen profitieren, sofern ihre Produktionskosten relativ niedrig bleiben. "Wir müssen uns aber genauso die Frage stellen: Wie setze ich die abgeführten Gewinnanteile später sinnvoll ein, um die Transformation zu einem langfristig günstigeren Energiesystem hinzubekommen?" Die diskutierten Schritte dürften nicht dazu führen, dass der Umbau wegen verminderter Investitionsmöglichkeiten "abgewürgt" würde, warnte Weyberg.

Höhere Materialkosten berücksichtigen

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Gerade erst seien einige Verbesserungen beim lange schleppenden Ausbau insbesondere der deutschen Windkraft in Aussicht gewesen, als Ende Februar der russische Angriff auf die Ukraine die Branche erschütterte. "Die Frage, wie man seine Energiekosten bezahlen kann, betrifft uns alle", sagte die Verbandsvertreterin. "Doch auch die Kosten des Erneuerbaren-Ausbaus steigen jetzt - zum Beispiel für das Material neuer Anlagen. Das ist ein wichtiger Punkt, den man aus unserer Sicht schon mit berücksichtigen sollte."

Bioenergieverbände fordern, auch innerhalb der erneuerbaren Energien die unterschiedlichen Kosten zu berücksichtigen. "So sind in den letzten Monaten auch die Mehrausgaben für Bioenergieanlagen deutlich gestiegen", sagte die Leiterin des Hauptstadtbüros Bioenergie, Sandra Rostek. In der ersten Hälfte des Jahres sorgten erneuerbare Energieträger mit 48,5 Prozent für fast die Hälfte des in Deutschland erzeugten Stroms. Die größten Anteile hatten Wind (25,7 Prozent), Sonne (11,2 Prozent) und Biogas (5,7 Prozent).

Quelle: ntv.de, Jan Petermann und Helge Toben, dpa

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