Wirtschaft
Dienstag, 11. August 2015

Trotz Öl-Überangebots: Opec-Förderung läuft auf Hochtouren

Die Opec-Länder setzen hinsichtlich der Ölförderung mehr auf den Schutz ihres Marktanteils als auf die Preisstabilität. So halten sie die Fördermenge hoch - obwohl es derzeit mehr Öl auf dem Markt gibt als benötigt wird.

Rekordförderung im Irak.
Rekordförderung im Irak.(Foto: picture alliance / dpa)

Trotz des weltweiten Überangebots holen die Länder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) so viel Öl aus dem Boden wie lange nicht mehr. Wie die Opec mitteilte, ist die Produktion ihrer Mitglieder auf ein Dreijahreshoch gestiegen. Dabei sind die Preise seit Mitte letzten Jahres im Sinkflug.

Wie aus dem monatlichen Opec-Marktbericht hervorgeht, haben die 12 Staaten des Kartells - darunter einige der weltgrößten Ölproduzenten - im Juli durchschnittlich 31,51 Millionen Barrel Öl am Tag gefördert. Das ist die höchste Produktion seit Mai 2012 und ein Anstieg zum Vormonat um 101.000 Barrel. Der Wert liegt außerdem 1,5 Millionen Barrel über dem Fördermaximum von 30 Millionen Barrel, das sich die Opec bei ihrer letzten Zusammenkunft im Juni selbst auferlegt hat.

In der Vergangenheit hat die Opec stets die Preise mit einer Verminderung der Produktion gestützt. In der gegenwärtigen Preis-Abwärtsspirale jedoch ist die Organisation dazu übergegangen, lieber ihren Marktanteil statt der Preise zu schützen. Eine Flut neuer Quellen, darunter US-Schieferöl und neue Opec-Förderung, hat den Ölmarkt zu einer Zeit trüber Nachfrageaussichten hart getroffen. Das Ergebnis ist ein Überangebot und ein heftiger Preisverfall.

US-Förderung äußerst widerstandsfähig

Im Irak stieg der Ausstoß laut Opec im Juli um 46.700 Barrel und brach mit einer Fördermenge von 4,07 Millionen Barrel einen Rekord. In Saudi-Arabien stieg die Förderung um 39.200 auf 10,35 Millionen Barrel wegen der starken Inlandsnachfrage während der Sommermonate. Angola fuhr die Produktion ebenfalls hoch, und zwar um 39.700 auf 1,78 Millionen Barrel täglich.

Die US-Förderung hat sich unterdessen als äußerst widerstandsfähig erwiesen. Laut Opec sank die US-Produktion im Mai zwar um 260.000 Barrel, die Organisation geht aber nach wie vor davon aus, dass sie dieses Jahr um knapp 1 Million Barrel steigt und um weitere 320.000 im kommenden Jahr.

"Die US-Produktion ist nach wie vor nahe am höchsten Niveau seit vier Jahrzehnten, obwohl der US-Schieferölsektor wegen des Preises eigentlich schrumpfen sollte", teilte die Opec mit. Der höhere Ausstoß sei zum großen Teil auf die bessere Kostenstruktur, die niedrigeren Steuern und den Produktionsstart existierender Projekte zurückzuführen. Die Opec führte aus, dass beispielsweise die produktiven Projekte in North Dakota auch zu Preisen von 24 bis 41 Dollar das Barrel noch profitabel arbeiten könnten.

Laut Opec wird die globale Ölnachfrage dieses Jahr um 1,38 Millionen Barrel am Tag steigen, das sind 90.000 Barrel mehr als die Organisation bislang erwartet hat. Trotz der höheren Nachfrage habe es im zweiten Quartal ein Überangebot von 2,87 Barrel gegeben.

Quelle: n-tv.de