Wirtschaft

DIW fürchtet Pleite-Tsunami Pandemie kostet Deutschland 391 Milliarden Euro

226729167.jpg

Wie lange bleiben Geschäfte und Gastronomie noch geschlossen?

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Mehr als 200 Milliarden Euro hat die deutsche Volkswirtschaft durch die Corona-Pandemie bereits verloren. Bis März wird es fast doppelt so viel sein, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) berechnet. Wird der Lockdown dann nicht aufgehoben, drohen katastrophale Folgen, die Jahre anhalten könnten.

Die deutsche Volkswirtschaft hat bisher durch die Corona-Pandemie mehr als 212 Milliarden Euro verloren. Am Ende der Krise werden es 391 Milliarden Euro sein, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für die "Welt am Sonntag" berechnet hat. Das DIW ging dabei von der Annahme aus, dass die Infektionszahlen im Frühling wieder sinken.

Die Ökonomen verglichen das tatsächliche und prognostizierte Wachstum mit dem sogenannten Potenzialwachstum für die Jahre 2020 bis 2022. Dieses drückt aus, wie stark die Wirtschaft ohne die Pandemie gewachsen wäre.

"Sollten wir es bis März nicht schaffen, die Infektionszahlen deutlich zu drücken, wäre das eine Katastrophe", sagt DIW-Präsident Marcel Fratzscher der Zeitung. Es würde dann Jahre dauern, bis sich Europa und insbesondere das stark vom Export in die Eurozone abhängige Deutschland erholten. Dann drohe ein Pleite-Tsunami, hieß es. Arbeitslose hätten es schwer, eine neue Stelle zu finden.

Einigkeit über Rekordabsturz

Bevor es zu einer möglichen Erholung kommt, erwarten führende Wirtschaftsforschungsinstitute für dieses Jahr einen Rekordabsturz. Das ifo-Institut rechnet wegen der Corona-Krise mit einem historischen Einbruch von 5,1 Prozent im zu Ende gehen Jahr. "Wegen des neuerlichen Shutdowns bei uns und in anderen Ländern verschiebt sich die Erholung nach hinten", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser zuletzt. "Erst Ende 2021 wird die Produktion von Waren und Dienstleistungen ihr Vorkrisenniveau erreichen."

Ab Frühjahr soll die Konjunktur Tritt fassen, wenn Corona-Schutzimpfungen und milderes Wetter die Pandemie wieder eindämmen dürften und der Lockdown beendet werden sollte. Dazu sollen etwa die Verbraucher beitragen, die wegen ausgefallener Reisen oder dem erzwungenen Verzicht auf Restaurantbesuche etwa 100 Milliarden Euro gespart haben dürften, wie Wollmershäuser schätzt. Zumindest ein Teil dieser "zurückgestauten Kaufkraft" könnte 2021 in den Konsum fließen und die Erholung unterstützen.

Einig sind sich die Ökonomen darin, dass der Winter für die Wirtschaft hart wird. Wegen des seit November geltenden Teil-Lockdowns und der mindestens bis 10. Januar geltenden Verschärfung der Infektionsschutzmaßnahmen dürfte sie wieder schrumpfen. Das Essener Institut RWI rechnet mit einem Minus von 1,7 Prozent allein im laufenden vierten Quartal.

Quelle: ntv.de, chr/AFP/rts